Gut vernetzt elektrisch unterwegs

Basierend auf bescheidenen Anfängen lässt sich dem Netz der Stromtankstellen in der Schweiz heute gute Praxistauglichkeit attestieren. Erhöhte Ladeleistungen minimieren die Wartezeit für Elektromobilisten, die ihre E-Autos auf der Durchreise laden.

Schnellladestation für E-Autos von Energie 360° und Gotthard Fastcharge (GoFast)

Schnellladestation für E-Autos von Energie 360° und Gotthard Fastcharge (GoFast)

Die Elektromobilität ist keine neue Technologie; rein elektrisch weiss sich der Mensch schon seit rund 130 Jahren fortzubewegen. Und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es gar E-Autos «made in Switzerland»: Obwohl Autos mit Verbrennungsmotor damals zahlenmässig bereits stark zulegten, baute Johann Albert Tribelhorn in Feldbach am Zürichsee zuverlässige Elektromobile für den Personen- und Gütertransport. Aus gutem Grund: Keine andere Antriebsart war und ist so einfach zu konstruieren und zu fahren.

Abgasfrei, ohne Vibrationen sowie angenehm leise – eigentlich hatten die Elektroautos der Frühzeit nur einen Fehler: Das Verlängerungskabel war viel zu kurz. Den rund 130 Elektromobilen, die Anfang des letzten Jahrhunderts in der Deutschschweiz unterwegs waren, standen lediglich 29 «Ladestationen» zur Verfügung – Stromanschlüsse von eher zweifelhafter Qualität.

Pioniere in Aktion
Die Treibstoffknappheit während des Zweiten Weltkriegs brachte vorübergehend eine Rückbesinnung auf den Elektroantrieb – zumindest für Fahrzeuge des öffentlichen Betriebs. Den Siegeszug der ʽBenzinerʼ können diese Elektrofahrzeuge allerdings nicht mehr aufhalten – der Verbrennungsmotor setzt sich durch. Erst Jahrzehnte später rückt die Elektromobilität wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: Als erstes Rennen für solarbetriebene Fahrzeuge rollt 1985 die «Tour de Sol» durch die Schweiz.

Mitte der Achtzigerjahre ist die Stunde der Elektrobastler und -pioniere gekommen: Die Firma Horlacher in Möhlin AG baut eiförmige E-Prototypen aus Fiberglas. Vereinzelte dreirädrige E-Mobile der Marken Mini-el, später auch Twike und Sam, verirren sich auf unsere Strassen. Auch importierte, elektrifizierte Modelle der Marken Peugeot, Citroën, Renault und Fiat mit Nickel-Cadmium-Batterien werden punktuell gesichtet. Aber: Das Laden eines E-Mobils unterwegs ist noch etwas für Leute mit offenbar unbeschränktem Zeitbudget. Mehrere Stunden dauert es, bis genug Saft in der Batterie fliesst, um wieder ein Wegstück weiterzukommen.

Für Elektromobilisten, die nicht in Eile sind: Ladestation von Park & Charge.

Für Elektromobilisten, die nicht in Eile sind: Ladestation von Park & Charge

Ansätze der Professionalisierung
Ab 1992 sind Anläufe zu beobachten, die Ladeinfrastruktur in der Schweiz zu professionalisieren: Unter der Ägide des Bundesamtes für Energie startet das Projekt «Park & Charge» mit vier Standorten in Form der typischen, bis heute gebräuchlichen «Briefkasten-Ladesäulen». Das höchste der Gefühle ist zu Anfang ein dreipoliger CEE-Campingstecker mit 16A Stromstärke. Eine jährlich zu entrichtende, geringe Flatrate regelt das Finanzielle.

Grossversuch für E-Autos im Tessin
Im Rahmen des Aktionsprogramms «Energie 2000» startet 1995 ein Grossversuch mit Elektromobilen in Mendrisio (TI). Bis zum Ende des Projekts im Juni 2001 werden insgesamt 458 E-Autos an Bewohnerinnen und Bewohner von Mendrisio und umliegenden Gemeinden verkauft. Marco Piffaretti, E-Auto-Pionier und Clean Car Shaper («Protoscar»), erinnert sich: «Damals brachten wir erstmals 32A-Ladesäulen mit rund 22 Kilowatt Leistung zum Einsatz, wodurch sich die Ladezeiten ganz erheblich reduzierten.»

Auch wenn der Schweiz eine systematische staatliche Förderung der Elektromobilität fehlt, komme der Aufbau der Infrastruktur doch gut voran, meint Peter Arnet von Alpiq E-Mobility: «An Investoren mangelt es nicht mehr. Und der strenge Grenzwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer, der ab 2020 für Personenwagen schrittweise eingeführt wird, ist ohnehin nur mit einer starken Zunahme der Elektromobilität erreichbar.»

Ein uneinheitliches Bild
Es liegt auf der Hand, dass ein leistungsfähiges Netz öffentlicher Ladestationen einen entscheidenden Faktor für die Entwicklung der Elektromobilität darstellt. Allerdings sind bis heute weder die Ausstattung der Stromtankstellen noch der Zugang zu den Anschlüssen einheitlich. Entsprechend wichtig sind für die Fahrerinnen und Fahrer von E-Autos zuverlässige Informationen über vorhandene Steckertypen, Anschlüsse, Zahlungssysteme und Öffnungszeiten. Verschiedene Info-Plattformen und Apps lösen diese Aufgabe heute mehr oder weniger gut.

Neuerdings nehmen die deutlich erhöhten Reichweiten der Elektroautos einem lückenlosen Schnellladenetz zwar etwas an Dringlichkeit. Dennoch schätzt Peter Arnet, dass es für den Zeitraum von 2020 bis 2025 bis zu 250 neue Schnellladestationen braucht. «Damit wären wir für 15 Prozent E-Mobilität gerüstet, was 750’000 Autos entspricht.»

Heute verfügt die Schweiz über knapp 1500 öffentliche Stromtankstellen, die diesen Namen verdienen. Der heutige verbreitete Schnelllade-Standard von 50 Kilowatt DC sei allerdings «weder Fisch noch Vogel», findet Marco Piffaretti. «Zu langsam an Orten, wo es schnell gehen muss, und zu schnell an Orten, wo das Fahrzeug sowieso länger stehen bleibt.»

Zahlreiche Registrierungen bei Swisscharge
Kürzlich sind die ersten Hochleistungs-Stromtankstellen in der Schweiz mit 150 Kilowatt eröffnet worden – unter anderem vom Schweizer Unternehmen Gotthard Fastcharge AG (GoFast). Mit-Gründer Marco Piffaretti: «Bei diesen neuen Ladestationen können je nach Fahrzeugtyp in nur 10 Minuten 100 Kilometer zusätzliche Reichweite nachgeladen werden.»

Den zunehmenden Wettbewerb verschiedener Anbieter bei den öffentlichen Ladestationen beurteilt Marco Piffaretti grundsätzlich positiv. Allerdings gebe es grosse Unterschiede, was die effektive Weiterverrechnung dieser Serviceleistungen betreffe: «Die meisten Anbieter verlangen für das E-Roaming horrende Gebühren. Das fördert die Elektromobilität definitiv nicht.» Tatsächlich variieren die Preise von kostenlos (Markteinführung der Ladestation) bis zu 40 Franken pro Vollladung. Dass der Ladeinfrastruktur-Dienstleister Swisscharge auf die Erhebung einer jährlichen Grundgebühr verzichtet, dürfte ein Hauptgrund für die zahlreichen Anmeldungen von Neukunden sein. Marco Piffaretti: «Eine positive Ausnahme, die Schule machen sollte.»

Text: Andreas Turner

Das Netz an Elektroladestationen wächst. Doch wo ist die nächste Stromtankstelle? Wie hoch ist ihre Leistung? Und welche Steckertypen passen? Antworten auf diese Fragen liefert den Fahrerinnen und Fahrern von E-Autos der Lade-Service von Energie 360° inklusive der kostenlosen Elektromobilitäts-App für unterwegs. Der Lade-Service basiert auf dem etablierten Netzwerk von Swisscharge. So lässt sich entspannt elektrisch fahren.

App entdecken

Energie 360° macht die Elektromobilität breit und einfach verfügbar, auch dank Schnellladestationen entlang von Schweizer Hauptverkehrsachsen.

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