Heizen mit Biogas: Antworten auf häufige Fragen

Kleiner Mehrpreis, grosser Effekt aufs Klima: Für nur rund 80 Franken im Monat lässt sich die Gasheizung eines Einfamilienhauses mit 100% Biogas betreiben – ganz ohne Umrüstung. Doch wie ist garantiert, dass das bestellte Biogas auch wirklich produziert wird? Und wie gelangt ausländisches Biogas in die Schweiz? Hier erhalten Sie den Durchblick.

Wohlige Wärme mit Biogas-Heizung

Biogas entsteht, wenn organische Abfallstoffe wie Klärschlamm, Grüngut oder Gülle vergärt werden. Bei diesem sogenannten Roh-Biogas ist der Methangehalt allerdings geringer als bei Erdgas. Deshalb wird das Biogas vor der Einspeisung ins Gasnetz gereinigt. Eine Biogas-Aufbereitungsanlage entfernt unerwünschte Stoffe wie CO2 und Schwefelwasserstoff.

Das aufbereitete Biogas verfügt über die gleichen Eigenschaften wie Erdgas. Beide sind in ihrer ursprünglichen Form farb- und geruchlos, ungiftig und haben den gleichen Brennwert. Daher lassen sich die zwei Gase im gleichen Netz zu den Kundinnen und Kunden transportieren. Der wesentlichste Unterschied: Biogas ist erneuerbar und nahezu CO2-neutral.

Biogasanlage Bachenbülach

Die Biogasanlage Bachenbülach mit Jahrgang 2019 ist die jüngste Anlage von Energie 360°.

Damit die Menge an Schweizer Biogas wächst, investiert Energie 360° viel in Biogas-Anlagen. In den letzten drei Jahren sind die Biogas-Anlagen in Uzwil, Niedergösgen und Bachenbülach neu hinzugekommen. Weitere Biogas-Anlagen folgen. So wird das Gas von Energie 360° immer erneuerbarer.

Garantierte Einspeisung ins Gasnetz

Weil sich Biogas im Gasnetz nicht von Erdgas unterscheiden lässt, werden alle eingespeisten Mengen separat in einer Bilanz erfasst. Das Gas, das physisch durchs Gasnetz strömt, hat keine bestimmte Herkunft mehr. Wer Biogas bezieht, erwirbt daher neben dem eigentlichen Gas zusätzlich den ökologischen Mehrwert, den das erneuerbare Biogas gegenüber dem fossilen Erdgas aufweist. Dank einer sorgfältigen Bilanzierung der Biogas-Mengen können wir jederzeit garantieren, dass die benötigte Menge Biogas vorgängig produziert und ins Gasnetz eingespeist wurde.

Bildlich kann man sich das wie einen grossen Gasspeicher vorstellen. Auf der einen Seite des Speichers leiten viele Lieferanten Gas ein. Das Gas vermischt sich im Speicher. Auf der anderen Seite des Speichers gehen zahlreiche Leitungen ab. Von hier strömt das Gas zu den Kundinnen und Kunden. Wenn nun jemand 100% Biogas bestellt, erhält diese Person möglicherweise physisch nicht nur Gas aus einer Biogas-Anlage, weil sich das Gas im Speicher vermischt. Die Person hat aber die Gewissheit, dass dank ihrer Bestellung etwas mehr Biogas und etwas weniger Erdgas in den Speicher eingeleitet wurde. Der Gasmix im Speicher ist also klimafreundlicher geworden.

Externe Kontrollen zum Handel

Alle beschafften und verkauften Biogas-Mengen erfasst in der Schweiz die Clearingstelle des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie. Sie stellt sicher, dass der Handel von Biogas zwischen Produzenten, Importeuren und Gasversorgern korrekt abläuft. Seit 2020 übernimmt die Clearingstelle diese Kontrollfunktion auch für importiertes Biogas.

Zusätzlich lässt Energie 360° die interne Bilanz zu den Biogas-Mengen jährlich durch die Schweizerische Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme überprüfen. Deren Fachleute kontrollieren, ob die von Energie 360° erstellte Mengenbilanzierung lückenlos nachvollzogen werden kann. Dazu machen sie auch Stichproben vor Ort.

Biogas aus der Landwirtschaft

Das importierte Biogas von Energie 360° stammt teilweise auch aus landwirtschaftlichen Abfällen wie Mist oder Gülle.

Biogas optimal beschaffen

2019 stammte rund ein Viertel des von Energie 360° beschafften Biogases aus der Schweiz, der Rest aus anderen europäischen Ländern. Energie 360° setzt bewusst auf einen Mix aus Schweizer Biogas und ausländischem Biogas, weil …

  • sich so ein lokaler Bezug zu Biogas-Anlagen herstellen lässt.
  • ein grosser Teil des Biogases zu möglichst günstigen Konditionen beschafft wird.
  • Energie 360° dadurch genügend flexibel ist, um auch kurzfristig eine steigende Nachfrage nach Biogas zu befriedigen.

So funktioniert der Import von Biogas

Das physische Gas aus dem Ausland gelangt genau gleich wie das Erdgas über das europäische Gasnetz in die Schweiz. Weil sich Biogas im Gasnetz nicht von Erdgas unterscheiden lässt, werden alle eingespeisten und verkauften Mengen Biogas in einem Biogas-Register festgehalten. Der Registerauszug stellt sicher, dass ausländisches Biogas nicht mehrmals verkauft wird. Über den Auszug lässt sich die Herkunft des Biogases lückenlos zurückverfolgen.

Logo Naturemade star

Das ausländische Biogas von Energie 360° entsteht wie das Schweizer Biogas ausschliesslich aus organischen Abfallstoffen und Klärschlamm. So ergibt sich keine Konkurrenz zu Lebens- oder Futtermitteln. Bei längerfristigen Vertragsbeziehungen lässt Energie 360° auch die ausländischen Biogas-Anlagen mit dem Schweizer Qualitätslabel «naturemade star» zertifizieren.

10 häufige Fragen zu Biogas

  1. Woher stammt das Biogas von Energie 360°?

Das Biogas entsteht einerseits in eigenen Biogas-Anlagen von Energie 360°. Andererseits stammt das Biogas von ausgewählten Lieferanten aus der Schweiz und aus anderen europäischen Ländern:

  • Deutschland
  • Niederlande
  • Dänemark
  • Grossbritannien
  • Ungarn
  1. Woraus entsteht Biogas?

Biogas lässt sich unter anderem aus folgenden Ausgangsstoffen produzieren:

  • Grünabfälle aus Haushalt und Garten, Beispiele: Biogas-Anlagen in Volketswil, Bachenbülach, Uzwil, Zürich-Werdhölzli
  • Landwirtschaftliche Abfälle wie Mist oder Gülle, Beispiele: Biogas-Anlagen in Nordfyn und Midfyn (Dänemark)
  • Klärschlamm aus Abwasserreinigungsanlagen, Beispiele: Biogas-Anlagen in Meilen, Buchs (SG), Zürich-Werdhölzli
  • Bioabfälle aus der Industrie, Beispiele: Biogas-Anlagen in Niedergösgen (Papierfabrik) und Kaposvàr (Ungarn, Zuckerfabrik)
  1. Wird Energie 360° den Biogas-Anteil bei den Gasprodukten weiter steigern?

Ja. Energie 360° verfolgt das Ziel, den Gasprodukten im Wärmemarkt bis spätestens 2030 mindestens 30% Biogas beizumischen.

  1. Gibt es dafür genügend Biogas?

Der Bedarf an Biogas kann mit Schweizer Biogas und der zusätzlichen Beschaffung im Ausland gedeckt werden. Allerdings lässt sich das Potenzial gegenwärtig nur teilweise wirtschaftlich nutzen. Durch die Beschaffung von ausländischem Biogas verfügt Energie 360° dennoch über genügend Biogas, um den Anteil weiter zu erhöhen. Neue Biogas-Anlagen und längerfristig auch Innovationen wie die Power-to-Gas-Technologie tragen ebenfalls dazu bei, das Gas von Energie 360° immer erneuerbarer zu machen.

  1. Wieso ist Biogas teurer als Erdgas?

Die Produktion und die Aufbereitung von Biogas sind derzeit aufwändiger und teurer als der Import von Erdgas.

  1. Ist Schweizer Biogas teurer als Biogas aus dem Ausland?

Ja. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Je mehr Biogas eine Anlage produziert, desto günstiger ist es. In der Schweiz entsteht das Biogas meist in kleinen Anlagen wie Abwasserreinigungsanlagen oder Vergärwerken. Im Ausland hingegen gibt es viel grössere Anlagen, die Bioabfälle aus der Industrie oder Gülle aus der Landwirtschaft als Ausgangsstoff nutzen. Auch die unterschiedlichen Fördermechanismen in den einzelnen Ländern können einen Einfluss auf die Preise haben.

  1. Warum baut die Schweiz keine grösseren Biogas-Anlagen?

In der Schweiz gibt es viele kleine Landwirtschaftsbetriebe, die übers ganze Land verteilt sind. Das macht es im Vergleich zu Ländern wie der Niederlande oder Dänemark schwieriger, Gülle wirtschaftlich für die Produktion von Biogas zu nutzen. Gerade in abgelegenen Regionen ist die Distanz zum Gasleitungsnetz oft zu gross.

  1. Ist Biogas von der CO2-Abgabe befreit?

Für in der Schweiz produziertes Biogas fällt keine CO2-Abgabe an. Diese Befreiung ist in die Biogas-Preise einkalkuliert. Für importiertes Biogas hingegen wird beim Grenzübertritt die gleiche CO2-Abgabe erhoben wie für importiertes Erdgas. Denn Erdgas und Biogas aus dem Ausland sind physikalisch die gleichen Produkte. Sie werden zolltechnisch leider nicht unterschieden. Energie 360° setzt sich dafür ein, dass künftig auch importiertes Biogas von dieser Abgabe befreit wird.

  1. Wie hoch sind die Mehrkosten, wenn ich mein Einfamilienhaus mit 100% Biogas beheize?

Die Gasheizung eines Einfamilienhauses verbraucht im Durchschnitt etwa 20’000 kWh Gas pro Jahr. Bei dieser Menge bezahlen Sie im Versorgungsgebiet von Energie 360° für 100% Biogas pro Monat etwa 80 Franken mehr als fürs Standardprodukt mit 20% Biogas.

  1. Was bewirkt es, wenn ich 100% Biogas beziehe?

Sie reduzieren die Abhängigkeit der Schweiz von den Erdgas-Förderländern und schonen das Klima. Denn selbst wenn man alle mit der Energie verbundenen Treibhausgasemissionen betrachtet – zum Beispiel für Produktion und Transport –, sind die Emissionen bei Biogas etwa dreimal tiefer als bei Erdgas:

  • CO2-Äquivalent Erdgas: 249 g/kWh
  • CO2-Äquivalent Biogas: 79 g/kWh

 

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Comments

  1. Avatar Adrian Neuenschwander sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren

    Danke für ihren aufschlussreichen Beitrag.
    Sie schreiben, dass sie landwirtschaftliches Biogas aus dem Ausland importieren, welches „nur“ aus Gülle und Mist produziert wird.
    Frage: Wie können sie sicherstellen, dass sie kein Biogas importieren welches mit „Energiepflanzen“ wie z.B. Mais gewonnen wird und somit (in der Schweiz verboten) die Lebensmittelproduktion konkurrenziert?

    Freundliche Grüsse

    Adrian Neuenschwander
    http://www.energie-wirt.ch

    • Avatar Seyb Michelle sagt:

      Lieber Herr Neuenschwander
      Herzlichen Dank für Ihr Feedback. Bei ausländischen Biogas-Anlagen mit denen wir eine langfristige Vertragsbeziehung haben, wird vertraglich geregelt, dass ausschliesslich Abfallstoffe zur Gewinnung von Biogas eingesetzt werden. Dies wird von staatlichen Kontrollinstanzen überwacht und geprüft. Zusätzlich tragen mehrere dieser ausländischen Biogas-Anlagen das Schweizer Gütesiegel naturemade star. Das Gütesiegel wird vom VUE Verein für umweltgerechte Energie getragen. Mitglieder sind Umwelt- und Konsumentenorganisationen, Unternehmen und Organisationen der Energiewirtschaft sowie Grossabnehmer von erneuerbarer Energie. Damit eine Biogas-Anlage das Gütesiegel naturemade star erhält, muss sie zahlreiche Kriterien erfüllen. Herzstück ist die Ökobilanz – dabei werden alle Prozesse von der Anlieferung der Substrate wie Grüngut bis zum fertigen Biogas betrachtet – Transporte und eingesetzte Energie inklusive. Es beurteilt auch die Ausgangsstoffe, aus denen das Biogas entsteht. Biogas-Anlagen die für die Biogasproduktion extra Pflanzen anbauen, bleibt das Gütesiegel verwehrt.
      Freundliche Grüsse Ihr Energie 360° Team