Ein See, der uns wärmt

Lokal und erneuerbar – wer Seewasser als Energiequelle nutzt, heizt seine Stube mit gutem Gewissen. Die Realisierung von klimafreundlichen Seewasserverbünden braucht neben viel Fachwissen vor allem auch Zeit.

Luftansicht des Zürichsees im Winter.

Einen Energieverbund kann man als eine Art grosse Zentralheizung beschreiben, die Gebäude eines ganzen Quartiers mit Wärme versorgt. Als klimafreundliche Wärmequelle für solche Energieverbünde kommen auch unsere Schweizer Seen in Frage. Denn Seen sind riesige Energiespeicher. Energie 360° plant momentan drei Seewasserverbünde in der Stadt Zürich – Tiefenbrunnen, Lengg und Wollishofen. Im Frühling 2021 starten die Bauarbeiten in Thalwil, und auch in Meilen will das Unternehmen demnächst grünes Licht für einen weiteren Energieverbund geben. Vorgesehen ist, dass dieser die Abwärme nutzt, die entsteht, wenn die Midor AG ihre Anlagen mit Seewasser kühlt – ein weiteres Beispiel für den cleveren und nachhaltigen Einsatz von Seewasser.

 

Energieverbund: intensive Planung

Jedes Seewasserprojekt ist eine Investition in eine nachhaltige Energiezukunft. Doch die Transformation von fossiler zu erneuerbarer Energie geht nicht von heute auf morgen. Nur schon die Planungs- und Bewilligungsphase eines Energieverbunds ist lang. Energie 360° holt beispielsweise beim Kanton die Konzessionen für Seewasserfassung und bei der jeweiligen Gemeinde für das Leitungsnetz ein. Auch muss Energie 360° einen geeigneten Standort für die Heizzentrale finden und eine Baubewilligung einholen.

Während dieser Phase evaluieren wir gleichzeitig, ob es im Quartier genügend Interessentinnen und Interessenten gibt, die sich dem Energieverbund anschliessen möchten. Denn nur dann lohnt sich die Nutzung der Wärme- und Kältequelle Zürichsee. Deshalb gilt: Auch wenn die bestehende Heizung erst in ein paar Jahren ersetzt werden muss, Interesse bereits heute anmelden.

 

 

In vier Schritten zum Anschluss

Von der Planung bis zur Inbetriebnahme eines Energieverbunds vergehen meist mehrere Jahre. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig Gedanken über einen Anschluss zu machen. Markus Thut, Energieberater bei Energie 360°, unterstützt Liegenschaftsbesitzerinnen und ­besitzer bei diesem Entscheid.

 

Schritt 1 – Information

Besteht Potenzial für einen Energieverbund, lotet Energie 360° das vorhandene Interesse aus. «Wir schreiben alle Liegenschaftsbesitzerinnen und ­besitzer im geplanten Versorgungsgebiet an und informieren sie über unser Vorhaben», sagt Markus Thut. «Zusätzlich schicken wir einen Fragebogen mit.» Darin wird beispielsweise gefragt, ab wann Interesse an einem Anschluss besteht oder wie hoch der Energieverbrauch ist. Wer den Fragebogen retourniert, erhält von Energie 360° eine Offerte. Dies passiert zwei oder mehr Jahre, bevor der Energieverbund effektiv gebaut wird.

 

Zwei Arbeiter hantieren mit einer Leitung.

Damit später alles klappt, müssen Leitungen verlegt werden, die den besonderen Bedingungen des Sees entsprechen.

Schritt 2 – Offerte

Wenn der Interessent oder die Interessentin die Offerte erhalten hat, geht Markus Thut in einem persönlichen Gespräch auf allfällige Fragen ein, etwa zum Hausanschluss. Gut zu wissen: Es handelt sich bei der Offerte um eine Vollkostenrechnung. Anders als bei der Installation einer Öl­ oder Gasheizung ist der Energieträger bereits inbegriffen sowie auch die Unterhalts­, Betriebskosten und Rückstellungen für den Ersatz der Übergabestation. Das bedeutet für die Kundinnen und Kunden: Sie profitieren von erneuerbarer, lokaler Wärme und müssen sich nicht um die Wartung der Heizung oder Energielieferungen kümmern.

Markus Thut empfiehlt den Liegenschaftsbesitzern und ­besitzerinnen zudem, sich über Fördergelder und ­programme von Kantonen oder Gemeinden zu informieren. So gibt es beispielsweise im Kanton Zürich seit dem 1. Juli 2020 ein Programm zur Förderung erneuerbarer Energie, darunter fallen auch Fernwärmeanschlüsse.

 

Leitungen werden einem Floss im Zürichsee versenkt.

Bereits heute nutzt die Midor AG den See zur Kühlung ihrer Maschinen. Im Frühling 2020 sind die dafür notwendigen Leitungen verlegt worden.

Schritt 3 – Vertrag

Sind alle Fragen geklärt und die Parteien mit der Offerte einverstanden, kommt es zum Vertragsabschluss. Markus Thut: «Mit dem Anschluss an einen Wärmeverbund wählt man ein zukunftsfähiges, der Energiestrategie 2050 entsprechendes Heizsystem. Die Vorschriften der kommenden Energiegesetze sind dann schon erfüllt.»

 

Schritt 4 – Anschluss

Energie 360° legt alle nötigen Leitungen zum Haus und installiert die Übergabestation im Gebäude. Kundinnen und Kunden beauftragen selber ein Heizungsunternehmen, das das Heizsystem im Haus entsprechend anpasst, also beispielsweise die alte Heizung entfernt und die neuen Installationen verlegt. Da Energieverbünde immer schrittweise ausgebaut werden, kann es sein, dass die eigene Liegenschaft nicht zu den ersten erschlossenen gehört. «Wenn die alte Heizung nicht bis zur ersten Wärmelieferung durchhält, suchen wir gemeinsam eine individuelle Lösung», sagt Markus Thut. Das kann beispielsweise eine mobile Heizzentrale oder ein provisorischer Heizkessel sein.

 

Energie aus dem See gewinnen

Wie funktioniert eigentlich ein Energieverbund mit Seewasser fassung? Erfahren Sie es im Erklärvideo:

Zum Video

 

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Comments

  1. Avatar Martin Schmassmann sagt:

    Ich möchte bereits heute unser Interesse an einem Energieverbund für Fernwärme
    (Seewasser o.ä.) anmelden. Unser EFH steht an der Fichtenstrasse 21, 8032 Zürich.

    Martin und Margret Schmassmann

    • Avatar Seyb Michelle sagt:

      Liebe Frau Schmassmann, lieber Herr Schmassmann
      Vielen Dank für Ihre Nachricht.
      Wir haben Ihre Anfrage an die zuständigen Kollegen weitergeleitet, welche sich in den nächsten Tagen per E-Mail bei Ihnen melden werden.
      Freundliche Grüsse Ihr Energie 360° Team