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Spitzenlast im Griff: Energieverbünde auf dem Weg zu 100% erneuerbar

Kalt, heiss, mild. Unsere ausgeprägten Jahreszeiten stellen Energieverbünde vor eine zentrale Herausforderung: Wie lässt sich trotz schwankender Nachfrage eine zuverlässige und gleichzeitig vollständig erneuerbare Wärmeversorgung sicherstellen?

Publiziert 20.02.2026 Lesedauer 3 min

Sonnenbaden im Juli und Skifahren im Februar – die ausgeprägten Jahreszeiten sind charakteristisch für die Schweiz. Was für die Biodiversität und den Tourismus ein Vorteil ist, stellt Energieverbünde vor ein Problem: Der Wärmebedarf schwankt extrem. Denn während an kalten Wintertagen die Wärmenachfrage in die Höhe schiesst, wird in den Sommermonaten lediglich ein Bruchteil benötigt. Um eine zuverlässige Versorgung zu gewährleisten, müssen Energieverbünde daher auf die an kalten Tagen maximal benötigte Leistung, also die Spitzenlast, ausgelegt sein. 

Leistung auf Abruf: flexibel für die kältesten Tage

Energieverbünde nutzen lokale, nachhaltige Energiequellen wie Abwärme, Seewasser oder Holz. Ihre Erschliessung ist mit hohen Investitionen verbunden. Um die gewonnene Energie auf das erforderliche Temperaturniveau anzuheben und für Heizung und Warmwasser nutzbar zu machen, kommen Wärmepumpen zum Einsatz. Diese arbeiten effizient, sind jedoch teuer in der Anschaffung. Wirtschaftlich sind sie vor allem dann sinnvoll, wenn sie über das ganze Jahr hinweg gut ausgelastet sind. 

Wird eine Pumpe nur an wenigen kalten Tagen benötigt, verteilen sich die hohen Investitionskosten auf eine geringe Energiemenge, was den Preis pro Kilowattstunde deutlich erhöht. Anders verhält es sich mit Gas oder Öl. Da die Kosten für diese Energieträger verbrauchsabhängig entstehen, kommen sie in vielen Energieverbünden zur Deckung der Spitzenlast zum Einsatz. «Über das Jahr verteilt liefern sie zwar nur etwa 10% der Energie, an den kältesten Tagen decken sie jedoch bis zu 50% des Bedarfs», erklärt Marcel Brülisauer, Leiter Produktmanagement Lösungen bei Energie 360°. 

  • Der Unterschied auf einen Blick: Die Spitzenleistung zeigt den höchsten Bedarf während einer Kälteperiode, die Spitzenenergie hingegen den gesamten jährlichen Wärmebedarf.

  • In der Heizsaison stossen Wärmepumpen an ihre Leistungsgrenzen – die Versorgungssicherheit erfordert ergänzende, flexible Energieträger.

  • Verantwortung, die antreibt

    Mit seinem Team beschäftigt sich Marcel Brülisauer intensiv damit, wie Projekte vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden können, ohne dabei ihre Wirtschaftlichkeit zu verlieren. Der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen ist für ihn nicht nur beruflicher Anspruch, sondern auch persönliche Überzeugung: «Ich möchte mit dem, was ich tue, dazu beitragen, dass auch kommende Generationen in einer lebenswerten Welt aufwachsen können. Zu wissen, dass ich über meine Arbeit konkret etwas bewirken kann, motiviert mich jeden Tag aufs Neue.»

  • «Die eine Lösung gibt es leider nicht. Damit 100% erneuerbare Energieverbünde Wirklichkeit werden, braucht es viele verschiedene Puzzlestücke, die ineinandergreifen.»

    Marcel Brülisauer

    Leiter Produktmanagement Lösungen bei Energie 360°

  • Marcel Brülisauer und sein Team engagieren sich dafür, Projekte auf 100% erneuerbare Energien umzustellen – aus Überzeugung und Verantwortung für die Zukunft.

    Mehr ist mehr: Warum Energieverbünde nur Schritt für Schritt erneuerbar werden

    Wäre es nicht sinnvoller, schon heute auf 100% erneuerbare Energie zu setzen und nur so viele Liegenschaften anzuschliessen, wie die Wärmepumpen auch im tiefsten Winter versorgen können? Aus ökologischer und ökonomischer Sicht lautet die Antwort: nein. «Je mehr Liegenschaften ein Verbund frühzeitig erreicht, desto mehr CO₂ wird reduziert – auch wenn an Spitzentagen noch fossile Energie eingesetzt wird. Mit 100 Liegenschaften, die zu 90% erneuerbare Energie beziehen, sparen wir gesamthaft mehr Emissionen ein als mit 50 Liegenschaften, die zu 100% erneuerbar versorgt werden», so Brülisauer. 

    Kund*innen, die heute schon vollständig erneuerbare Wärme wünschen, können in ausgewählten Verbünden ihren Anteil an der Spitzenlast komplett mit Biogas oder Holz decken. Obwohl diese Alternativen teurer sind als fossile Brennstoffe, markieren sie ein wichtiges Etappenziel. Laut Brülisauer erlaube die Flexibilität bei der Spitzenlast es Energie 360°, Energieverbünde so zu gestalten, dass sie für die Anschlusskund*innen nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich attraktiv bleiben (vgl. auch Die Energiezukunft braucht frische Ideen). Marcel Brülisauer betont: «Mit der gezielten Weiterentwicklung schaffen wir die Grundlage für stabile Wärmepreise und treiben gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien voran.»

    Spitzenlast abdecken mit erneuerbaren Energien: Lösungen im Überblick

    Derzeit liegt der Fokus auf Massnahmen, die helfen, Spitzenlasten zu reduzieren oder besser zu verteilen – mit kurz-, mittel- und langfristiger Wirkung. Dabei kommen verschiedene erneuerbare Lösungen zum Einsatz, beispielsweise:

    • Energiespeicher: Sie speichern im Sommer überschüssige Wärme und geben sie im Winter bedarfsgerecht wieder ab. So lassen sich Wärmebedarfsspitzen nachhaltig abfedern.
    • Erneuerbare Gase: Biogas, synthetisches Methan oder grüner Wasserstoff werden gezielt eingesetzt, um Spitzenlasten abzudecken. Für Kund*innen, die auch an den kältesten Tagen eine CO₂-neutrale Versorgung wünschen, sind sie eine wichtige Option.
    • Intelligente Steuerung: Smart Grids sind intelligente Stromnetze, in denen Erzeuger, Verbraucher und Speicher miteinander kommunizieren und ihr Verhalten koordinieren. Durch diese Vernetzung lassen sich Lastspitzen abflachen, Verbrauch und Produktion besser aufeinander abstimmen und Energie gezielt dorthin leiten, wo sie gerade benötigt wird. Unternehmen und Privathaushalte profitieren dadurch von stabileren Energiekosten und einer höheren Versorgungssicherheit.

    Mit diesen Massnahmen entsteht Schritt für Schritt ein System, in dem auch Spitzenlast künftig erneuerbar gedeckt werden kann – nachhaltig, wirtschaftlich und verlässlich.

    Energieverbünde erneuerbar bis 2040: Spitzen brechen, Zukunft sichern

    «Die Vision für unsere Energieverbünde ist klar: Vollständig erneuerbar, skalierbar und preislich attraktiv sollen sie sein», sagt Marcel Brülisauer. Keine leichte Aufgabe. Der Schlüssel zum Erfolg? «Der Mut, innovativen Ansätzen eine Chance zu geben, und die Geduld, sich dem Ziel Prozentpunkt für Prozentpunkt zu nähern.» Gleichzeitig wachse der Druck: Energiegesetze, CO₂-Abgaben und kantonale Vorgaben machten die Reduktion fossiler Spitzenlasten nicht nur aus ökologischen Überzeugungen notwendig, sondern zunehmend verpflichtend. Das Ziel bei Energie 360° ist klar: Bis spätestens 2040 sollen alle Energieverbünde vollständig erneuerbar betrieben werden – das gibt der Leitstern vor. 

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