«Mit Innovationen arbeiten wir an der Energiewende»

Energie 360° fördert Start-ups im Bereich erneuerbare Energie – z.B. als Partner von Kickstart. Ein Interview mit Innovations-Integratorin Verena Lübken.

Bild von Verena Lübken und ihrem Team.

Verena Lübken, worum geht es bei Kickstart?

Kickstart ist ein Programm zur Förderung von Innovationen, das sich seit 2015 im Schweizer Innovations-Ökosystem etabliert hat. Der Fokus liegt auf der Zusammenarbeit zwischen Schweizer Unternehmen und Start-ups aus aller Welt. Beide Seiten haben das Ziel, interessante Formen der Zusammenarbeit und Geschäftsmöglichkeiten zu entwickeln.

Wie muss man sich ein typisches Unternehmen vorstellen, das sich bei Kickstart beteiligt?

Kickstart sucht gezielt nach Start-ups, die ihre ersten Entwicklungsschritte bereits hinter sich gebracht haben. Sie haben eine Lösung auf dem Markt eingeführt oder stehen kurz davor. Das erhöht die Chance, dass wir zeitnah mit dem Unternehmen ein Pilotprojekt starten oder seine Lösung in unsere Geschäftstätigkeit integrieren können.

 

Innovationen helfen uns dabei, die dringend notwendige Transformation des Energiesystems hin zu einhundert Prozent erneuerbaren Energien und nachhaltiger Mobilität aktiv umzusetzen und unsere ambitionierten Ziele zu erreichen.

 

Welche Rolle spielt dabei Energie 360°?

Als etabliertes Unternehmen bieten wir den Start-ups einen attraktiven Marktzugang und viel Expertise. Gleichzeitig profitieren wir von einem schnelleren Zugang zu innovativen Lösungen, als wenn wir diese beispielsweise selber entwickeln würden. Gleichzeitig nutzen wir die Möglichkeit, Start-ups aus verschiedenen Themengebieten kennenzulernen. Das ist insofern relevant, als dass wir immer auf der Suche nach interessanten digitalen Technologien sind. Diese können uns beispielsweise dabei helfen, unsere internen Prozesse zu optimieren oder unsere bestehenden Kundenlösungen zu verbessern oder gar zu innovieren.

3 Personen stehen vor einer Glaswand mit Post-It Zettel

Innovation ist Teamwork

Was erhofft sich Energie 360° durch die Unterstützung von Kickstart?

Zuallererst erhoffen wir uns Impulse, die uns zu neuartigen Lösungen führen. Konkret möchten wir mit ein oder zwei Start-ups zusammenarbeiten, um in den Bereichen Energielösungen und Mobilität innovative Ideen dazuzugewinnen. Von diesen Ideen sollen dann natürlich unsere Kundinnen und Kunden und unsere Partner profitieren. Ihnen muss Innovation am Ende ja dienen.

Wie wichtig ist das Thema Innovation für Energie 360°?

Innovationen sind für unser Unternehmen sehr wichtig. Unser kollaboratives Innovationsmodell beinhaltet verschiedene Partner und Initiativen, um Innovation aus unterschiedlichen Blickrichtungen in unser Unternehmen und zu unseren Kunden zu integrieren. Vor einigen Jahren öffneten wir unseren Innovationsprozess im Sinne von «Open Innovation». Wir entschieden uns als etabliertes Unternehmen ganz bewusst dafür, die Kollaboration mit Externen voranzutreiben. Also mit Start-ups, Hochschulen und etablierten Unternehmen.

Unsere Geschäftsbereiche entwickeln ihre jeweiligen Produkte und Lösungen mit Blick auf die Kundenbedürfnisse, die Umwelt, die Wirtschaftlichkeit und die Versorgungssicherheit laufend weiter. Mit dem Ziel, für unsere Kundinnen und Kunden einen einfachen Zugang zu nachhaltiger Energie und Mobilität zu schaffen. Innovationen helfen uns dabei, die dringend notwendige Transformation des Energiesystems hin zu einhundert Prozent erneuerbaren Energien und nachhaltiger Mobilität aktiv umzusetzen und unsere ambitionierten Ziele zu erreichen.

Mit diesen Initiativen fördert Energie 360° Innovationen

Der 2015 gegründete Smart Energy Innovationsfonds investiert in innovative Start-ups im Energiesektor. Neben dem finanziellen Kapital stellt Energie 360° den Jungunternehmen auch die Expertise und das weitverzweigte Netzwerk seiner Mitarbeitenden zur Verfügung. In der Schweiz sind wir bis heute das einzige Energieunternehmen mit einem eigenen Corporate Venture Capital Fonds zum Fördern von Innovationen.

Das lab360 – das Inhouse-Innovationslab von Energie 360° – identifiziert relevante Zukunftsthemen und entwickelt dafür Lösungen in Form von neuen Geschäftsmodellen und Prototypen. Im Fokus steht dabei, einen möglichst grossen Nutzen für die Kundinnen und Kunden zu schaffen.

Die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist ein wichtiger Bestandteil des «Open Innovation» Ansatzes von Energie 360°. Hand in Hand mit der Wissenschaft werden Zukunftsszenarien gezeichnet und passende Lösungen entwickelt, um die Ziele der Energiestrategie des Bundes zu erreichen.

Welche Rolle spielen Sie persönlich dabei?

Als Innovations-Integratorin arbeite ich an der Schnittstelle zwischen unseren Geschäftsbereichen und dem Innovations-Ökosystem. Dabei suche ich mit den Kolleginnen und Kollegen ganz gezielt die vorrangigen Entwicklungsthemen heraus. Im nächsten Schritt definieren wir die geeigneten Innovationsmassnahmen und Partner. Aber es funktioniert auch andersherum. Wenn ich ein interessantes Start-up sehe, überlege ich, ob das Produkt oder die Technologie zu einem unserer Geschäftsbereiche passt und unsere Ziele unterstützt. Im positiven Fall diskutieren wir mit dem Start-up, um herauszufinden, wo es Potenzial für eine Zusammenarbeit gibt. Eine solche ist in verschiedener Form denkbar. Wir können als Kunden auftreten. Möglich ist aber auch eine Beteiligung oder gar eine spätere Übernahme und Integration innovativer Start-ups.

Portrait-Bild von Innovations-Integratorin Verena Lübken

Innovations-Integratorin Verena Lübken

Gibt es konkrete Ergebnisse, die bereits aus diesen Bemühungen hervorgegangen sind?

Ja, unser Ansatz, Innovationen voran zu treiben, hat schon verschiedene Früchte getragen. So etwa die Gemeinde-Energieplattform: Das ist ein neuartiges Instrument, das Gemeinden die Energieplanung und das Monitoring ihrer Aktivitäten im Hinblick auf die Energiewende erleichtert. Oder die Smart Energy Link AG. Sie bietet eine intelligente Gebäudesteuerung an, um die selbsterzeugte Sonnenenergie in Mehrfamilienhäusern oder Gewerbebauten optimal zu nutzen. Dann sind wir mit der Ostschweizer Fachhochschule daran, im Pilotprojekt HEPP das Power-to-Gas-Konzept in der Schweiz voranzubringen.

Kickstart: Darum geht’s

Jedes Jahr holt Kickstart bis zu 50 innovative Jungunternehmen in die Schweiz. Sie erhalten die Chance, mit etablierten Schweizer Unternehmen sowie in der Schweiz tätigen internationalen Unternehmen zusammenzuarbeiten und gemeinsam mit ihnen Geschäftsmöglichkeiten zu entwickeln. Kickstart organisiert den Austausch zwischen Start-ups und Unternehmenspartnern, moderiert diesen und bietet inhaltlichen Support. Im laufenden Jahr führt Kickstart Programme in fünf Themenbereichen durch: Bildungs- und Arbeitstechnologie, FinTech & InsurTech, Lebensmitteltechnologie, Gesundheitstechnologie sowie Smart City & Technologie. Energie 360° nimmt 2020 zum ersten Mal an Kickstart teil und fokussiert sich auf das Thema Smart City & Technologie. Zudem beteiligt sich ein Team des lab360 am Intrapreneurship Programm, bei dem Innovatoren aus den eigenen Reihen gefördert werden.

So läuft das Programm ab

In einer ersten Phase hat Energie 360° im Frühling acht Themen für den Bereich Smart City & Technologie eingebracht, aus denen man sich externe Impulse über innovative Ideen erhofft. Die Themen wurden von Kickstart weltweit ausgeschrieben. Aus den 105 eingegangenen Bewerbungen hat Energie 360° zusammen mit anderen beteiligten Partnern im Smart City Programm (darunter die Stadt Zürich, Holcim, Axa und Migros) 18 Start-ups ausgewählt. Diese durften sich in einem Pitch präsentieren. Acht dieser Bewerber haben es ins Finale geschafft. Zwischen September und November erarbeiten die Unternehmenspartner zusammen mit den Finalisten des Smart City Programms mögliche Innovationspartnerschaften. Im Intrapreneurship Programm werden gleichzeitig die teilnehmenden Teams während zehn intensiven Wochen ihre Geschäftsideen vorantreiben. Anfang November endet der offizielle Teil des Programms. Dann beginnt die eigentliche Zusammenarbeit von Energie 360° mit den ausgewählten Start-ups.

Das Programm von Kickstart kennenlernen

 

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