Mit weniger mehr leben

Familie Arnold vom Hirzel lebt anders: Mit Holzheizung, ohne Auto, zu viert in drei Zimmern. Nachhaltigkeit ist bei ihnen kein Trend, sondern der ganz normale Alltag.

Hoch über dem Zürichsee, auf dem Hirzel, wohnt Familie Arnold – das sind Andrea und Benedikt mit ihren Kindern Juri und Leina. Ihr Haus steht etwas ausserhalb des Dorfes, es soll eines der ältesten Bauernhäuser der Region sein.

Die Aussicht ist weitläufig: auf der einen Seite Zürichsee und Glarner Alpen, auf der anderen Zugersee und Rigi. Seit sechs Jahren wohnen die Arnolds hier auf kleinem Raum. Sie achten auf einen nachhaltigen Lebensstil.

Nachhaltigkeit lebt Familie Arnold im Alltag.

Das ist die Familie Arnold: Andrea Arnold (34), Sozial- und Umweltpsychologin und Erlebnispädagogin, Benedikt Arnold (32), Bergführer und Baumpfleger, Juri (5) und Leina (3).

 

Warm im Sommer, kalt im Winter

Die vierköpfige Familie bewohnt drei Zimmer des Hauses. Heizen ist nur mit Holz möglich. Das tägliche Holzholen sei zwar anstrengend und manchmal habe sie auch keine Lust dazu, sagt Andrea Arnold. Aber es gehöre dazu. «Es ist wie ein Ritual zum Start in den Tag: Aufstehen, Holz holen, Feuer machen.»

Ein Kachelofen wärmt das Wohnzimmer, ein Holzherd die Küche. Die beiden Schlafzimmer im oberen Geschoss bleiben kalt. In diesen Zimmern sei es fast wie draussen: Warm im Sommer, kalt im Winter. Benedikt Arnold: «Ich mag es, das Wetter auch drinnen zu spüren.»

An die Kälte im Winter hätten sie sich gewöhnt. Dicke Decken, warme Kirschsteinkissen und Felle halten im Winter warm. Auch für die Kinder sei das ganz normal. «Manchmal, wenn sie bei den Grosseltern übernachten, dann schlafen sie schlecht, weil ihnen zu warm ist.»

Das Badezimmer wird als einziger Raum mit einem Elektroradiator geheizt. Dieses Zimmer wurde erst vor einigen Jahren angebaut, als die Wohnung der Arnolds von den anderen Räumen des Hauses abgetrennt wurde. Und damit das Wasser im Winter nicht in den Leitungen friert, ist eine Heizung nötig.

 

 

Mehr Platz dank Jurte

Zu viert in drei Zimmern, das heisst Leben auf wenig Raum. Im Winter sei es manchmal etwas eng, sagen die Arnolds. Das Leben beschränkt sich dann mehrheitlich auf die beiden beheizbaren Räume. Anders ist es in den wärmeren Monaten. Dann ist die Familie oft draussen, die Kinder spielen und Andrea und Benedikt Arnold kümmern sich um Haus und Garten.

Bald kommt ein weiterer Raum dazu: Im Garten stellen die Arnolds diesen Sommer eine Jurte auf. Das Rundzelt ist ein Souvenir ihrer siebenmonatigen Veloreise nach Kirgistan.

 

Fit von Kirgistan

Seit der Rückkehr von dieser Tour, vor etwa einem halben Jahr, verzichtet die Familie auf ein Auto. Und das, obwohl sie auf einem Hügel wohnen. Andrea Arnold: «Wir dachten: Jetzt sind wir fit von der Reise, das behalten wir gleich bei.» Und das Auto hätten sie sowieso nur selten gebraucht. Sie verkauften es und besorgten sich stattdessen ein Cargo-E-Bike, in dem Kinder und Einkäufe Platz finden. Wenn sie trotzdem mal ein Auto brauchen, dann leihen sie sich eines von Nachbarn oder einem Carsharing-Anbieter.

 

Faktencheck: Eingespartes CO2:

Eine Familie, die mit einem mit Benzin angetriebenen Mittelklassewagen jährlich 15 000 Kilometer zurücklegt, emitiert pro Jahr 4.4 Tonnen CO2. Dies entspricht ungefähr zwei Flügen – hin und zurück – nach New York.

Quelle: CO2-Rechner von myclimate

 

Diese Form der Mobilität bringt für Arnolds nebst ökologischem und finanziellem Vorteil noch einen weiteren, sagt Benedikt Arnold: Es sei nicht möglich, am gleichen Abend beispielsweise die Grosseltern zu besuchen und später bei Freunden einen Geburtstag zu feiern. «Deshalb müssen wir uns jeweils für ewas entscheiden, können das dann aber richtig geniessen und sind in Gedanken nicht schon am nächsten Ort.»

 

Aus Respekt ökologisch

Ihren ökologischen Lebensstil pflegen die Arnolds aus Respekt gegenüber den Kindern und der Natur. Benedikt Arnold ist Bergführer und Baumpfleger und erlebt die Natur deshalb intensiv. Er erzählt: «Es macht mir schon Sorgen, wenn ich vor ein paar wenigen Jahren mit einer Gruppe noch den Steigletscher beim Sustenpass passieren konnte und letztes Jahr nicht mehr, weil ein Teil des Eises weggeschmolzen war.» Der Natur Sorge zu tragen sei für ihn selbstverständlich und er geniesse den nachhaltigen Lebensstil. Das gilt auch für Andrea Arnold: «Es gibt mir eine grosse Zufriedenheit, wenn ich abends sehe, was ich tagsüber geleistet habe.» Sie würden immer wieder gefragt, weshalb sie sich für ein solches Leben entschieden hätten, erzählt sie. «Ich frage mich eher: Weshalb machen das andere nicht?»

 

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