Das grosse Ganze im Blick

Um die Klimaziele in der Schweiz zu erreichen, braucht es ganzheitliche Lösungen. Energie 360° entwickelt landesweit Projekte, die genau hier ansetzen und zum Nachahmen animieren. Vier dieser Projekte stellen wir vor.

Flugaufnahme Tuwag-Areal

Die Tuwag Immobilien AG beauftragte Energie 360° mit einer klimafreundlichen Gesamtsanierung. Bild: Kutter Kommunikation

Klimafreundliche Gesamtsanierung

Als die Tuchfabrik Wädenswil AG im Jahr 1978 ihre Tore schliessen musste, erhielt das Gelände ein neues Gesicht. Wohnungen wurden gebaut, 70 kleine und mittelständige Unternehmen und Dienstleister haben sich mittlerweile auf dem Areal angesiedelt und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften bildet hier zukünftige Chemiker, Umweltingenieurinnen und Lebensmitteltechnologen auf ihrem Campus aus.

Die Tuwag Immobilien AG gab Energie 360° den Auftrag, für das Areal eine klimafreundliche  Gesamtsanierung des Energiesystems umzusetzen. Speziell wichtig: Energieeffizienz, Klimaneutralität und eine flächendeckende Versorgung mit erneuerbaren Energien.

 

Tätigkeitsbericht 2021

Dieser Artikel ist Teil des Tätigkeitsberichts 2021 von Energie 360°. Sie interessieren sich für weitere Inhalte aus dem Bericht? In der Übersicht finden Sie alle Interviews, Reportagen und Beiträge.

Zum Tätigkeitsbericht 2021

 

Als zentrale Massnahme sanierte und erweiterte Energie 360° den bisherigen, in die Jahre gekommenen Wärmeverbund für das Gelände. Statt mit Öl und Gas heizen die Bewohnenden und Unternehmen nun mit Holzschnitzeln aus der Region – einer zu 100 % erneuerbaren Energiequelle. So spart nicht nur die Heizung jährlich 1100 Tonnen CO2 ein, die Regionalität des Brennstoffs sorgt auch für eine gute Ökobilanz beim Transport.

Trotz aller Modernisierungsmassnahmen achtete das Projektteam darauf, behutsam mit der geschichtsträchtigen Bausubstanz umzugehen. Der Holzschnitzelbunker versteckt sich darum unterirdisch zwischen zwei Gebäuden. Und auch der von Weitem sichtbare, markante Industriekamin bekam eine neue Innenverkleidung und fungiert nun als Rauchgasanlage des Wärmeverbunds. Eine rundum nachhaltige Gesamtlösung also: Ende Oktober 2021 wurde das gemischt genutzte Areal vom Bundesamt für Energie als erst sechstes «2000-Watt-Areal in Transformation» ausgezeichnet.

Zum Projekt Tuwag

 

Geothermie für die Wärme- und Kälteversorgung einer Arealüberbauung

Aufnahme des Areals Lancy-Pont-Rouge

Das Herzstück des Projekts ist verborgen: Das Erdreich unterhalb des Areals ist sowohl Energiequelle als auch saisonaler Energiespeicher.

Mehr als 300 Fussballfelder – so gross ist die Fläche des Areals Lancy-Pont-Rouge in Genf. Neben Büro- und Gewerbeflächen sind dort 640 Wohnungen entstanden. Eine besondere Herausforderung stellte die Wärme- und Kälteversorgung dar, sie sollte nicht nur effizient, sondern auch nachhaltig und ökologisch sein. Energie 360° ist mitverantwortlich für die Realisierung und den Betrieb des Energiesystems und hat hier gemeinsam mit ihrem Partner Bouygues Energies & Services InTec ein Leuchtturmprojekt geschaffen.

Das Herzstück des Projekts liegt unter dem Boden: Das Erdreich des Areals ist sowohl Energiequelle als auch saisonaler Energiespeicher. 300 Erdsonden ziehen im Winter geothermische Energie aus dem Boden. Im Sommer wiederum dient das Erdreich als Wärmespeicher für die Abwärme der Kälteanlagen. Ein perfekter Kreislauf, denn so kühlt der Untergrund nicht aus, wenn ihm während der Heizsaison Wärme entzogen wird. Das Beispiel des Areals Lancy-Pont-Rouge zeigt eindrücklich, dass die grossflächige Nutzung von Geothermie über das ganze Jahr ein nachhaltiges, wirtschaftliches und weitgehend autarkes System ermöglicht, das künftig als Standardlösung im Bereich der Energieversorgung dienen könnte.

Zum Projekt Lancy-Pont-Rouge

 

Das Holzheizkraftwerk in Frauenfeld ist CO2-negativ

Luftaufnahme des Holzheizkraftwerks der Bioenergie Frauenfeld AG

Das Holzheizkraftwerk ist durch und durch nachhaltig – sogar der Beton für den Bau ist rezykliert.

Das Holzheizkraftwerk der Bioenergie Frauenfeld AG ist nicht nur eines der innovativsten Heizkraftwerke der Schweiz, sondern eines der grössten und modernsten Kraftwerke seiner Art. Der Grund könnte süsser nicht sein: Zwischen September und Dezember verarbeitet die Schweizer Zucker AG in Frauenfeld eine Million Tonnen Zuckerrüben jährlich. Die benötigte Wärme erzeugte die Fabrik bisher mit Erdgas, und das wollte der Zuckerproduzent ändern. Gemeinsam mit Energie 360° begann die Beteiligungsgesellschaft daher im Dezember 2020 mit dem Bau des heutigen Kraftwerks.

Der Bau setzt tatsächlich neue Massstäbe: Wo möglich verwendeten die verantwortlichen beispielsweise Recyclingbeton. Die Aufträge erhielten meist regionale Bauunternehmen, und sie wurden bereits von Beginn an in die Planung mit einbezogen. Im Dach des Kraftwerks machen spezielle Folien den jährlichen Stickoxidausstoss von umgerechnet 60 Autos unschädlich.

Das Kraftwerk selber nutzt nachhaltige Energiequellen, etwa Restholz aus regionalen Wäldern statt anderer nachwachsender Rohstoffe wie Mais oder Raps.

Ab 2022 produziert das Kraftwerk in Frauenfeld jährlich 30 Gigawattstunden erneuerbaren Strom und 45 Gigawattstunden erneuerbare Wärme. Letztere speist ein Fernwärmenetz, welches in den kommenden Jahren massiv ausgebaut wird. Darüber hinaus entstehen jährlich 3000 Tonnen Biokohle, was zur Reduktion von rund 8000 Tonnen CO2 führt.

Zum Projekt in Frauenfeld

 

Die Heuberge wollen nachhaltig funktionieren

Drohnenaufnahme der Fideriser Heuberge

Die Heuberge AG will eine nachhaltige Gesamtlösung für die Energieversorgung der Heuberge umsetzen.

Ein alter Schiffsmotor trieb jahrelang die Bügellifte in den Fideriser Heubergen an. Nicht gerade klimafreundlich. Und in das Konzept des kleinen Skigebiets zwischen Davos und Landquart passte der Verbrenner schon gar nicht. Denn die Besitzerinnen und Besitzer wollen es CO2-neutral betreiben und so den Klimawandel verlangsamen, von dem die Heuberge als Wintersportdestination besonders betroffen sind. Als einer der ersten Schritte ersetzten die Betriebe darum die Dieselgeneratoren und schlossen das Areal ans Stromnetz an. Das spart 65 000 Liter Diesel. Lärm- und Geruchsemissionen gehören der Vergangenheit an.

Die Heuberge AG will jedoch noch weiter gehen: Gemeinsam mit dem Innovationslabor lab360 von Energie 360° feilte sie an einer nachhaltigen Gesamtlösung für die Energieversorgung der Heuberge, um ihre ambitionierten Ziele zeitnah zu erreichen. Eine integrale Lösung soll die Energieversorgung vollkommen neu aufstellen. Wieso nicht synthetisches Gas, das aus Überschüssen der Solarstromproduktion im Sommer entstehen könnte, produzieren und speichern? Und so die Stromlücke im Winter überbrücken? Das Ziel ist eine komplett erneuerbare und lokal integrierte Energie- und Wasserversorgung. Die Verantwortlichen hoffen, dass sie Quartiere und sogar Gemeinden animieren können, ähnliche Wege zu gehen. Verzichten müssen die Besucherinnen und Besucher durch die ökologische Transformation des Skigebiets übrigens auf nichts: Sogar eine solarbetriebene Sauna wartet auf sie.

Zum Projekt der Fideriser Heuberge

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