Krachmaschine, Sitzmuschel und ein schöner Hirtenknabe

Kunst geniessen ohne zu bezahlen? In einer der teuersten Städte der Welt? In Zürich geht das problemlos. Denn am Zürichsee, zwischen Tiefenbrunnen und der Enge, reiht sich Werk an Werk auf öffentlichem Grund. Energie 360° zeigt, welche Kunstperlen auf Entdeckung warten.

Das Ufer des Zürichsees im Herbst mit Bergen im Hintergrund

Nicht nur der See lockt nach Zürich – zwischen Tiefenbrunnen und der Enge warten Kunstwerke auf Entdeckung.

Kunst gratis und franko: Am Ufer des Zürichsees gibt es ganz unterschiedliche Kunstwerke im öffentlichen Raum zu entdecken. Denn in Sachen Kunst braucht Zürich sich nicht zu verstecken. Ein kurzer Spaziergang rund ums Seebecken lohnt sich deshalb nicht nur, um Energie zu tanken und frische Seeluft zu schnuppern.

Von Tiefenbrunnen zum Bürkliplatz

«Heureka», Jean Tinguelys wunderbar sinnlose Installation, rumpelt, quietscht und lärmt seit 1967 am Zürichhorn. Einst geschmäht als «Krachmaschine», ist das Werk heute eine der Hauptattraktionen am Seebecken und eine von Tinguelys bekanntesten Arbeiten.

Das Kunstwerk aus Metall steht am Ufer des Zürichsees.

Seit mehr als fünzig Jahren steht Tinguelys «Heureka» in Zürich.

Der Bacchantenzug ist ein viele Meter langes und recht freizügiges Fries aus edlem Carrara-Marmor. Das Werk befindet sich unweit der Höschgasse 4. Geschaffen hat es Adolf Meyer 1899/1900. Ursprünglich zierte das von der antiken Mythologie inspirierte Werk die Prachtsvilla Henneberg an der Stockerstrasse. Nach deren Abbruch zog der Fries 1969 an die Seepromenade um.

Die abstrakte Skulptur ist aus Bronze und steht leicht erhöht an der Seepromenade.

Der Schöpfer des Sheep Piece, der englische Bildhauer Henry Moore, war ein grosser Bewunderer der Natur und hat das Werk nach grasenden Schafen benannt.

Das Sheep Piece von Henry Moore beim Hafen Riesbach steht seit 1967 am See. Weidenden Schafen nachempfunden, ruht die abstrakte Bronzeskulptur stoisch auf einem Hügelchen direkt an der Seepromenade. Anfassen, darauf herumturnen oder einfach bei ihr sitzen, ist erlaubt.

Der Pavillon Le Corbusier an der Höschgasse 8 ist zwar heute ein Museum und kostenpflichtig. Das ikonische Haus ist aber auch von aussen grossartige (Architektur-)Kunst. Der Pavillon ist der letzte Bau des weltberühmten Architekten aus La Chaux-de-Fonds.

Das bunte Pavillon Le Corbusier ist umgeben von grünem Rasen.

An der Höschgasse befindet sich dieses einzigartige Pavillon des Schweizer Architekten Le Corbusier.

Über die Enge zum Strandbad Mythenquai

Die Plastik des Ganymed mit dem Zürichsee und den Alpen im Hintergrund.

Die Plastik mit den Alpen im Hintergrund ist ein beliebtes Fotosujet direkt am See.

Auf der Bürkliterrasse direkt am See steht der Bronze-Ganymed von Hermann Hubacher. Die Plastik stellt den Hirtenknaben Ganymed dar, der vom sitzenden Zeus in der Gestalt eines Adlers angeflirtet wird. Die Idee dazu kam dem Schöpfer übrigens 1942 – dem Jahr, als Homosexualität in der Schweiz straffrei wurde. Bennant ist die Bürkliterrasse – schmucker Endpunkt der Bahnhofstrasse – übrigens nach dem damaligen Stadtingenieur Arnold Bürkli.

Natürlich darf in Zürich ein Denkmal des Dichters Gottfried Keller nicht fehlen. Keller war zu seiner Zeit einer der bekanntesten Zürcher. «Der grüne Heinrich» und die Novellensammlung «Die Leute von Seldwyla» sind vielerorts bis heute Teil der Schullektüre. Das Denkmal wurde 1964 öffentlich aufgestellt – 74 Jahre nach dem Tod des Dichters –, und zwar beim Hafen Enge, auf der Höhe Mythenquai 61.

Der Brunnen hat ein Kuppeldach und ein Mosaik schmückt die Rückwand.

Ein auffälliges Mosaik ziert die Rückwand des Bluntschi-Brunnens.

Beim Eingang zum Arboretum, auf der Höhe des General-Guisan-Quais 17, steht seit 1909 der Bluntschli-Brunnen. Er bringt einen Hauch italienischer Frührenaissance mit einem Touch Taj Mahal an den See. Aufgrund der Mosaikeinlagen an der Rückwand wird er oft auch einfach Mosaikbrunnen genannt. Übrigens verschönern insgesamt rund 1200 Brunnen die Stadt Zürich und aus allen sprudelt erstklassiges Trinkwasser. Im Strandbad Mythenquai schliesslich lädt die begehbare, gelb-weisse Polyesterskulptur «Sitzmuschel» von Annemie Fontana zum Träumen und Fantasieren ein. Ein witziger Farbtupfer und ein Spritzer Popart mitten auf der grünen Wiese.

Die Zürcherinnen und Zürcher leben in einer echten Kunststadt mit zahlreichen interessanten Museen. Darüber hinaus prägen ganz unterschiedliche und öffentlich zugänglichen Werke das Stadtbild. In Zürich lässt sich Kunst entdecken, nachhaltig und nah.

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