Er zapft den See an: Bohrmeister Mathias Berger

Mathias Berger ist Bohrmeister und hat die Wasserleitungen für den Energieverbund in Thalwil eingezogen. Im Gespräch erklärt er, wieso sein Job dem Gamen ähnelt und was ihn stolz macht.

Bohrmeister Mathias Berger bedient eine grosse Bohranlage in Thalwil für Fernwärmenutzung.

 

Während rund sieben Wochen bohrte sich Mathias Berger mit seinem Team durch den Thalwiler Untergrund. Das Ziel: eine 150 Meter lange Wasserleitung vom See bis zur Wärmezentrale Thalwil. Für das Vorhaben setzte der Bohrmeister auf das Spülbohrverfahren. Dabei bohrte er zuerst von der Landseite aus einen Tunnel mit 13 Zentimetern Durchmesser. Dieser gab die Spur vor. Dann zog Berger den Bohrkopf wieder hinaus und entfernte ihn vom Bohrgestänge. Schliesslich montierte sein Team einen sogenannten Räumer auf dem Bohrgestänge, um den Tunnel auf 60 Zentimeter auszuweiten. Gleichzeitig zogen sie die Wasserleitung durch den Tunnel. Durch sie fliesst später das Wasser für den Energieverbund Thalwil.

 

Mathias Berger, haben Sie schon im Sandkasten gerne gebuddelt und gebohrt?

«Meine Leidenschaft galt als Kind eher den Maschinen. Deshalb habe ich auch eine Polymechanikerlehre absolviert. Danach trat ich bei der Bohrfirma Schenk AG in Heldswil eine Stelle in der Werkstatt an. Doch weil bei den Bohrungen Personalmangel herrschte, blieb ich draussen auf den Baustellen hängen. Da es in der Schweiz keine Fortbildung für Bohrmeister gibt, liess ich mich in Deutschland weiterbilden. Viel wichtiger war aber das Lernen on the Job im Arbeitsalltag. Offiziell heisst meine Position übrigens Fachmann HDD, wobei HDD für Horizontal Directional Drilling steht.»

 

Und was tut ein Fachmann HDD in seinem Job?

«Ich bediene hauptsächlich die Bohranlage. Das heisst, ich sitze in der Führerkabine einer schweren Bagger-ähnlichen Maschine und bediene mit zwei Joysticks den Bohrkopf unter der Erde. Der Bildschirm zeigt mir, wo ich hinsteuern muss: links, rechts, rauf oder runter.»

 

Bohranlage der Schenk AG mit Führerkabine und Bohrgestänge.

Mathias Bergers Arbeitsinstrument: die Bohranlage.

Das klingt fast ein wenig wie Gamen.

«Das ist nicht ganz falsch. Aber natürlich besteht mein Arbeitsalltag nicht nur im Bewegen der Joysticks. Bevor mein Team und ich bohren, erstellen wir mit einem Computerprogramm einen ganz genauen Bohrplan. Dabei helfen uns Karten der bestehenden Leitungen im Boden. Denn diese sollten wir beim Bohren natürlich nicht beschädigen.»

 

Haben Sie trotzdem schon mal eine Leitung getroffen?

«Bis jetzt zum Glück nur einmal. Das war vor etwa fünf Jahren in St. Gallen.»

 

Was ist passiert?

«Wir bohrten in etwa sieben Metern Tiefe unter allen bestehenden Leitungen hindurch – alles lief nach Plan. Doch einige Jahre zuvor wurden an dieser Stelle rund sechs Meter Erde aufgeschüttet. Deshalb befand sich eine Gasleitung nicht mehr einen Meter unter der Oberfläche wie auf der Karte eingezeichnet, sondern eben plötzlich sieben. Wir erwischten die Leitung und das Gas entwich durch das Loch. Wir informierten sofort die technischen Werke. Sie stellten das Gas ab und reparierten die beschädigte Leitung.»

 

Das Bohrgestänge in der Baugrube wird durch eine Öffnung in den Boden gezogen.

Langsam wird das Gestänge ins Bohrloch gezogen.

Sie tragen eine Menge Verantwortung. Was gefällt Ihnen am Job als Bohrmeister?

«Die Abwechslung ist mir wichtig: Jede Baustelle ist anders. Mich faszinieren auch die grossen Maschinen, mit denen wir hantieren. Und ich darf in der ganzen Schweiz und im nahen Ausland unterwegs sein, lerne viele Orte kennen. Ausserdem bin ich gerne draussen an der frischen Luft.»

 

Auch bei schlechtem Wetter?

«Sonnenschein liegt mir tatsächlich mehr als Regen, Schnee und Kälte. Am meisten Spass macht das Bohren deshalb im Sommer – wie hier beim Energieverbund Thalwil. Im Winter müssen wir Schläuche, Tankwagen und Anlagen heizen, sodass sie nicht einfrieren. Oder wir tauen eingefrorenes Material morgens mit Bunsenbrennern wieder auf. Das kann aufwendig und mühsam sein. Regen und Schnee sind ansonsten nicht wirklich ein Problem. Wir sind ja gut ausgerüstet und bereiten uns für jeden Job professionell vor.»

 

Was, wenn der Boden gefroren ist?

«In unseren Breitengraden friert normalerweise nur der erste Meter unter der Erdoberfläche ein. Darunter ist die Temperatur konstant über dem Gefrierpunkt. Haben wir den ersten Meter also überwunden, stellt das keine Hürde mehr dar.»

 

Ein Räumer, wie er in Spülbohrungen verwendet wird.

Der mit Düsen gespickte Räumer weitet den Tunnel der Erstbohrung auf die gewünschte Breite aus.

Worauf sind Sie als Bohrmeister besonders stolz?

«Einen Auftrag zur vollen Zufriedenheit des Auftraggebenden abzuschliessen, ist schon toll. Mich erfüllt es aber auch mit Stolz, wenn ich mit der Familie in die Ferien fahre und unterwegs meinen Kindern zeigen kann, wo ich überall schon Bohrungen durchgeführt habe.»

 

Vogelperspektive der Bohrungsbaustelle für den Energieverbund Thalwil.

Für den Energieverbund Thalwil hat Mathias Berger während rund sieben Wochen den Boden unter Thalwil durchbohrt.

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