Wie man eine Gasleitung zügelt

Felix Ehnert verlegt mit seinem Team die Gasleitung zur Kantonsschule Limmattal in Urdorf. Wir haben den Netzmeister Fernwärme und Gas bei Energie 360° auf der Baustelle besucht.

Felix Ehnert steht mit weissem Schutzhelm und gelber Leuchtweste auf einer sonnigen Baustelle.

Gleich neben der Kantonsschule Limmattal in Urdorf ist ein grossflächiges Areal abgesperrt. Maschinenlärm dröhnt uns entgegen, als uns Felix Ehnert mit Schutzhelm und Leuchtweste begrüsst. Der 30-Jährige ist Netzmeister für Fernwärme und Gas bei Energie 360°. In seinem sächsischen Dialekt, in den sich ab und zu ein züridütsches Wort einschleicht, führt er uns durch die Baustelle. Vorbei an Bauarbeitern, die mit schweren Baggern manövrieren, Erde mit riesigen Lastern abtransportieren und ohrenbetäubend hämmern.

 

«Bis vor zwei Wochen stand hier noch eine Tiefgarage, jetzt kommen neue Blöcke hin», sagt Ehnert, und zeigt zur Mitte der Baustelle. Doch die bestehende Leitung, welche die Kantonsschule nebenan mit Gas versorgt, ist zu nah an den geplanten Gebäuden. Deshalb ist Ehnert mit seinem Team hier. Sie sollen die Leitung neu verlegen. Das heisst: Graben ausheben, neue Leitung am Rand des Grundstücks verlegen und an einer geeigneten Stelle mit der bestehenden verbinden. Die nicht mehr benötigten Rohre lassen die Bauarbeiter im Boden. Denn möglicherweise kann man sie in Zukunft noch einmal benutzen.

 

Drei Bauarbeiter besprechen einen Bauplan in der Baugrube.

Felix Ehnert und sein Team besprechen, wo genau die Gasleitung verlaufen soll. Alle Bilder wurden unter Einhaltung der Covid-Schutzkonzepte aufgenommen.

Brandschutzanzüge zur Sicherheit

Zwei Männer mit Schutzhelm und Schweissermaske schweissen eine Gasleitung.

Die Fachleute, die an den Gasleitungen schweissen, haben teilweise eine spezielle Ausbildung für spezifische Schweissverfahren.

Ehnert führt uns zu einer schmalen, etwa einen Meter tiefen Baugrube an einer Ecke der Baustelle. Darin liegen Rohre, ordentlich nummeriert. Der Stromgenerator dröhnt, Dieselgeruch liegt in der Luft. Am Ende der freigelegten Leitung schweissen Männer mit Schweissermaske zwei Rohre aneinander. Wenige Zentimeter daneben verläuft die bestehende Gasleitung, durch die noch immer Gas strömt. Eine Gefahr stellen die nahen Schweissarbeiten laut Felix Ehnert nicht dar.

Aber: «Wenn wir an Leitungen arbeiten, die sich in Betrieb befinden, kann es schon gefährlich werden», bekennt der Netzmeister. «Doch selbstverständlich treffen wir alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen. Zum Beispiel tragen die involvierten Fachleute dann Brandschutzanzüge.» Ehnert hat bei einem früheren Einsatz eine Verpuffung an einer Gasleitung erlebt. «Glücklicherweise hatten die Arbeiterinnen und Arbeiter den Graben bereits verlassen und niemand wurde verletzt.»

 

In wenigen Tagen werden die Spezialistinnen und Spezialisten hier das Gas mit einer Art Ballon, im Fachjargon Zweifachblasensetzgerät genannt, blockieren und die Leitung mit dem neuen Rohrabschnitt verbinden. Eine Handvoll Rohrnetzmonteurinnen und -monteure sind in Urdorf am Werk. Teilweise haben sie eine spezielle Schweisserausbildung. Auch Felix Ehnert war ursprünglich einmal Rohrbauer.

 

Netzmeister Fernwärme und Gas Felix Ehnert mit weissem Schutzhelm und gelber Leuchtweste auf der Baustelle.

Felix Ehnert ist Netzmeister Fernwärme und Gas bei Energie 360°. Als Fernwärmebotschafter setzt er in der ganzen Schweiz Fernwärmeprojekte um.

 

Felix Ehnert, was macht ein Netzmeister überhaupt?

«Mein Team und ich verlegen und unterhalten Fernwärme-, Gas- und Wasserleitungen. So sorgen wir dafür, dass die Leute ein warmes Zuhause, warme Büros oder warme Läden haben. Meine Aufgabe besteht vor allem in der Koordination und Planung. Ich bin dafür verantwortlich, dass genügend Leute auf der Baustelle zur Verfügung stehen und dass sie das notwendige Material mitnehmen. Doch ich packe auch selbst an – gerade bei Fernwärmeprojekten, denn das ist genau mein Metier.»

 

Wie man Netzmeister wird

Seine Ausbildung zum Rohrleitungsbauer absolvierte Ehnert in Frankfurt am Main. Nach einem Abstecher in eine kleinere deutsche Gemeinde suchte er wieder Arbeit in einer Stadt. «Ich wollte wieder grosse Projekte umsetzen, anstatt kleine Röhrli zu verlegen», so der Netzmeister. 2015 fand er zu Energie 360°. Für die berufsbegleitende Weiterbildung zum Netzmeister Fernwärme pendelte Ehnert während 1,5 Jahren im Zweiwochentakt zwischen dem sächsischen Dresden und Zürich. Das sind mehr als 700 Kilometer pro Weg. Denn den Lehrgang gibt es in der Schweiz nicht. Heute treibt er die Transformation von Energie 360° hin zu Fernwärmelösungen voran. Ehnert schult Personal und ist Prüfungsexperte beim Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches SVGW.

 

Ein Bauarbeiter arbeitet an der Werkbank auf der Ladefläche eines Transporters.

Der Transporter ist für die Bauarbeiter nicht nur Lastfahrzeug und Materiallager, sondern auch eine Werkstatt.

Neben der Baugrube steht ein weisser Transporter, vollgepackt mit Werkzeug, Schläuchen, Gasflaschen, Messinstrumenten, einer Werkbank und weiterer Ausrüstung. Am Wasserkanister, der an der Hecktür montiert ist, wäscht sich ein Arbeiter die Hände. Es herrscht Hochbetrieb. Auch Felix Ehnert war diesen Sommer mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit auf der Baustelle. «Im Winter gefriert der Boden, und der Schnee erschwert uns die Arbeit zusätzlich. Deshalb erledigen wir alles, was geht, im Sommer.» Wenn es kalt wird, ist Ehnert vermehrt im Büro und kümmert sich um administrative Arbeiten.

 

Mit der Zeit gehen

Als wir die neue Gasleitung inspizieren, schwärmt Netzmeister Ehnert über seine Arbeitgeberin: «Ich bin sehr froh, dass mich Energie 360° fördert und den Mitarbeitenden Fortbildungen ermöglicht. Das Unternehmen schaut nach vorne und entwickelt sich.» Sichtbar wird das unter anderem in Ehnerts Engagement als Fernwärmebotschafter. Nicht nur im Raum Zürich, sondern auch in Wohlen bei Bern oder in La Punt hat er mit Energie 360° schon Fernwärmeprojekte umgesetzt. «Energie 360° ist tatsächlich eine treibende Kraft in der Schweiz, wenn es um Fernwärme geht.»

Wir verabschieden uns von Felix Ehnert. Fünf Tage ist er mit seiner Mannschaft hier in Urdorf, danach steht bereits das nächste Bauprojekt an. Viel Zeit bleibt nicht mehr: Im November endet die Bausaison und Ehnert muss wieder zurück ins Büro.

 

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