Fernwärme – eine Standardlösung der MuKEn 2014

Wer seine Heizung ersetzen muss, geht am besten auf Nummer sicher: Die 11 Standardlösungen der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2014) erfüllen auch in Zukunft alle Vorgaben. Zu diesen Standardlösungen gehört das Heizen mit Fernwärme. Warum sich dabei frühzeitige Abklärungen lohnen, erläutert Tony Kluser, Leiter Lösungsentwicklung Transformation von Energie 360°.

Welche Vorgaben machen die MuKEn 2014 für Fernwärme als Standardlösung?

Tony Kluser: Die Fernwärme muss entweder aus der Abwärme einer Kehrichtverwertungsanlage oder einer Abwasserreinigungsanlage entstehen. Oder sie wird mit einem erneuerbaren Energieträger wie Holz, Grundwasser oder Seewasser produziert. Der fossile Anteil der Wärmeerzeugung darf dabei höchstens 30% betragen – ein Wert, den Fernwärme in der Regel problemlos einhält. Daher ist Fernwärme eine umweltfreundliche und zukunftsorientierte Heizlösung.

Wärmeproduktion einer Gemeinschaftslösung von Energie 360°

Gelten diese Kriterien auch für Nahwärmeverbünde?

Es gibt keine klare Unterscheidung zwischen Fernwärme und Nahwärme. Der Übergang ist fliessend. Von Nahwärme spricht man eher bei einem Areal oder einer Blockrandbebauung. Wird ein Quartier oder ein ganzer Stadtteil versorgt, ist eher von Fernwärme die Rede. Der Überbegriff für Fernwärme und Nahwärme heisst Energieverbund. Die Vorgaben der MuKEn 2014 gelten für alle Arten von Energieverbünden.

 

Für welche Liegenschaften empfiehlt sich Fernwärme als Standardlösung?

Die Lösung setzt voraus, dass sich die Liegenschaft im Versorgungsperimeter eines Energieverbundes befindet. Ist das der Fall, empfiehlt sich Fernwärme für jede Liegenschaft – für eine ältere wie für eine neue. Das gilt auch, wenn ein Wärmenetz erst geplant, aber noch nicht gebaut ist. In der Stadt Zürich zum Beispiel zeigt die Energieplankarte, wo Energieverbünde entstehen. Mein Tipp: Kontaktieren Sie als Hauseigentümerin oder Hauseigentümer frühzeitig den Betreiber des Energieverbunds. Informieren Sie sich über die Wärmepreise, holen Sie eine Offerte für den Anschluss ein und klären Sie ab, wann Sie Ihr Gebäude ans Wärmenetz anschliessen könnten.

 

Was bedeutet «frühzeitig» konkret?

Schon wenn die bisherige Heizung 15 Jahre alt ist, sollte man sich mit dem Ersatz befassen – gerade, wenn Fernwärme als Lösung in Frage kommt. Denn in dicht besiedelten Gebieten ist der Untergrund intensiv genutzt. Das erfordert ein koordiniertes Bauen. Liegt die Wärmeleitung nicht bereits in der Strasse, kann die Erschliessung von weiteren Gebäuden durchaus mehrere Jahre dauern. Eine schnelle Lösung, wenn die alte Heizung aussteigt, ist bei Fernwärme also meist nicht möglich.

 

Was empfehlen Sie, falls die Heizung ihr Lebensende erreicht, der Energieverbund im Quartier aber erst in einigen Jahren seinen Betrieb aufnimmt?

Hier lohnt es sich ebenfalls mit dem Energieverbundbetreiber Kontakt aufzunehmen. Womöglich kann dieser eine Übergangslösung bieten, wie es Energie 360° in den neuen Fernwärmegebieten der Stadt Zürich ermöglicht. Eventuell ist es aber auch sinnvoll zum letzten Mal eine Heizung mit fossilem Energieträger zu wählen, bevor der Anschluss ans Fernwärmenetz möglich wird. Allerdings ist das ohne zusätzliche Investitionen in Energieeffizienz oder erneuerbare Energien nur möglich, solange die MuKEn 2014 noch nicht ins kantonale Energiegesetz eingeflossen sind. Im Kanton Zürich steht zur Diskussion, Ausnahmen zu ermöglichen, sofern es sich bei der fossilen Heizung um eine Übergangslösung handelt und ein Vorvertrag für die Fernwärmelieferung unterzeichnet wird.

Energiezukunft mit Energie 360°

 

Wann raten Sie eher zu einer anderen Lösung als Fernwärme?

Eintrittshürde kann die hohe Anschlussgebühr darstellen, wenn das Gebäude eine kleine Anschlussleistung hat und weit entfernt von einer bestehenden Erschliessungsleitung liegt. Denn die Kosten für den Leitungsbau fallen dann vergleichsweise hoch aus. Doch selbst in diesem Fall empfehle ich, beim Betreiber des Energieverbundes zumindest eine Offerte einzuholen. In der Stadt Zürich bieten wir Gemeinschaftsanschlüsse an, bei denen die Anschlussgebühr zu Gunsten eines jährlichen Grundpreises entfällt. Dabei werden alle Liegenschaften im Gebäudeblock über eine gemeinsame Trasse erschlossen.

 

Wie schneidet Fernwärme im Vergleich mit anderen Heizsystemen bei den Gesamtkosten ab?

Bei einem fairen Vergleich ist Fernwärme preislich voll konkurrenzfähig. Was bedeutet «fair»? Es genügt nicht, bei den verschiedenen Heizsystemen nur die einmaligen Investitionen und die Energiekosten anzuschauen. Bei dieser Betrachtung erscheint eine Heizung mit fossilem Energieträger günstiger. Doch bei Fernwärme ist der Leistungsumfang meist viel grösser als bei einer üblichen Zentralheizung. Die Kundinnen und Kunden erhalten ein Rundum-sorglos-Paket ohne Risiko von Ausfällen und unerwarteten Ersatzinvestitionen. Viele Betreiber von Energieverbünden bieten sogar einen 24-Stunden-Pikettdienst. Nicht zuletzt ist Fernwärme zukunftssicher: Selbst bei einer weiteren Verschärfung der Energiegesetze erfüllt sie die Vorgaben, was sich für Heizungen mit fossilem Brennstoff nicht voraussagen lässt.

 

Wie sollen Hauseigentümerinnen und -eigentümer vorgehen, die sich für diese Standardlösung interessieren?

In der Stadt Zürich können sie sich über die interaktive Plattform Energis informieren, ob und wann sich ihre Liegenschaft mit Fernwärme versorgen lässt. Wenn das Gebäude in einem Grundwassergebiet liegt und rundherum genügend Platz für Grundwasserfassungen besteht, kann die Eigentümerin oder der Eigentümer uns kontaktieren. Wir prüfen dann, ob sich gemeinsam mit den Nachbarn ein Verbund entwickeln lässt. So wird möglicherweise eine ökologische Energielösung realisierbar, die für ein Gebäude allein nicht umzusetzen wäre. Auch ausserhalb der Stadt Zürich erstellen wir Energieverbünde auf Basis erneuerbarer Energien. Dabei arbeiten wir eng mit der jeweiligen Gemeinde zusammen.

 

Wie geschieht der Fernwärmeausbau in der Stadt Zürich?

Die Stimmberechtigten haben sich in letzter Zeit gleich zweimal dafür ausgesprochen: Im September 2018 stimmten sie einem Kredit für die Erweiterung der bestehenden Fernwärmeversorgung zu, im Februar 2019 einem Kredit für den neuen Energieverbund Altstetten und Höngg-West, der Energie vom Klärwerk Werdhölzli nutzen wird. Somit wachsen die Wärmenetze in der Stadt grossflächig – eine Aufgabe, welche die vereinten Kräfte der städtischen Energieversorgungsunternehmen erfordert. Die Erschliessungsplanung von ERZ Entsorgung + Recycling Zürich sieht den kontinuierlichen Ausbau der Fernwärme über die nächsten 20 Jahre vor. In engem Austausch mit ERZ und abgestimmt auf die Ausbauetappen der Fernwärmeleitungen entwickeln wir Gemeinschaftsanschlüsse. Die bisherigen Anfragen bei Hauseigentümerinnen und -eigentümern zeigen: Das Interesse an Fernwärme als zukunftssichere Energielösung ist gross.

Weiterführende Links zum Thema MuKEn finden Sie auch in weiteren Artikeln in unserem Magazin oder auf unserer Webseite:

Mehr über die Umsetzung der MuKEn 2014 erfahren

Standardlösungen der MuKEn 2014 kennenlernen

Fernwärmelösung von ERZ und Energie 360° in der Stadt Zürich kennenlernen

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