«Die grosse Hingabe beeindruckt mich»

Fredy Jorns (66) ist seit September 2019 Stiftungsratspräsident des Sozialwerks Pfarrer Sieber. Zuvor war er 22 Jahre lang Direktor der Diakonie Bethanien. Der gelernte Maschinenmechaniker hat nach seiner Lehre Theologie an der Hochschule Reutlingen in Deutschland studiert. Im Interview spricht er über Wärme, Wertschätzung und die Motivation für sein ehrenamtliches Engagement.

Fredy Jorns, was bedeutet Wärme für Sie?

Wohlbehagen und Lebensqualität – zwei Dinge, die den Obdachlosen im Winter besonders fehlen. Im Pfuusbus erhalten sie nicht nur einen warmen Platz zum Schlafen und warme Mahlzeiten, sondern auch menschliche Wärme von den Mitarbeitenden und Freiwilligen.

Fredy Jorns

Fredy Jorns führt Pfarrer Siebers Vermächtnis weiter.

 

Sie haben mittlerweile alle Einrichtungen der Stiftung Pfarrer Sieber besucht. Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Die grosse Hingabe und Liebe der Mitarbeitenden und Freiwilligen gegenüber den Hilfesuchenden. Sie haben die Begabung, diese Menschen zu begleiten und zu verstehen. Dadurch begegnen sich die Gesprächspartner auf Augenhöhe.

Was bekommen die Mitarbeitenden und Freiwilligen dafür von den Notleidenden zurück?

Dankbarkeit dafür, akzeptiert zu werden. Und viele schätzen die Wärme, die sie von den Menschen erhalten.

Was wünschen Sie sich von der Gesellschaft im Umgang mit Hilfesuchenden?

Ich denke, ein solcher Wunsch lässt sich nicht auf eine Allgemeinheit beziehen. Aber die vielen Spenden, die wir erhalten, bringen eine grosse Zuneigung und Wertschätzung zum Ausdruck. Gerade von Menschen, die sich nicht getrauen, selbst aktiv zu werden, sich aber dennoch in der Verantwortung sehen, dass es allen gut geht.

Was motiviert Sie, sich ehrenamtlich als Stiftungsratspräsident zu engagieren?

Ich beschäftige mich schon viele Jahre mit der Betreuung und Begleitung von hilfesuchenden Menschen. Diese Erfahrungen – gepaart mit meiner wirtschaftlichen und theologischen Ausbildung – kann ich in meiner neuen Funktion einbringen und weitergeben.

Welches Projekt wird Sie nun besonders beschäftigen?

Die reformierte Kirche der Stadt baut in Zürich Affoltern das Pfarrer-Sieber-Huus. Wir werden dort als Hauptmieterin ein­ziehen, unter anderem mit dem Fachspital Sune-Egge, da die momentane Lösung infrastrukturell für ein Spital eher unge­eignet ist. Im Sune-Egge betreuen wir beispielsweise Erwachsene aus dem Sucht- und Obdachlosenmilieu. Die Begleitung dieses Bauprojekts beschäftigt mich momentan sehr – das bleibt auch noch bis zur Fertigstellung so.

Wärme an kalten Wintertagen

Der Pfuusbus der Sozialwerke Pfarrer Sieber wird mit einer mobilen Holzpellet-Heizung beheizt. Energie 360° spendet dafür seit 2016 die Holzpellets – und damit Wärme in kalten Wintertagen.

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