«Wir fahren in eine vollelektrische Zukunft»
Krispin Romang erklärt, warum er trotz politischer Zurückhaltung beim Umstieg auf die Elektromobilität zuversichtlich ist – und was ihn als Direktor von Swiss eMobility auch nach über 13 Jahren in der Branche noch stetig antreibt.
Publiziert 04.03.2026 Lesedauer 3 minKrispin Romang, die Schweiz hat die Ziele der Roadmap Elektromobilität 2025 klar verfehlt. Weshalb?
Die Roadmap ist eine freiwillige Absichtserklärung, bei der Verbindlichkeit und Konsequenzen bei Nichterfüllung fehlen. Wir haben die schlechtesten Rahmenbedingungen in ganz Europa. Kurz: Der politische Wille, die Elektromobilität entschlossen voranzutreiben, ist zu schwach.
Dennoch wächst der Markt für E-Mobilität.
Die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos nimmt zu und Unternehmen wie Energie 360° treiben die Transformation, etwa durch den starken Ausbau von Ladeinfrastruktur, engagiert voran. Doch die Politik muss mitziehen. Noch fehlen verbindliche Rahmenbedingungen, wie beispielsweise ein klares Ausstiegsziel für Verbrenner sowie gezielte Fördermassnahmen. Stattdessen sind neue steuerliche Belastungen für E-Autos im Gespräch. Das verunsichert Konsument*innen und bremst den Wandel.
«Die Schweiz verfügt über das beste öffentliche Ladenetz.»
Krispin Romang
Direktor Swiss eMobility
Wo steht die Schweiz beim Ausbau der Ladeinfrastruktur?
Die Schweiz verfügt über das beste öffentliche Ladenetz, doch bei den Heimladestationen ist die Situation schwierig. Diese sind jedoch zentral für die weitere Entwicklung. Hier sind Unterstützungsmassnahmen dringend nötig.
Das Parlament sprach sich im Sommer 2025 für ein «Recht auf Laden» aus. Hilft das nicht weiter?
Das war schon ein sehr wichtiger Schritt, denn rund drei Viertel der Schweizer Bevölkerung wohnen zur Miete. Viele Mieter*innen haben keine Möglichkeit, ihr Fahrzeug zu Hause zu laden. Jetzt muss der Bundesrat schnellstmöglich das Gesetz ausarbeiten und in Kraft setzen.
Trotz der Fortschritte halten sich auch in der Bevölkerung die Vorurteile gegenüber E-Autos hartnäckig. Sind wir Schweizer*innen zu technologieskeptisch?
Skepsis gegenüber Neuem gab es immer – grosse Ideen führen zu grossem Widerstand. Zudem haben wir, anders als bei elektronischen Verbrauchsgegenständen, eine emotionale Bindung zum Auto. Allerdings sind viele Vorurteile wie die «Reichweitenangst» längst überholt. Und was viele nicht wissen: Das Elektroauto ist aufgrund der tiefen Betriebsausgaben bei den Gesamtkosten deutlich günstiger als ein Verbrenner. Wir müssen also lernen, dass ein E-Auto die Alltagsbedürfnisse besser erfüllt als ein Verbrenner. Beim Laden zu Hause zeigt sich das sehr deutlich: Die effektive Handlung dauert keine zehn Sekunden – einstecken, fertig, kein Warten neben dem Fahrzeug.
Was erwarten Sie von Energie 360° als Anbieterin von Ladeinfrastruktur?
Ladestationen müssen zuverlässig und einfach funktionieren. Die Menschen müssen sicher sein, dass sie ihr Auto unterwegs und zu Hause problemlos aufladen können. Ausserdem müssen die Anbieter in Sachen Preistransparenz noch besser werden. Wichtig ist auch die Sichtbarkeit im Alltag, etwa durch ein flächendeckendes Netz wie jenes von Swisscharge. So entsteht Vertrauen.
Was braucht es neben Vertrauen, um Gewohnheiten zu ändern?
Das Ladenetz und die Fahrzeuge sind da. Jetzt müssen die politischen Weichen richtig gestellt werden: keine zusätzlichen Abgaben, Vereinfachung bei der Dienstwagenbesteuerung und keine Hürden für Heimladestationen.
Seit 13 Jahren engagieren Sie sich für Swiss eMobility. Was gibt Ihnen Energie, dranzubleiben?
Vor 13 Jahren hätte ich mir nie vorstellen können, wie weit wir heute sind. Die Entwicklung ist rasant und beeindruckend. Und die Elektromobilität hat noch so viel unausgeschöpftes Potenzial. Man denke nur ans bidirektionale Laden: Zukünftig sind Autos nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Stromspeicher für unser Energiesystem. Wir fahren in eine vollelektrische Zukunft – und da will ich unbedingt dabei sein.
Zur Person
Krispin Romang (49) ist Direktor des Schweizer Elektromobilitätsverbands Swiss eMobility. Der Betriebsökonom beschäftigt sich seit über einem Jahrzehnt mit der Zukunft der Mobilität und zählt zu den renommiertesten Experten des Schweizer Elektromobilitätsmarkts. Sein beruflicher Werdegang führte ihn über den Bank- und IT-Sektor sowie die Sicherheitstechnik zur Mobilität. Er lebt mit seiner Familie in Herrenschwanden bei Bern. Energie 360° ist über ihre Tochterfirma Swisscharge im Vorstand von Swiss eMobility vertreten.
Dieser Beitrag ist Teil des Geschäftsberichts 2025.
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