Ruth Happersberger im Interview mit der Zukunft

Ruth Happersberger, Bereichsleiterin Strategie und Beteiligungen, stellt sich den entscheidenden Fragen der Energiezukunft. Warum Innovationskraft der Schlüssel für Energiezukunft ist und wie man Innovationen in erfolgreiche Geschäftsmodelle umwandeln kann. Setzen Sie mit Ruth Happersberger auf die richtige Energie.

Ruth Happersberger, Bereichsleiterin Strategie und Beteiligungen, Mitglied der Geschäftsleitung

Ruth Happersberger, Bereichsleiterin Strategie und Beteiligungen, Mitglied der Geschäftsleitung

Frau Happersberger, ich möchte das Interview gerne mit der wesentlichen Frage beginnen: Was wünschen Sie sich von der Zukunft?
Gute Frage. Zukunft ist ein grosser Begriff. Zukunft ist alles was kommt und hängt massgeblich von unserem heutigen Handeln ab. Wenn Sie also mich persönlich fragen, dann wünsche ich uns allen den Erhalt einer lebenswerten Welt, in der jegliches Handeln auch für viele kommende Generationen als Impact für die Zukunft wahrgenommen wird. Das heisst, ich wünsche mir, dass wir viel mehr auch überlegen, wie die Diskussion über Energiewende und Klimawandel eine neue Aufbruchsstimmung erzielen kann. Warum also keine neue Gründerzeit, sondern ein Diskurs der Einschränkungen? Reden wir stattdessen doch mehr von Ermöglichung! Wie können wir eine nachhaltige Zukunft für uns alle ermöglichen?


Den Gedanken an eine neue Gründerzeit finde ich sehr reizvoll. Frau Happersberger, Sie sind Bereichsleiterin Strategie und Beteiligungen bei Energie 360°. Beides sind wesentliche Faktoren, um eine neue Zukunft zu gründen.
Ja, das stimmt. Ich bin verantwortlich für die Bereiche «Strategie, Innovationen und Beteiligungen». Ich bin davon überzeugt, dass wir in Zukunft viel mehr gemeinsam in Partnerschaften umsetzen und innovieren müssen. Die Stärkung der Innovationskraft ist eines der wichtigsten Themen zahlreicher Unternehmen und gleichzeitig auch eines der komplexesten in der Umsetzung.

Ein Grund, warum wir ganz gezielt vor einigen Jahren unseren Innovationsprozess im Sinne von Open Innovation geöffnet haben. Wir haben uns als etabliertes Unternehmen ganz bewusst dafür entschieden, die Kollaboration mit Unternehmen, Start-ups, Hochschulen – allgemein mit Partnern – voranzutreiben. So geht es für uns als kompetentes und etabliertes Energieversorgungsunternehmen darum, Know-how von aussen zu akquirieren, es zusammen mit dem bisherigen internen Wissen zu kombinieren und daraus Neues abzuleiten.

Das hört sich nach einer grossen Energieleistung an. Frau Happersberger, was heisst für Sie «Auf die richtige Energie setzen»?
«Auf die richtige Energie setzen» heisst für mich vor allem, auf neue zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu setzen und in diesem Zusammenhang einige Fragen zu beantworten: Was kommt in den nächsten Jahren auf unsere Energiebranche zu? Wird es ein gemeinsamer Weg? Oder werden die Märkte weiter geöffnet und vollständig liberalisiert? Derzeit weiss niemand in der Energiebranche, mit welchen Wettbewerbern wir es in ein paar Jahren zu tun haben werden. Wir wissen auch nicht, wo neue Wettbewerber uns Konkurrenz machen werden. Aber: Diese Debatte über „neue Wettbewerber“ hat nicht nur in den Medien, sondern zum Teil auch innerhalb unserer Branche zumindest skurrile, manchmal sogar hysterische Züge angenommen. Die einen sagen den baldigen Untergang unserer Branche voraus, während andere Blütenträume von Geschäftsmodellen herbeireden, die die Energiewirtschaft zur Zukunftsbranche Nummer 1 machen sollen. Beides sind Extrempositionen. Grundsätzlich gilt: Die Komplexität unserer Branche wird oft unterschätzt. Ich denke, wir als Versorger werden kämpfen müssen, um einen Platz in der digitalen Wirtschaftswelt zu besetzen. Deshalb werden wir uns neben unserem angestammten Geschäft neue Standbeine aufbauen müssen, brauchen aber auch nicht in Angst vor Google und Co. zu erstarren. Eines ist auch klar: Betrachtet man die Entwicklung von Unternehmen wie Amazon in den vergangenen 10 Jahren, dann muss man feststellen, dass diese Internetunternehmen unglaublich dynamisch sind. Die Energiebranche wird sich hier anpassen müssen. In der digitalisierten neuen Energiewelt sind nicht nur neue Geschäftsmodelle, sondern auch neue Denkweisen, Prozesse und eine veränderte Unternehmenskultur dringend erforderlich. Dazu kommen eine möglichst emissionsfreie Mobilität und die effizientere Nutzung von Strom und Wärme – am liebsten erneuerbar.

Ich verspüre Ihren unbändigen Drang zur Entwicklung neuer erfolgreicher Geschäftsmodelle. Was ist Ihr Erfolgsrezept für die Zukunft?
Ich möchte nie stillstehen, mich nicht auf vergangenen Erfolgen ausruhen, sondern immer wieder neue Ideen entwickeln. Erfolgreiche neue Geschäftsmodelle entstehen durch ständiges Arbeiten und Erfinden. Ideen immer wieder zu überdenken, neu zu kalkulieren, anzupassen, zu schärfen und weiterzuentwickeln, soll auch zukünftig mein Alltag sein. Genau das inspiriert mich. Ich möchte dazu beitragen, dass die Welt jeden Tag ein bisschen besser wird. Dass wir alle uns jeden Tag erfreuen können an vielen Dingen – im Grossen wie im Kleinen. An der wundervollen Natur und intakten Umwelt – dies alles ist Grundlage für jedes Wirken und Schaffen.

Das hört sich sehr schön an. Frau Happersberger, wenn jeder dazu beiträgt, die Welt jeden Tag ein bisschen besser zu machen – bis wann schaffen wir eine nachhaltige Energiezukunft?
Hier möchte ich Ihnen keine Jahreszahl nennen. Aber es gilt ganz klar: Je schneller, desto besser. Wir müssen aber dabei achtsam sein und dürfen keinen wichtigen Schritt auslassen. Wir müssen ganzheitliche und umsetzbare Konzepte von Energie- und Mobilitätslösungen für eine nachhaltige Zukunft entwickeln. Das heisst konkret, wie ich bereits erwähnte, wir brauchen eine möglichst emissionsfreie Mobilität und die effizientere Nutzung von Strom und Wärme. Die grosse Herausforderung bei allen zukünftigen Fragen rund um die Energieversorgung ist, die Themen Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit, erneuerbare Energien und smarte Technologien – Stichwort: Digitalisierung – nicht ausser Acht zu lassen. Innovationen werden der Antrieb sein. In Kollaboration mit Partnern wie Unternehmen, Start-ups und Hochschulen gelingt es uns sicherlich, die Themen der Energiezukunft schon heute mit der notwendigen Geschwindigkeit voranzutreiben und bereits vieles zu ermöglichen. Am Ende hängt es aber doch von jedem Einzelnen und seinem Engagement für eine nachhaltige Zukunft ab.

Das ist wohl wahr. Frau Happersberger, was müsste denn passieren, damit sich mehr Menschen engagieren?
Das ist sicher auch eine Gesellschaftsfrage. Wir gestalten das Energiesystem der Zukunft. Ein System, das wir kontinuierlich fortentwickeln. Dabei haben wir die gesamte Gesellschaft im Blick und setzen auf soziale Innovationen und vor allem auf die Beteiligung der Menschen.
Denn das Energiesystem der Zukunft wird weitestgehend dezentral, digital und dekarbonisiert sein. Viele Menschen werden in diesem System aktiv sein: als Prosumenten, als Innovatoren, als Unternehmer oder Beschäftigte, als Mitglieder neuer Gemeinschaften und als Botschafter.

Die hohe gesellschaftliche Beteiligung an dieser Zukunft geht massgeblich auf innovative und sozial nachhaltige Lösungen zurück, und genau diese Lösungen müssen wir gemeinsam mit den Menschen entwickeln und erproben und allen die Möglichkeit geben, sich mehr zu engagieren. Das heisst, je mehr wir auf partnerschaftliche Zusammenarbeit setzen, um so mehr werden sich die Menschen an der aktiven Umsetzung einer nachhaltigen Energiezukunft beteiligen.

Frau Happersberger, jetzt haben wir so viel über Energie gesprochen. Zum Schluss: Was ist denn Ihr persönlicher Antrieb, also Ihre persönliche Energie für Ihr Leben?
Zu wissen, dass man jeden Tag dazulernen und weiterkommen kann. So bin ich ganz besonders dankbar für „lebenslanges Lernen“, was ich genau in der Energiebranche und der Verantwortung für die Themen Strategie, Innovationen, Partnerschaften und Beteiligungen erhalte. Damit die Welt am Ende jeden Tag ein Stückchen nachhaltiger wird.

Frau Happersberger, vielen Dank für Ihr Interview mit der Zukunft.
Ich danke Ihnen.

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