Der Alltag aus einem anderen Blickwinkel

Ein Materiallager, ein Gasspeicher, ein Holzpellet-Silo ­– für Energie 360° gehören sie zum Alltag. Doch der Zürcher Fotograf Luca Zanier hat daraus und aus weiteren Anlagen Fotokunst gemacht. Die Bilder beweisen, wie wertvoll es ist, Dinge einmal aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Sie haben es Luca Zanier angetan: Linien, Formen und Farben von Anlagen und Gebäuden faszinieren den Architekturfotografen. Er zeigt auf seinen Bildern Innenansichten von Kraftwerken mit dem technoiden Charme der 1960er-Jahre genauso wie Räume der Macht – Räume auf der ganzen Welt, wo systemrelevante Entscheidungen getroffen werden.

Solche Objekte und die passende Perspektive zu finden, ist eine anspruchsvolle Arbeit: «Ich rekognosziere sorgfältig, besichtige jede Location. Erst dann wähle ich die Sujets aus und fotografiere sie bei einem zweiten Besuch.»

Eigene Handschrift

So ging Luca Zanier auch bei den Bildern für Energie 360° vor. Sein Auftrag: Er sollte Anlagen des schweizweit tätigen Energiedienstleisters von einer unbekannten, künstlerischen Seite zeigen. Die Bilder sind nun grossformatig am Hauptsitz von Energie 360° ausgestellt.

Um die passenden Sujets zu bestimmen, schaute sich der Architekturfotograf mehr als 20 Locations an. Vom Holzpellet-Lager in Schlieren war er sofort begeistert. Auch die grossen Rohre bei der Biogas-Anlage Werdhölzli entsprachen seiner Ästhetik. Luca Zanier sucht so lange, bis er Objekte findet, die ihm wirklich gefallen – die ihn durch Struktur und Farben überzeugen. Denn er will keine dokumentarische Arbeit machen. Es ist die Ästhetik, die seine Handschrift prägt. Und genau diese Handschrift wünschen sich die Kunden, wenn sie ihn beauftragen.

 

Feedback einholen

«Seinen Stil entwickelt man als Fotograf aber nicht bei Auftragsarbeiten, sondern bei den eigenen Projekten», sagt Luca Zanier. «Es ist mir wichtig, meine Bilder an Orten auf der ganzen Welt zu präsentieren.» Als Perfektionist stellt er sich dem Feedback anderer Profis und ist seiner Arbeit gegenüber selbstkritisch. Einige Objekte fotografiert er wieder und wieder, bis die Bilder perfekt sind.

Und wie stark bessert er mit Photoshop nach? «Mein Grundsatz lautet, möglichst viel zu fotografieren und möglichst wenig zu photoshoppen», so Luca Zanier. «Schon beim Fotografieren sehe ich, was ich später noch ändern werde.» Letztlich fällt der Aufwand für die Bildbearbeitung sehr unterschiedlich aus. Sie kann pro Bild bloss eine Stunde oder einen ganzen Tag dauern. Einzelne Sujets von Energie 360° hat der Fotograf aus mehreren Bildern zusammengesetzt. «Zusätzlich habe ich auch mal einen anderen Himmel reingezogen oder mehr Wolken eingefügt, damit die Dramaturgie stimmt.»

Die Dinge anders betrachten

Das Resultat verblüfft. Auf den zwölf Bildern haben die ganz alltäglichen Anlagen von Energie 360° eine neue Identität erhalten. Die meisten Objekte erkennt man auf den ersten Blick nicht.

Die Bilder sollen ihre Betrachter dazu inspirieren, Dinge im Alltag aus einer neuen Perspektive zu betrachten, umzudenken und Alltägliches zu ändern. Dazu könnte etwa gehören, auf erneuerbare Energien umzusteigen.

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