«Auch künftige Generationen sollen vom See leben können»

Sämi Weidmann ist einer der letzten Berufsfischer am Zürichsee. Im Interview spricht er über Nachhaltigkeit, Verantwortung und die Sorge zu unserer Umwelt.

Portrait von Sämi Weidmann, Fischer am Zürichsee

Sie sind einer der letzten Berufsfischer am Zürichsee. Welches sind heute die grössten Herausforderungen für ein heimisches Fischereiunternehmen?

Tendenziell sinken die Fangerträge – und das bei steigenden Kosten. Hinzu kommen zahlreiche behördliche Auflagen. Berufsfischer müssen heute Wege finden, um zu überleben. Der massenhafte Import von billigem Fisch ist natürlich keine gefreute Sache. Ich bin der Meinung, dass es hier striktere Regeln geben sollte. So sollte der Fisch ein bestimmtes Alter haben, um die Bestände nicht zu gefährden. An solche Vorschriften halten wir uns in der Schweiz, und das macht unseren Fisch natürlich teurer. Wir überzeugen aber mit Qualität: Die Fische sind frisch, regional, saisonal und nachhaltig.

 

Eine Familiengeschichte

Sämi Weidmann (40) ist Berufsfischer am Zürichsee in vierter Generation. Schon als kleiner Junge begleitete er seinen Vater und Grossvater auf den See. Anfang 20 entschied er sich, in die Stapfen seiner Vorfahren zu treten und absolvierte die Ausbildung zum Fischwirt in Starnberg (D). Seine Frau Sina verantwortet seit letztem Jahr den Verkauf im Geschäft in Stäfa, sein Vater unterstützt ihn beim Fang und bei der Verarbeitung.

 

Welche Massnahmen sind nötig, damit Fischen nachhaltig ist?

Es gibt sehr viele Vorschriften wie Schonzeiten oder die Anzahl Netze, die wir auslegen dürfen. Es wäre ein Leichtes, den See innerhalb kurzer Zeit leer zu fischen. Mit den verbotenen Schleppnetzen hätten wir viel grössere Erträge – danach aber gar keine mehr. Und das ist ja nicht das Ziel. Ich führe den Betrieb in der vierten Generation. Es wäre schön, wenn auch unsere Kinder noch von der Fischerei leben und Konsumentinnen und Konsumenten mit einheimischem Fisch versorgen könnten.

 

Wie steht es um die Sauberkeit des Sees? Es verheddern sich immer öfter Plastikabfälle im Netz, vor allem in Ufernähe.

Es gibt zwar Abfalleimer, aber wenn diese voll sind, deponieren viele ihren Güsel daneben. Da reicht ein Windstoss, und alles landet im Wasser. Es dünkt mich etwas paradox, dass man immer die sauberen Schweizer Gewässer lobt. Denn

sie sind mit Abfall belastet – auch mit unsichtbarem: Wasser löst aus Kunststoffen einzelne Bestandteile heraus. Daraus entstehen chemische Verbindungen, von denen wir gar nicht immer wissen, was sie bewirken. Die Zunahme an Plastik im Wasser macht mir Sorgen. Deshalb mache ich auf das Littering aufmerksam.

 

Fischer Sämi Weidmann hantiert auf dem Zürichsee mit seinem Netz

Nachhaltigkeit geht vor: Sämi Weidmann fischt ohne Schleppnetze.

Was bedeutet Ihnen der See als Privatperson?

Sehr viel, er ist meine Lebensader! Natürlich generiere ich durchs Fischen das Einkommen für mich und meine Familie. Der See ist aber auch ein Kraftort, an dem ich gerne meine Freizeit verbringe.

 

Berufsfischer auf dem Zürichsee

Sämi Weidmanns Arbeitstag beginnt früh morgens. Wir haben ihn auf den See begleitet. Lesen Sie unsere Reportage und erfahren Sie mehr über den Alltag eines Berufsfischers.

Mit Sämi auf den Zürichsee

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