Mit Daten den Flottenbetrieb effizienter machen

Carsharing-Angebote gibt es viele. Aber die Fahrzeuge sind selten da, wo die Kundschaft sie benötigt. Christian Adelsberger vom Start-up Ubiq hat unter anderem mit der Unterstützung des Smart Energy Innovationsfonds eine innovative Lösung für das Problem gefunden.

Ein Mann lädt ein Tesla Elektroauto.

Nachhaltigkeit und Rentabilität sind zwei Tiere, die man im Zoo nicht in denselben Käfig sperren würde – sie würden sich zerfleischen. Das sagt Christian Adelsberger, Gründer und CEO von Ubiq. Das Start-up möchte diese beiden Tiere aber unbedingt im selben Käfig unterbringen, denn: «Wenn wir die Energiewende schaffen möchten, dann muss Nachhaltigkeit sich auch finanziell langfristig lohnen», sagt Christian Adelsberger.

 

Angebot besser auf Nachfrage ausrichten

Und das macht der Wiener mit Ubiq im Bereich der Carsharing-Unternehmen. Denn mit seiner Plattform lässt sich die Nutzung von Flottenfahrzeugen optimieren. «Das Problem ist, dass zwischen Angebot und Nachfrage häufig eine grosse Lücke klafft.» Konkret: Die Leute wollen zwar ein Fahrzeug mieten, in der Nähe ist aber keines verfügbar. Also entscheiden sie sich für eine andere Lösung. Häufig gibt es denn auch keinen Mangel an Flottenfahrzeugen, sondern nur eine ungünstige Verteilung. Hinzu kommt, dass sich Elektroautos für Mobilitätsprovider häufig nicht lohnen. «Aktuell ist es ein grösserer Aufwand, eine elektrische Flotte zu betreiben als eine mit Verbrennern. Auch das ändern wir mit Ubiq.»

 

Daten als Schlüssel zu mehr Effizienz

Es stellt sich also die Frage: Wie bringe ich die Fahrzeuge zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort? Die Antwort darauf hat Christian Adelsberger gefunden – Daten. «Die Idee von Ubiq war ursprünglich, Parkmöglichkeiten im öffentlichen Raum zu optimieren. Unsere Algorithmen haben dazu das Angebot der Parkplätze mit den Fahrzeugen abgeglichen. Ein Carsharing-Kunde aus Seattle fragte uns, ob wir den Algorithmus statt auf den Raum, also die Parkplätze, auf die einzelnen Fahrzeuge anwenden könnten.» Adelsberger fand den Vorschlag interessant und stimmte dem Versuch zu.

 

Porträtbild von Christian Adelsberger, Gründer des Start-ups Ubiq.

Wenn wir beispielsweise wissen, dass heute 20% mehr Fluggäste landen als üblich, dann brauchen wir mehr Fahrzeuge beim Flughafen.

Christian Adelsberger, Gründer von Ubiq

 

Nach zwei Monaten rief der CEO des Unternehmens in Seattle an. «Er wollte wissen, was wir im Hintergrund genau tun. Der Umsatz sei um 30% gestiegen, er könne sich das nicht erklären», erzählt Christian Adelsberger und schmunzelt. «Das hat uns gezeigt, dass wir mit unserem Algorithmus einen grossen Einfluss auf den Geschäftserfolg unseres Kunden haben.» Also entschied er sich, die Idee seines Start-ups anzupassen.

 

Corporate Venture Capital: das Beste aus zwei Welten

Beim 2015 gegründeten Smart Energy Innovationsfonds handelt es sich um einen Corporate-Venture-Capital-Fonds. Solche Fonds haben das Ziel, die Innovationskraft etablierter Unternehmen durch die Kollaboration mit Start-ups zu verbessern. Denn Alt und Neu ergänzen sich mit ihren unterschiedlichen Stärken: Die Unternehmen befruchten sich gegenseitig und bringen neue Ideen und Produkte gemeinsam voran. Etablierte Unternehmen investieren Corporate Venture Capital, um an Zukunftstechnologien zu partizipieren und Talente kennenzulernen. Die Start-up-Gründerinnen und -Gründer ihrerseits erhalten – zusätzlich zum Kapital – Zugang zum Netzwerk der etablierten Unternehmen. Dieser Zugang zu Expertinnen und Experten ist für die Start-ups oft entscheidend.

 

Eine Datenplattform als Herzstück

Damit die Lösung von Ubiq funktioniert, benötigt der Algorithmus Daten der jeweiligen Stadt. Dafür greift das Start-up auf historische Daten der Kundin oder des Kunden zurück, wie zum Beispiel: Wann war ihre respektive seine Flotte während der letzten paar Wochen am stärksten ausgelastet? In welchem Quartier war die Nachfrage am stärksten?

Aber auch öffentliche Daten zu Schulferien, Konzerten, Fussballspielen oder anderen Events fliessen mit ein. Wenn in der Region ein Flughafen liegt, dann sind zudem Daten über die An- und Abflüge wichtig. «Das alles beeinflusst die Nutzung einer Flotte. Wenn wir beispielsweise wissen, dass heute 20% mehr Fluggäste landen als üblich, dann brauchen wir mehr Fahrzeuge beim Flughafen. Und wenn wir wissen, dass in einigen Stunden ein Event stattfindet, dann wollen viele Leute dorthin – auch solche, die möglicherweise nicht gut an den öffentlichen Verkehr angeschlossen sind.» Und weiter: Wenn der Mobilitätsbetreiber weiss, wann die Fahrzeuge gefragt sind, dann weiss er auch, wann eine Flaute herrscht. «Diese Zeit nutzen wir fürs Laden der Elektroautos.»

 

Eine Frau verbindet den Stecker eines Elektroautos mit einer Ladestation.

Eine Frau verbindet den Stecker eines Elektroautos mit einer Ladestation.

Dass die ganze Geschäftsidee auf Daten basiert, hat einen schönen Nebeneffekt: Sie ist international einfach umsetzbar. «Wir sind nicht auf lokales Wissen oder Sprachkenntnisse angewiesen, die Daten sprechen für sich», weiss Christian Adelsberger. Das Start-up ist denn auch seit Beginn in Nord- und Südamerika wie in Europa tätig – von Washington bis Santiago de Chile und von Berlin bis Prag. «Und Asien haben wir für künftige Projekte natürlich auch auf dem Radar.»

 

Street Crowd als Mitarbeitende hält Kosten tief

Für die praktische Umsetzung zählt Ubiq auf die Street Crowd. «Wir ziehen Hunderte Leute bei, die kleine Aufträge für uns erledigen. In Berlin sind das beispielsweise 2500 Einwohnerinnen und Einwohner, die mal ein Elektroauto der Flotte zur nächsten Ladestation bringen oder ein Fahrzeug umparkieren.» Anders als bei Angestellten im herkömmlichen Sinn ist die Street Crowd über die ganze Stadt verteilt. So ist beinahe immer und überall jemand verfügbar. «Das ist sehr effizient und hilft uns, die Erkenntnisse aus den Daten möglichst gut umzusetzen», sagt Christian Adelsberger.

Mit dieser Zusammenarbeit von Algorithmus und Street Crowd sorgt Ubiq dafür, dass die Kundschaft das Angebot eines Carsharing-Unternehmens häufiger nutzt. Dadurch steigt der Umsatz des jeweiligen Unternehmens und es sind weniger Autos je Flotte notwendig. «Dadurch steigt natürlich die Rentabilität – auch für Elektroautoflotten.»

 

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Venture Capital für Ubiq

Von der Idee von Ubiq ist auch Lars Hennersdorf, Investment Manager beim Smart Energy Innovationsfonds von Energie 360°, überzeugt. «Der softwaregetriebene und datenbasierte Ansatz ist eine erfolgversprechende Kombination», sagt er. Das Investmentkomitee des Smart Energy Innovationsfonds beschliesst deshalb, in Ubiq zu investieren. «Es ist notwendig, Shared Mobility besser und einfacher zugänglich zu machen. Dieses System hat uns deshalb überzeugt und unterstützt auch die strategische Ausrichtung des Smart Energy Innovationsfonds.» Aktuell scheint die Nachfrage nach Ubiq stark zu steigen. «Das Start-up wird zeitnah neue Stellen schaffen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Das ist erfreulich und zeigt, dass das junge Unternehmen auf einem sehr guten Weg ist.»

 

Die wichtigsten Meilensteine von Ubiq

2015: Gründung

2020: Fokus neu auf Shared und Electric Mobility

2022: 22 Mitarbeitende

Preise:

  • Volkswagen Financial Services Startup Battlefield, Lissabon
  • ConCar Expo Startup Award, Berlin
  • ALD Automotive Parkbob Startup Challenge, Paris
  • Born Global Champion, Wien
  • open4data Award, Wien
  • Pioneers ASIA 90″ Award, Tokyo
  • Mobile Monday Innovation Award, Wien
  • Siinda Startup Award, Prague

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