Blick nach vorn

Das Wohnareal Stockacker in Reinach (BL) beweist, dass sich der Einsatz von erneuerbaren Energien bei einer integralen Energie- und Mobilitätslösung auch wirtschaftlich lohnt. Ein Interview mit Walter Ineichen, Leiter Lösungsentwicklung bei Energie 360° über das neue Energiesystem.

Was macht ein Energiesystem zu einer integralen Lösung?

Walter Ineichen: Der Schlüssel für eine optimale, integrale Lösung liegt in einer frühzeitigen Abstimmung der langfristigen Nutzungsabsichten des Bauherrn für das Areal und der Anforderungen an die verschiedenen Gewerke wie Wärme-, Kälte-, Strom- und Mobilitätsinfrastruktur. Weiter ist es essenziell, sich über die gewünschten Flexibilitäten und die Anpassungsfähigkeit des Areals hinsichtlich ändernder Nutzungen und klimatischer Bedingungen zu verständigen. Zudem werden mit dem Bauherrn die Anforderungen an Wirtschaftlichkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Innovationscharakter erörtert.

Gemeinsam realisieren ihre Unternehmen in Reinach eine vorbildliche integrale Energielösung: Jutta Mauderli, Geschäftsleiterin Logis Suisse AG, und Walter Ineichen, Leiter Lösungsentwicklung bei Energie 360°.

Erst dann lässt sich im Rahmen einer Studie die geeignetste Variante identifizieren. Eine grosse Arbeit besteht darin, die verschiedenen Gewerke im Rahmen der Planung optimal aufeinander abzustimmen.

 

Können Sie für das Areal Stockacker Beispiele nennen?

Erstens haben wir die Anforderungen der Photovoltaikanlage und jene der anderen Gewerke miteinander in Einklang gebracht. Das führt dazu, dass ein Abluftrohr anders dimensioniert und platziert wird als ursprünglich geplant. Der Schattenwurf verringert sich dadurch und die Photovoltaikanlage lässt sich grösser dimensionieren. Zweitens waren zunächst vier verteilte Energiezentralen mit je einer Wärmepumpe angedacht, was sicher auch gut funktioniert hätte. Doch unser Vorschlag mit nur einer Energiezentrale senkt die Investitionen sowie die Betriebskosten und führt gleichzeitig zu einer Redundanz bei der Wärmeerzeugung. Für solche Optimierungen braucht es erfahrene Projektleiter, die ein hohes Verständnis für alle Gewerke mitbringen, Chancen erkennen und mit der Komplexität umgehen können.

 

Das Energiesystem des Areals Stockacker war mit Erdsonden und Photovoltaikanlage von Anfang an umweltfreundlich ausgelegt. Welcher ökologische Mehrwert ergibt sich durch den integralen Ansatz?

Die Photovoltaikanlage war auf Wunsch der Logis Suisse AG von Anfang an grösser geplant als von den Behörden vorgeschrieben. Als Betreiber des Zusammenschlusses zum Eigenverbrauch (ZEV) gehen wir noch einen Schritt weiter: Dank der integralen Lösung können wir die gesamte Dachfläche bereits heute wirtschaftlich für die Solarstromproduktion nutzen. Damit sind wir optimal auf einen höheren Stromverbrauch vorbereitet – zum Beispiel durch die Elektromobilität. Das intelligente Energiemanagement bricht die Leistungsspitzen und ermöglicht einen hohen Eigenverbrauchsgrad.

 

Energie 360° wird zusätzlich Aufgaben für die Verrechnung von Strom, Wärme und Wasser übernehmen. Wie kam es zu diesem Auftrag?

Wir werden ohnehin mit Sensoren und Zählern in den Häusern sein, unter anderem für die Fernüberwachung der Anlagen und fürs Prosumer Management. Da lag es nahe, diese Synergien zu nutzen und neben der Zählerinfrastruktur auch das Auslesen der Verbrauchsdaten und die Abrechnung für Strom, Wärme und Wasser anzubieten.

 

Dank der integralen Lösung profitieren Bauherr und Bewohner von tiefen Energiepreisen bei hoher Versorgungssicherheit, vorbildlicher Ökologie und viel Wohnkomfort – und das für die nächsten Jahrzehnte.

Walter Ineichen, Leiter Lösungsentwicklung bei Energie 360°

Stichwort Verbrauchsdaten: Nutzen Sie Daten, um das Gesamtsystem zu optimieren?

Ja. Über unsere Fernüberwachung der Anlagen erreichen wir einen hohen Digitalisierungsgrad und erhalten viele Anlagendaten. Das ermöglicht uns eine vorausschauende Instandhaltung: Dank der Datenanalyse erkennen wir von vornherein, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Störung steigt. So können wir rechtzeitig Instandhaltungsarbeiten durchführen und bei Bedarf Komponenten ersetzen, bevor aufwändige Reparaturen nötig werden.

 

Beim Areal Stockacker ist die Elektromobilität ein wichtiger Teil Ihrer Gesamtlösung. Erzählen Sie mehr darüber.

Die Elektromobilität entwickelt sich rasch und wird in Zukunft möglicherweise deutlich anders aussehen als heute. Investoren und Planer haben viele Fragen dazu: Welche Art
von Ladeinfrastruktur braucht es und mit welcher Anschlussleistung? Welche Konsequenzen ergeben sich für die Energieversorgung des Areals? Wie funktionieren die Prozesse fürs Installieren von Ladestationen und fürs Abrechnen von Ladevorgängen? Dank unserer grossen Erfahrung konnten wir die Partner in diesem Projekt dabei unterstützen, jetzt die richtigen Entscheidungen zu treffen, um auch für die künftigen Entwicklungen bereit zu sein. Unser Gesamtkonzept sorgt für intelligentes Laden zum Optimieren des Eigenverbrauchs, für nachhaltiges Laden durch die Priorisierung des eigenen Solarstroms und für eine verursachergerechte Abrechnung. Wir realisieren eine passend dimensionierte Basisinstallation. Sobald eine Bewohnerin oder ein Bewohner eine eigene Ladestation benötigt, lässt sie sich mit geringem Aufwand montieren und ins Gesamtsystem integrieren. Die Ladeinfrastruktur wird also schrittweise nach Bedarf erweitert. Und natürlich gibt es genügend Ladepunkte für Besucherinnen und Besucher.

 

Sie arbeiten im Auftrag eines Bauherrn mit hohem sozialem und ökologischem Verantwortungsbewusstsein. Wie verändert sich dadurch gegenüber anderen Projekten die Zusammenarbeit?

Wir kamen vergleichsweise spät ins Projekt – die Planung war bereits weit fortgeschritten. Trotzdem konnten wir den Bauherrn noch vom Mehrwert einer integralen Lösung überzeugen. Bei gleichen Energiekosten wurden die Ökologie, die Versorgungssicherheit, die Behaglichkeit sowie der Komfort für die Nutzer und damit die Attraktivität des Wohnraums massgeblich erhöht. Zudem kann das System nun besser auf sich verändernde Bedürfnisse angepasst werden. So wird der Wohn- und Lebensraum auch in 20 bis 30 Jahren noch die Bedürfnisse der Nutzer decken und als attraktiv wahrgenommen werden. Ein Bauträger mit Blick nach vorn wie die Logis Suisse AG erkennt diese Zusammenhänge. Deshalb sind wir für sie der ideale Partner.

 

Wie erleben Sie den gemeinsamen Prozess mit den anderen Projektpartnern?

Es ist eine professionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Dabei übernehmen wir die Rolle des Integrators, der auf das Fachwissen der anderen Spezialisten im Projekt bauen kann. Wir stellen sicher, dass die ganzheitliche Sichtweise auf das Energie- und Mobilitätssystem gewahrt bleibt und die Bedürfnisse des Bauherrn sowie der Arealnutzer über den ganzen Lebenszyklus bestmöglich erfüllt werden.

 

Ganzheitlich

In Reinach (BL) entsteht derzeit das Areal Stockacker – eine Überbauung mit 77 Wohnungen. Der langfristig orientierte Bauträger legt den Fokus auf sozialverträglichen und ökologischen Wohnungsbau. Energie 360° plant, realisiert, finanziert und betreibt für das Areal eine zukunftssichere, integrale Energieund Mobilitätslösung, die «Smart City ready» ist. Sie umfasst Wärme, Kälte, Strom, Elektromobilität und Smart Solutions. Diese Elemente werden zu einem Gesamtsystem kombiniert. Weil sich dadurch Synergien ergeben, profitieren alle Beteiligten: Die Bauherrschaft erhält ein abgestimmtes, integrales Energiesystem mit langfristiger Performance-Garantie aus einer Hand und erhöht die Attraktivität ihrer Wohnungen. Die Mieter bezahlen tiefere Energiekosten und geniessen mehr Wohnkomfort. Nicht zuletzt gewinnt auch die Umwelt.

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