Mit E-Mobilität auf der Erfolgsspur

E-Autos erobern die Strassen und füllen die Garagen. Schon heute fährt und tankt jeder vierte Neuwagen in der Schweiz elektrisch – 2030 sollen es über 90% werden. Eine Frau, die diesen Megatrend seit fünf Jahren bei Energie 360° vorantreibt, ist Michèle Bolle.

Produktmanagerin Mobilität Michèle Bolle von Energie 360°.

Hallo Michèle, du bist Produktmanagerin für den Bereich Mobilität bei Energie 360°. Wie beschreibst du deinen Job?

Ich trage die Verantwortung für unser Produkt charge@immo, das privates Laden von E-Autos in Wohnimmobilien, Arealen und Quartieren ermöglicht. Daneben bietet Energie 360° E-Auto-Ladelösungen auch für Arbeitsplätze, Flotten und öffentliche Standorte an. Mein Job ist es, das Produkt charge@immo so zu optimieren, dass es wettbewerbsfähig und kundenzentriert bleibt.

 

Wie machst du das?

Grundsätzlich geht es darum, die Kundenbedürfnisse wahrzunehmen und zu versuchen, sie besser zu verstehen. Da sich die Bedürfnisse unserer Kund*innen ändern, ist es für uns zentral, die bestmöglichen Produkte anzubieten und diese kontinuierlich anzupassen und weiterzuentwickeln. Deshalb ist in unserem Job das direkte Feedback unserer Kundschaft entscheidend. Ich stehe in stetigem Austausch mit unserem Kundenservice, dem Verkauf und der Projektleitung, um die Bedürfnisse unserer Endkund*innen und geschäftlichen Kund*innen, also etwa Verwaltungen oder Immobilieninvestor*innen, abzuholen. Daneben führen wir auch Marktanalysen nichteigener Produkte oder Dienstleistungen durch, um charge@immo noch attraktiver zu machen.

 

Michèle Bolle steht mit einem Kollegen an einer Wallbox.

Michèle Bolle hat Geografie studiert und ist über ein Praktikum zu Energie 360° gestossen.

Kannst du uns dazu ein konkretes Beispiel nennen?

Wir haben im Herbst 2022 ein Online-Tool für Mieter*innen lanciert, die in Immobilien mit charge@immo wohnen. Das Tool automatisiert die Anmeldung und gibt alle wichtigen Informationen zur Ladelösung – angepasst auf die jeweilige Immobilie. Das ist sehr gut angekommen, sowohl bei den Mieter*innen als auch bei den Verwaltungen. Wir optimieren charge@immo aber auch intern, indem wir die Prozesse vereinfachen und stets neue Soft- und Hardware evaluieren.

 

Wir befinden uns mitten in einer fortlaufenden Transformation. Das mitzuerleben, ist sehr spannend.

Michèle Bolle, Produktmanagerin bei Energie 360°

 

Was sind Herausforderungen in deinem Job?

Als Produktmanagerin stehe ich zwischen allen Anspruchsgruppen: Geschäftskund*innen, Privatkund*innen, den eigenen Kolleg*innen und Partnerunternehmen. Alle haben ihre eigenen Wünsche, Vorstellungen und Bedürfnisse. Diese zu koordinieren und in Einklang zu bringen, ist manchmal nicht so einfach, macht mir aber viel Spass. Weil die Elektromobilität ein schnell wachsender Markt in unserer Gesellschaft ist, hat jede getroffene Entscheidung einen grossen Einfluss auf die Geschäftsentwicklung.

 

Wie gehst du damit um?

Ich sehe diese Herausforderungen sehr positiv. Sie inspirieren mich, in neue Richtungen zu denken und aus meiner Komfortzone herauszugehen. Sie erfordern, dass viele Personen zusammen an einem Strang ziehen, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Ich bin eine Teamplayerin und arbeite gerne mit Menschen zusammen. Also passt diese aktive Position als Produktmanagerin perfekt zu mir. Ich mag es, dass so viele Personen aus unterschiedlichen Interessensgruppen in den Job hineinspielen, weil dadurch auch verschiedene Sichtweisen zusammenkommen. Es ist oft zielführender, drei Perspektiven von drei Menschen zu erhalten, die unterschiedliche Dinge tun, als von dreien, die alle den gleichen Hintergrund haben. Diese Zusammenarbeit macht den Alltag vielseitig und motiviert mich jeden Tag neu.

 

Du bist seit fünf Jahren bei Energie 360°. Wie hat sich deine Arbeit seitdem verändert?

Die Elektromobilität ist ein schnell wachsender Markt, für den es noch keine jahrzehntealten Erfahrungswerte gibt. Als ich vor fünf Jahren bei Energie 360° angefangen habe, waren Ladestationen für E-Autos in Garagen von Wohnimmobilien noch eine Seltenheit und wir mussten viel ausprobieren, um den Markt und die Bedürfnisse im Detail zu erfassen. Mittlerweile erwarten Mieter*innen von den Immobilienverwaltungen Ladelösungen in ihren Garagen – sie möchten heute wissen, ob ihr potenzielles neues Zuhause bereit ist, falls sie sich ein E-Auto zulegen. Hier können wir sie unterstützen und beraten.

 

Die Energiebranche ist nicht gerade für ihren hohen Frauenanteil bekannt. Warum hast du dich für Energie 360° entschieden?

Der Einstieg in die Energiebranche erfolgte bei mir eher zufällig. Ich habe während meines Masterstudiums in Geografie einen Nebenjob gesucht und durfte im Team Mobilität bei Energie 360° anfangen. Die Thematik hat mich anfangs vor allem aufgrund des Nachhaltigkeitsgedankens interessiert. Als Praktikantin in einem kleinen Team erhielt ich Einblicke in viele verschiedene Prozesse, was mir die Augen geöffnet und meinen Horizont erweitert hat.

 

Michèle Bolle und Franziska Küsener stehen an einem Pult und unterhalten sich.

Als Produktmanagerin bringt Michèle Bolle die Wünsche, Vorstellungen und Bedürfnisse verschiedener Anspruchsgruppen zusammen.

Wie ist es, als Frau bei Energie 360° zu arbeiten?

Grossartig. Wir sind ein super Team mit tollen Persönlichkeiten, die sich alle gegenseitig unterstützen. In unserem Bereich arbeiten mehr Männer als Frauen, was aber nie ein Thema ist – auch für die anderen Frauen nicht. Viel wichtiger ist es, sich mit den Kolleg*innen zu verstehen und eine gute Zusammenarbeit anzustreben. Das funktioniert bei uns.

 

Spielt das Geschlecht in deinem Beruf eine Rolle?

Nein, überhaupt nicht – wieso sollte es auch? Wir alle haben verschiedene Hintergründe und Erfahrungen sowie Fachkenntnisse aus unterschiedlichen Branchen, die wir gerne miteinander teilen.

 

Warum ist der Frauenanteil in der Energiebranche dennoch so niedrig?

Ich glaube, die Energiebranche ist ein Interessensgebiet, das tendenziell mehr Männer als Frauen anzieht. Wenn man sich für ein Gebiet interessiert, in dem das andere Geschlecht stärker vertreten ist, kann ich mir vorstellen, dass es eventuell hemmend für die eigene Berufswahl oder Bewerbung um eine Position ist. Es wäre schön, wenn man diese Hemmungen abbauen könnte – gerade bei jungen Menschen. Möglicherweise spielt aber auch die völlig unbegründete Angst vor dem Technischen hinein. Junge Menschen sollten keine Angst davor haben, in einem Gebiet noch kein Profi zu sein. Wir sollten Branchenneulinge noch stärker ermutigen und noch offener kommunizieren, dass es keine Voraussetzung für eine Anstellung in der Energiebranche ist, alles zu verstehen. Tatsächlich ist die Branche nicht sehr technikfokussiert. Ich selbst habe Geografie studiert, hatte also auch keinen Energiehintergrund – und bin dennoch eingestellt worden.

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