Digitaler Zwilling: Blaupause für ein zukunftssicheres Gasnetz
Energie 360° modernisiert das Gasnetz: Mithilfe eines virtuellen Abbilds der Infrastruktur digitalisieren Martin Seger, Leiter Netzdokumentation, und sein Team Druckregel- und Messstationen. Und leisten damit Pionierarbeit in der Energieversorgung.
Publiziert 04.02.2026 Lesedauer 3 minMartin Seger, Energie 360° plant, das Gasnetz bis 2035 so auszubauen, dass es vollständig mit Wasserstoff betrieben werden kann. Warum braucht es dafür besondere Vorbereitungen?
Grüner Wasserstoff spielt auf dem Weg zur Klimaneutralität eine zentrale Rolle. Er ersetzt fossiles Erdgas sauber und effizient dort, wo heute noch Bedarf besteht, etwa in der Industrie oder zur Abdeckung von Lastspitzen in Energieverbünden. Damit Beimischungen und langfristig auch 100 Prozent Wasserstoff sicher transportiert werden können, muss das Netz auf die Besonderheiten von Wasserstoff vorbereitet sein. Seine Moleküle sind deutlich kleiner und flüchtiger als die von Erdgas und können daher leichter aus undichten Stellen entweichen.
Das Gasnetz umfasst rund 1600 Kilometer Leitungen mit über 600 Anlagen. Wie lässt sich ein so komplexes System überhaupt digitalisieren?
Dafür nutzen wir den digitalen Zwilling, ein virtuelles Abbild des gesamten Gasnetzes. Er zeigt, welche Komponenten wo verbaut sind, aus welchem Material sie bestehen und wie alt sie sind. Diese Technologie basiert auf der BIM-Methode. Die Abkürzung steht für «Building Information Modeling» – einen Prozess, der seit mehreren Jahren bei Hochbauprojekten Standard ist. Wir übertragen sie nun erstmals auf die Netzinfrastruktur und erfassen damit unsere Druckregel- und Messstationen (DRM-Stationen) digital.
Somit leistet Energie 360° also Pionierarbeit?
Wenn man so will, ja. Wir bringen Methoden aus dem Hochbau in die Versorgungstechnik. Das ist in unserer Branche ein Novum.
Statt mit einem klassischen 2D-Modell, das lange Zeit Standard war, …
… wird die Anlage neu mit Laserscannen erfasst. Daraus ergibt sich eine Punktwolke.
Daraus entsteht in einem dritten Schritt ein intelligentes 3D-Modell, der digitale Zwilling. Dieser enthält von allen einzelnen Komponenten der Anlage Informationen zu den Lebenszyklen.
Was genau leistet der digitale Zwilling?
Er bildet die Planungs-, Bau- und Betriebszustände der Anlagen vollständig in intelligenten 3D-Modellen ab, die sich mit Echtzeitdaten ergänzen lassen. So entsteht ein präzises Gesamtbild der DRM-Stationen, das alle relevanten Informationen beinhaltet und auf einer zentralen Plattform dargestellt ist. Damit managen wir die gesamte Infrastruktur objektorientiert.
Objektorientiert managen – was bedeutet das?
Jede Komponente – vom Rohr über den Dichtungsring bis zur Schraube – wird als digitales Objekt mit Eigenschaften geführt. Dieses Prinzip ist Teil des Product-Lifecycle-Managements (PLM), das Energie 360° verfolgt: Alle wichtigen Daten bleiben über den gesamten Lebenszyklus hinweg im Blick. Gleichzeitig legt das Projekt die Grundlage für das künftige Assetmanagement: Die 3D-Modelle und sämtliche Informationen zu den Infrastrukturobjekten können künftig in einem zentralen Assetmanagement-Tool zusammengeführt werden.
Welche Vorteile bringt der digitalisierte Plan im Alltag?
Er schafft eine verlässliche Grundlage für die Instandhaltung, die Sanierung oder die Lagerbewirtschaftung. Und er vereinfacht die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitenden im Büro und den Techniker*innen vor Ort. Auch bleiben die Pläne der Netze so stets auf dem neusten Stand.
«Die Anlagen bleiben länger einsatzbereit, Wartung und Reparaturen lassen sich gezielter durchführen und das Netz ist auf den Einsatz nachhaltiger Gase vorbereitet. Das senkt die Instandhaltungskosten.»
Martin Seger
Leiter Netzdokumentation bei Energie 360°
Wie weit ist das Pilotprojekt heute?
Seit zwei Jahren bauen wir die technische Grundlage für die Datenerfassung auf. Bis 2027 sollen über 300 von insgesamt 650 DRM-Stationen digitalisiert sein. Das ist der Grundstein für die Digitalisierung weiterer Netze.
Also eine Blaupause für die Zukunft der Infrastrukturnetze?
Genau. Eine Blaupause, die wir effizient und nachhaltig betreiben und instand halten. Das kommt auch unseren Kund*innen zugute.
Wie profitieren die Kund*innen vom digitalisierten Netz?
Die Anlagen bleiben länger einsatzbereit, Wartung und Reparaturen lassen sich gezielter durchführen und das Netz ist auf den Einsatz nachhaltiger Gase vorbereitet. Das senkt die Instandhaltungskosten. Auch profitieren Kund*innen von stabilen Lieferungen, einer höheren Versorgungssicherheit und einer Energieinfrastruktur, die zukunftsfähig und klimafreundlich ist.
Die DRM-Stationen sind wichtige Stationen im Gasnetz. Energie 360° erfasst diese nun als digitale Zwillinge, um sie und das Leitungssystem auf erneuerbare Gase vorzubereiten.
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