Innovatives Start-up macht die Raumstation ISS sicherer

Nicht nur Kapital, sondern auch Expertise und Netzwerke sind für Start-ups unabdingbar. Portfoliounternehmen des Smart Energy Innovationsfonds von Energie 360° erhalten genau diese Starthilfe. Eines davon hat eine Ultraschallkamera entwickelt, die zurzeit auf der Internationalen Raumstation ISS eingesetzt wird.

Die Internationale Raumstation ISS vor der Erde.

«Viele Ingenieurinnen und Ingenieure können sich nichts Tolleres vorstellen, als einmal an einer Weltallmission mitzuwirken. Für die meisten in unserem Team war das schon immer ein Traum gewesen», schwärmt Florian Perrodin. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Joël Busset hat er eine Ultraschallkamera entwickelt, die Gaslecks entdeckt. Und weil es die auch auf bemannten Raumstationen gibt, transportierte die NASA im Dezember 2020 eine dieser Kameras auf die Internationale Raumstation ISS. Dort wird sie nun eingesetzt, um undichte Stellen ausfindig zu machen.

Denn die Raumstation wird unter einem ständigen, für die Astronautinnen und Astronauten angenehmen Druck gehalten. Entweicht Luft aus dem Inneren der ISS, muss Stickstoff aus Tanks nachgeführt werden, um den Druck wieder auszugleichen. Je mehr Luft aus Löchern, Rissen oder Nähten entweicht, desto mehr Stickstoff muss zur ISS transportiert werden. Deshalb macht es Sinn, die undichten Stellen zu schliessen.

 

Starthilfe für Start-ups

Florian Perrodin und Joël Busset haben das ETH-Spin-off Distran 2013 gegründet. Bis heute ist das Start-up ein Portfoliounternehmen des Smart Energy Innovationsfonds von Energie 360°. Dieser Venture Capital Fonds unterstützt visionäre Unternehmerinnen und Unternehmer und treibt so die Innovation im Energiesektor voran. Der Fonds beteiligt sich finanziell, begleitet die Gründerinnen und Gründer aber auch in der strategischen Ausrichtung, der Strukturierung und der Positionierung.

 

«Eine starke Partnerin wie Energie 360° macht in der Geschäftswelt enorm viel aus. Das hat uns mehr als eine Tür geöffnet.» – Florian Perrodin, Mitgründer und CEO der Distran AG

 

Auch zum hochkarätigen Netzwerk des Investitionskomitees erhalten die Portfoliounternehmen Zugang. Die Erfinder von Distran hatten ausserdem die Chance, ihren Prototypen in einer Testphase an den Anlagen von Energie 360° zu erproben und zu verbessern.

«Energie 360° hat uns geholfen, uns rasch und erfolgreich am Markt zu etablieren. So konnten wir unsere Kamera vom Prototypen zum Serienprodukt weiterentwickeln. Darüber hinaus ermöglichte uns der finanzielle Zustupf, Mitarbeitende einzustellen», sagt Florian Perrodin. Auch die Beziehungen, welche die Start-up-Gründer über den Innovationsfonds aufbauen konnten, haben sich als sehr wertvoll erwiesen. «Eine starke Partnerin wie Energie 360° macht in der Geschäftswelt enorm viel aus. Das hat uns mehr als eine Tür geöffnet.»

 

Ein Mann mit gelber Leuchtweste und weissem Baustellen-Helm hält eine Ultraschallkamera von Distran.

Der Ultraschallsensor von Distran besteht aus 124 Ultraschallmikrofonen, einer Weitwinkelkamera und einem Display auf der Rückseite. Dort werden undichte Stellen automatisch visualisiert.

Geräusche in Bilder umwandeln

Gleichzeitig lässt Energie 360° Unternehmer Unternehmer sein. Das operative Tagesgeschäft leiten deshalb nach wie vor die beiden Gründer von Distran. An der ETH entwickelten die beiden ihre ersten akustischen Kameras. Schliesslich konstruierten sie 2013 eine Ultraschallkamera – eine Weltneuheit. «Wir machen aus Geräuschen ein Bild», erklärt Florian Perrodin.

 

Der Ultraschallsensor von Distran entdeckt undichte Stellen in Gasleitungen. Entweicht Gas aus einer unter Druck stehenden Leitung in die Umgebung, wo tieferer Druck herrscht, so entsteht am Austrittsort ein Geräusch im Ultraschallbereich. Dieses Geräusch registriert die Ultraschallkamera von Distran. Sie erstellt daraus ein optisches Bild. Dieses projiziert sie in Echtzeit als Kameraaufnahme auf das integrierte Display. Die Gasaustrittsstellen werden automatisch lokalisiert, farblich hervorgehoben und im Kamerabild visualisiert.

Eine Grafik, die zeigt, wie beim Austreten von Gas Schall entsteht.

 

Astronautinnen und Astronauten unter Druck

Bildschirmaufnahme einer Distran-Ultraschallkamera, die farblich zeigt, wo sich ein Gasleck befindet.

Der Ultraschallsensor von Distran zeigt in Echtzeit an, wo aus einer Leitung Gas austritt. Zudem gibt er weitere technische Angaben. Zum Beispiel, wie viele Liter Gas pro Stunde austreten.

Diese Technologie wird verwendet, um undichte Stellen in Industrieanlagen zu finden. Tritt Gas aus einer undichten Leitung aus, erzeugt das Ultraschall. Das menschliche Ohr kann diesen zwar nicht hören, doch der akustische Sensor von Distran spürt die Quelle des Schalls auf. Auf dem integrierten Bildschirm zeigt der Sensor die genaue Stelle, wo das Gas austritt. Zu den Stammkunden von Distran gehören Kraftwerke, Pharma-Produktionsstätten und Raffinerien.

Seit Dezember 2020 darf Distran nun die NASA zur Kundschaft zählen. Die US-amerikanische Raumfahrtbehörde setzt den Ultraschallsensor auf der ISS ein. Denn um das Überleben der Astronautinnen und Astronauten zu sichern, muss die ISS ständig unter Druck stehen. Entweicht Luft aus dem Inneren der Raumstation, so verringert sich der Druck. Deshalb ist es wichtig, undichte Stellen zu finden und zu reparieren. Dafür ist die Ultraschallkamera von Distran gemäss NASA das geeignetste Instrument.

 

Interview mit Florian Perrodin, Mitgründer von Distran

Herr Perrodin, was ist an Ihrer Ultraschallkamera speziell?

Mit einer Kamera von Distran findet man Lecks viel schneller als mit herkömmlichen Verfahren. Neben dem zeitlichen Vorteil ist unsere Variante auch sicherer. Denn unser Sensor entdeckt undichte Stellen aus sicherer Distanz. Das ist von Vorteil, wenn man es beispielsweise mit entzündlichen Gasen zu tun hat. Die Technologie für das Gerät haben wir selbst erfunden.

 

Weshalb ist es wichtig, diese Lecks zu finden?

Erstens ist da der Sicherheitsaspekt: Unsere Sensoren finden bereits kleine, ungefährliche Lecks, bevor sie grösser und gefährlich werden. So verhindern sie Unfälle. Zweitens verbessern wir so die Zuverlässigkeit der Anlagen, was wiederum die Produktivität erhöht. Und drittens leisten wir einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz. Denn ausgetretenes Gas, zum Beispiel CO2 oder Methan, findet seinen Weg in die Atmosphäre und verstärkt den Treibhauseffekt. Deshalb unterstützen uns auch das Bundesamt für Umwelt und die Klimastiftung Schweiz.

 

Und sogar die NASA macht mit! Jetzt ist Ihre Erfindung im Weltall.

Genau. Die NASA hat vergleichbare Instrumente aus der ganzen Welt gesammelt und verglichen. In verschiedenen Tests haben sie geprüft, ob die Geräte den extremen Bedingungen im Weltall standhalten würden. Unsere Ultraschallkamera war das einzige Instrument, das alle Tests bestand. So haben wir den Wettbewerb gewonnen.

 

Wie fühlt es sich an, dass Ihre Erfindung jetzt auf der ISS im Einsatz ist?

Es ist sehr toll! Wir sind glücklich und auch stolz, denn unser Team hat hart dafür gearbeitet. Die NASA hat extrem hohe Anforderungen sowie andere Fragen und Bedürfnisse als unsere üblichen Kunden. Dadurch ist die Zusammenarbeit sehr interessant. Beim Start der Rakete haben wir gebannt zugeschaut und gehofft, dass alles rund läuft. Das eigene Gerät im Weltall – so etwas passiert nur einmal im Leben.

 

Florian Perrodin und Joel Busset sitzen auf einem braunen Sofa und halten eine Ultraschallkamera von Distran.

Florian Perrodin (links) hat 2013 mit seinem Studienkollegen Joël Busset (rechts) die Firma Distran als ETH-Spin-off gegründet. Heute verkaufen die beiden ihre Sensoren an Kundinnen und Kunden auf der ganzen Welt.

Wie sieht das Engagement von Energie 360° in Ihrer Firma aus?

Energie 360° steht uns mit Rat und Tat zur Seite. Sie sind in unserer Geschäftsleitung vertreten und wir haben Zugriff auf einen massiven Fundus an Fachwissen.

 

Wo stünden Sie heute ohne Energie 360°?

Das ist natürlich schwer zu sagen. Klar ist: Die Unterstützung von Energie 360° verschafft uns einen wertvollen Vorteil. Wir kommen an eine Kundschaft, Sponsorinnen und Sponsoren oder auch an Partner, die sonst schwer zu erreichen wären. Ebenfalls sehr wertvoll war, dass wir unsere Ultraschallkamera an den Anlagen von Energie 360° in einem sicheren Umfeld testen und optimieren konnten.

 

Energie 360° hat als erstes Schweizer Energieunternehmen einen Venture Capital Fonds. Die Portfoliounternehmen des Smart Energy Innovationsfonds werden eng begleitet und auf sämtlichen Ebenen unterstützt. Der Fokus des Fonds liegt auf den Bereichen Cleantech, Energie, Smart Cities und Mobilität.

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