Peter Dietiker im Interview mit der Zukunft

Peter Dietiker, Bereichsleiter Energie, stellt sich den entscheidenden Fragen der Energiezukunft. Warum für ihn bereits mit 21 Jahren klar war, dass die Energiezukunft nur eine nachhaltige sein kann und wie man diese für kommende Generationen verwirklichen könnte. Setzen Sie mit Peter Dietiker auf die richtige Energie.

Peter Dietiker, Bereichsleiter Energie, Mitglied der Geschäftsleitung

Peter Dietiker, Bereichsleiter Energie, Mitglied der Geschäftsleitung

Herr Dietiker, Sie sind Bereichsleiter Energie bei Energie 360°. Was heisst für Sie persönlich ‘Auf die richtige Energie setzen’?
Wissen Sie, bereits mit 21 Jahren war für mich klar, die Energiezukunft kann nur eine nachhaltige sein. Ich habe damals in meiner ersten Mietwohnung die Ölheizung entfernt und durch einen Holzofen ersetzt. Mein Auto fährt mittlerweile erneuerbar mit 100 % Biogas und in meinem Garten steht eine Photovoltaikanlage. Energie hat mich schon immer begeistert. Ohne Energie läuft nichts in unserer Gesellschaft. Aber wenn wir in Zukunft nicht auf die richtige Energie setzen, dann läuft eben auch nichts mehr. Das geht zu Lasten der kommenden Generationen. Das dürfen wir nicht zulassen.

Herr Dietiker, dann kommen wir doch direkt auf den Klimawandel zu sprechen. Klima und Energie gehören seit der Industrialisierung untrennbar zusammen. Gibt es noch eine Chance, den Klimawandel zu stoppen?
Ich fahre leidenschaftlich gern Ski, wie viele in der Schweiz. Aber wenn ich mir vorstelle, dass bis ins Jahr 2100 fast alle Gletscher geschmolzen sein könnten, dann ist das eine unglaubliche Vorstellung. Sie wird allerdings eintreffen, wenn wir nichts gegen den Klimawandel unternehmen. Wir sind wahrscheinlich die LETZTE Generation, die noch etwas für die kommenden Generationen unternehmen kann. Wenn ich meinen Jungs beim Handball zuschaue und sie anfeure, würde es mich stolz machen, auch noch meine Enkelkinder siegen zu sehen! Und es gäbe nichts Schöneres, als dass meine Kinder und Enkelkinder auch auf mich stolz sind, weil ich ihnen eine nachhaltige Zukunft ermöglicht habe. Dafür braucht es eine unglaubliche Energieleistung – von uns allen.


Herr Dietiker, was glauben Sie: Bis wann könnten wir eine nachhaltige Energiezukunft umsetzen?
Die Ausgangslage ist sehr anspruchsvoll. Sowohl weltweit als auch in der Schweiz ist rund 80% der Energie fossil. Wir müssen alle erneuerbaren Quellen nutzen und die Effizienz steigern. Eine Untersuchung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) hat ergeben, dass sich trotz Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums die CO2-Emissionen laut Prognosemodell bis 2030 etwa auf dem Niveau des Jahres 1990 einpendeln würden.

Aber das Ziel des Pariser Klimaabkommens, die CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 insgesamt um 50% zu senken, wäre bei weitem verfehlt. Die Energiezukunft ist eine Generationenaufgabe, die jetzt mit uns starten muss.

Herr Dietiker, sind diese Ziele überhaupt zu erreichen?
Wir müssen mit der Schwarzmalerei aufhören. Wir müssen anfangen grünzumalen! So ein Umbruch bietet auch enorme Chancen für die lokale Wirtschaft. Es braucht Mut für mehr Innovationen, mehr Start-Ups. Ich wurde in den 80er Jahren durch das Waldsterben politisiert und sensibilisiert. Auf dieser Basis wurden enorme technologische Fortschritte ausgelöst, die unsere Lebensqualität nachhaltig verbessert haben. Wir sollten ideologiefrei alles in Gang setzen um a) unser Klima zu schützen und b) uns auf ein verändertes Klima einzustellen. Im Sinne von: vermeiden, was sich nicht bewältigen lässt. Und bewältigen, was sich nicht vermeiden lässt. Gerade wir Schweizerinnen und Schweizer sind doch berühmt für unsere Erfindungen und Qualität. Das muss unser Anspruch für die Zukunft sein.

Herr Dietiker, wenn Sie morgens zur Arbeit gehen, machen Sie da schon jeden Tag eine nachhaltige Energiezukunft?
Ja, und jeden Tag immer mehr! In meinem Verantwortungsbereich von Energie 360° sorge ich mit meinem Team dafür, dass alle Kunden und Kundinnen rundum gut versorgt sind, und zwar immer mehr klimafreundlich und erneuerbar. Als einer der ersten grossen Schweizer Gasversorger haben wir seit 1. Januar 2020 den Biogas-Anteil beim Gas-Standardprodukt auf 20% erhöht. Biogas ist eben ein Gas der Zukunft und vor allem ein einfacher und wirkungsvoller Weg, um den CO2-Ausstoss zu senken.

Herr Dietiker, sind 20% nicht zu wenig? Warum nicht 100%?
Noch ist das eine Preisfrage. Das in der Schweiz verkaufte Biogas basiert ausschliesslich auf biogenen Abfallstoffen wie Grüngut und Klärschlamm von hoher Qualität. Die 20% Erhöhung schaffen wir für unsere Kundinnen und Kunden preisneutral. Aber es steht jedem frei, sein Engagement freiwillig selbst zu steigern und schon heute 100% Biogas bei uns zu beziehen. Worauf warten Sie? Es ist eben, wie ich bereits anfangs erwähnt habe, eine Energieleistung von uns allen erforderlich. Was hier als Botschaft wichtig ist: Jeder der will, kann ab 2020 bereits 100% Biogas fürs Heizen, Kochen und Fahren nutzen. Aber auch Energie 360° setzt weiter auf Biogas: Ab 2030 sollen es 30% Biogasanteil werden, und ab 2050 ist das ambitionierte Ziel, 100% CO2-freies Gas zu nutzen. Meine persönliche Empfehlung: Investieren Sie heute in die Zukunft und engagieren Sie sich freiwillig. Wir konsumieren täglich so viel, warum nicht einfach mal eine nachhaltige Energiezukunft auf die Einkaufsliste schreiben?

Herr Dietiker, Biogas kann doch aber nicht die alleinige Lösung sein. Das wäre zu einfach, oder?
Ja, das wäre zu einfach, da ist auch unser derzeitiger weltweiter Energiehunger viel zu gross. Deshalb arbeiten wir daran, zukünftig im grossen Massstab erneuerbares Gas herzustellen – unter dem Stichwort: Power-to-Gas. Dabei wird überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien – etwa Solar- oder Windstrom – in erneuerbares Gas umgewandelt. Power-to-Gas löst zwei Herausforderungen einer nachhaltigen Energieversorgung auf einmal. Erstens können wir damit künftig grosse Mengen an erneuerbarem Gas herstellen, und zweitens lässt sich erneuerbare Energie in dieser Form saisonal speichern. Denn eins ist sicher: Unsere Gasnetze können schon heute eine 100-prozentig nachhaltige Energie für unsere Zukunft liefern und speichern. Hier hat sich jeder Franken Investition ausgezahlt. Wenn wir es schaffen, das fossile Erdgas durch erneuerbare Gase zu ersetzen, haben wir einen grossen Meilenstein erreicht. Es ist wie beim Stromkabel. Für das Kabel macht es keinen Unterschied, ob Kohle-, Atom- oder Sonnenstrom fliesst. Beim Gasnetz verhält es sich ebenso.

Herr Dietiker, gibt es auch noch andere Lösungen als Gas?
Sicher. Holzpellets sind nachwachsend. Hier sind wir gerade dabei, alle Potenziale genau zu analysieren, um Holzpellets auch für industrielle Anwendungen attraktiv zu machen. Dazu kommen noch effiziente Wärmelösungen. Am Ende kann, wie bei einem Orchester, nur das perfekte Zusammenspiel aller erneuerbaren Energiearten die Meistersymphonie ergeben.

Herr Dietiker, was müsste passieren, damit sich mehr Menschen für eine nachhaltige Zukunft engagieren?
Wir müssen anfangen, die Klimaauswirkungen mit in die Bepreisung der Energiekosten aufzunehmen. So zum Beispiel die externen Kosten bei potenziell schädlichen Verfahren einpreisen, um damit die wirtschaftlichen Bedingungen zu schaffen, dass erneuerbare und nachhaltige Energie Vorfahrt hat.

Herr Dietiker, was wünschen Sie sich persönlich von der Zukunft?
Vielleicht, dass ich in Ruhe mein Pianospiel verbessern kann und dabei mit meiner Familie in eine nachhaltige Zukunft blicken kann.

Herr Dietiker, vielen Dank für Ihr Interview mit der Zukunft.
Ich danke Ihnen.

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Auf der Energie 360° Webseite finden Sie alle Beiträge zum Nachlesen.

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