Am Puls der Transformation

Für das Zürcher Stadtgebiet ist Tony Kluser das Gesicht der «Transformation» bei Energie 360°. Er und sein Team realisieren Wärmeverbünde auf Basis von erneuerbaren Energien – und lösen so die fossile Gasversorgung Stück für Stück ab. Tony Kluser weiss, was es bedeutet, die Energieversorgung einer ganzen Stadt umzubauen.

Tony Kluser, Leiter Entwicklung Transformation bei Energie 360°

Tony Kluser und sein Team planen Wärmeverbünde auf Basis von erneuerbaren Energien, beispielsweise im Quartier rund um die Rote Fabrik in Wollishofen.

Es sind spannende Zeiten für Energie 360° und die Stadt Zürich. Die Energieversorgung ist im Umbruch – und mein Team und ich sind mittendrin. «Transformation» ist das Wort der Stunde. Also die schrittweise Abkehr von einer fossilen Energieversorgung mittels Öl oder Gas hin zu einer Versorgung mit erneuerbaren Energien. Wir haben nichts weniger vor, als die Energieversorgung der grössten Schweizer Stadt zu transformieren. Wir arbeiten mit an einem Jahrhundertprojekt – und möchten es in wenigen Jahren über die Bühne bringen.

Unsere Aufgabe ist es, Energieverbünde zu planen und umzusetzen. Dabei nutzen wir die Abwärme aus Kehrrichtverbrennungsanlagen oder der Abwasserreinigung zum Heizen – oder See- und Grundwasser zur Erzeugung von Wärme und Kälte. Denn für Energie 360° steht lokal verfügbare, erneuerbare Energie an erster Stelle. Damit tragen wir dazu bei, den CO2-Ausstoss pro Person zu reduzieren und damit den Auftrag des Zürcher Stimmvolkes umzusetzen. Das hat sich 2008 zur 2000-Watt-Gesellschaft bekannt und 2018 deutlich mit Ja zu einem Ausbau der Fernwärmeversorgung gestimmt. Dabei arbeiten wir eng mit ERZ Entsorgung + Recycling Zürich und ewz, dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich, zusammen. Natürlich sind auch bei Energie 360° ganz viele weitere Kolleginnen und Kollegen involviert.

Einen Energieverbund aufzusetzen, ist ein iterativer Prozess. Man beginnt im Grossen, plant auf Quartierebene und setzt ein erstes grobes Netz auf. Mit fortlaufendem Prozess ergibt sich ein immer klareres und genaueres Bild, wie der Verbund dereinst aussehen könnte. Bis hin zum einzelnen Anschluss.

Mein Team aus Ingenieuren plant den Verbund, berechnet Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit und begleitet die Umsetzung des Projekts während mehrerer Jahre. Ein grosser Teil unserer Arbeit findet am Schreibtisch statt. So nutzen wir zum Beispiel Geodaten zur Berechnung von Wärme- und Anschlussdichte in einem Quartier. Zwei wichtige Kennzahlen, die darüber mitentscheiden, ob ein Wärmeverbund machbar ist und sich finanziell auch lohnt.

Es ist natürlich unumgänglich, sich vor Ort ein konkretes Bild zu machen. Hier bei der Roten Fabrik in Zürich bauen wir die Seewasserfassung für einen Wärmeverbund, der mehrere hundert Gebäude in Wollishofen mit Wärme versorgt. Es stellen sich entscheidende Fragen: Wo kommt die Pumpstation zu stehen? Wo ist Platz für die Heizzentrale? Wie werden die Leitungen im Quartier verlaufen?

Wir planen, das Wasser in Wollishofen in einer Tiefe von 30 Metern zu entnehmen. Denn in dieser Tiefe weist es eine konstante Temperatur von zwischen vier und sieben Grad auf. Das Seewasser wird dann mittels Wärmepumpen auf über 75 Grad erwärmt und zum Heizen ins Quartier geleitet. Eine einfache und ökologische Lösung.

An sehr kalten Tagen laufen verständlicherweise alle Heizungen auf Hochtouren. Diesen aussergewöhnlich hohen Wärmebedarf – die Spitzenlast, wie wir in der Branche sagen – decken wir in diesem Fall mit Gas. Gas bedeutet Verbrennung und dies wiederum bedingt einen Kamin für die Heizzentrale. Das ist der Grund, weshalb wir die Heizzentrale auf dem Gelände der Roten Fabrik bauen werden, denn dort gibt es bereits einen schönen, alten Kamin. Meine Begehungen vor Ort mache ich am liebsten an kalten Tagen. Denn anhand von austretendem Dampf oder Rauch erkenne ich sofort, welche Kamine überhaupt noch in Betrieb sind und welche nicht. Ich kann natürlich nicht überall selbst vorbeischauen und verlasse mich ganz auf mein Team.

Name: Tony Kluser

Das steht auf meiner Visitenkarte: Leiter Entwicklung Transformation

Mein Job: Hat für mich jeden Tag eine neue Wendung in diesem komplexen Gebilde «Stadt Zürich» auf Lager.

Was mich an der Transformation begeistert: Wir haben nur einen Planeten und mit unseren Lösungen kann ich einen Beitrag zu dessen Schutz leisten. Und das auf wirtschaftlich sinnvolle Weise.

Mein Job ist dann zu Ende, wenn: eine Stadt transformiert ist. Und dann sofort ab in die nächste Gemeinde.

Ich bin für viele das Gesicht der Transformation nach aussen und übe eine Scharnierfunktion aus. Der Transformationsprozess ist etwas sehr Politisches. Es sind viele Behörden, Firmen und Stakeholder involviert. Die haben ganz unterschiedliche und teils gegensätzliche Interessen. Ebenso gilt es, die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden zu berücksichtigen. Meine Aufgabe ist es, aufzuzeigen, zu überzeugen und je nachdem für Verständnis zu sorgen. Dabei kommt mir zugute, dass ich vor drei Jahren neu in meiner Funktion als Leiter Entwicklung Transformation zu Energie 360° gekommen bin und neutral an die Sache herangehen kann. Ich bin mir sehr wohl bewusst, wo wir als Gasversorgerin herkommen – meine tägliche Arbeit im städtischen Umfeld zeigt mir aber auch klar, wo wir hinmüssen. Man darf nicht vergessen: Eine Transformation findet nicht nur in der Energieversorgung der Stadt Zürich, sondern auch innerhalb von Energie 360° statt. Wir lösen ein jahrzehntealtes Geschäftsmodell ab, das auf fossilen Energien fusst. Die Transformation ist wichtig und gut. Dabei mitzuhelfen und etwas zu bewirken, das ist mein Antrieb.

Tony Kluser und sein Team

Grosser Koordinationsbedarf: Tony Kluser (Mitte), Leiter Entwicklung Transformation, bespricht den Stand eines Wärmeverbunds mit zwei seiner Mitarbeitenden.

 

Haben Sie weitere Fragen zum Thema Fernwärme? Auf unserer Energie 360° Website erhalten Sie alle Informationen rund um die Fernwärme in der Stadt Zürich.

Fernwärme Für Züri

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Comments

  1. Avatar Jürg Känzig sagt:

    Guten Tag
    Interessanter Artikel, besten Dank! Eine Frage dazu: Unser EFH steht an der Trottenstrasse 56, 8037 Wipkingen. Wann wird hier eine Fernwärmeversorgung möglich? Wo erhalte ich Information dazu?

    • Avatar Seyb Michelle sagt:

      Lieber Herr Känzig
      Vielen Dank für das positive Feedback zu unserem Artikel.
      Wir haben Ihre Anfrage betreffend der Fernwärmeversorgung an die zuständigen Kollegen weitergeleitet, welche sich in den nächsten Tagen per E-Mail bei Ihnen melden werden.
      Freundliche Grüsse Ihr Energie 360° Team

  2. Avatar Sabina Hubacher sagt:

    Da kann ich mich Herrn Känzig nur anschliessen – auch mit der selben Frage!
    Unsere Adresse: Zollikerstrasse 206 – 210, 8008 Zürich

    • Avatar Tom Blum sagt:

      Liebe Frau Hubacher
      Auf unserer Fernwärme-Website können Sie ganz einfach herausfinden, welche Verbunde mit erneuerbaren Energien an Ihrem Standort bestehen oder geplant sind, ebenso wie mögliche Alternativen.
      Unter dem Punkt „Häufig gestellte Fragen“: Wird auch meine Liegenschaft ans Fernwärmenetz angeschlossen? können Sie Ihre Adresse eingeben und die gewünschten Informationen mit einem Klick abrufen.
      Hier noch der entsprechende Link: Energie 360° Fernwärme
      Freundliche Grüsse Ihr Energie 360° Team