Immer beliebter: Elektro- und Erdgas-Fahrzeuge legen auch im Ausland zu

Autohersteller, Autohändler, Autofahrer – sie alle fragen sich: Wann gewinnen die alternativen Antriebssysteme die Oberhand? Klar ist: Die Absätze nehmen stetig zu. Eine Übersicht, welche alternativen Antriebe international bereits für Furore sorgen.

Europa: Die «Alternativen» wachsen schneller als der Markt

Die Vereinigung der Europäischen Fahrzeugbauer ACEA will es genau wissen. Jedes Quartal zählt sie, wie viele Neuwagen insgesamt in Europa registriert worden sind. Unter anderem weist die Erhebung auch die Registrierungen nach unterschiedlichen Antriebssystemen aus – also die Zu- und Abnahme von Elektrofahrzeugen, Hybridfahrzeugen, Erdgas/Biogas- und Flüssiggas-Fahrzeugen. Der Blick in die Statistik – die ACEA nennt die Fahrzeuge «alternative fuel vehicles», also «Fahrzeuge mit alternativem Treibstoff» – zeigt: Gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat die Registrierung im EU- und EFTA-Raum im ersten Quartal 2016 um 11% zugenommen.

Registriert wurden im EU-Raum rund 177 000 solcher Fahrzeuge. Am beliebtesten waren die Hybridfahrzeuge mit rund 75 000 registrierten Einheiten, gefolgt von Elektro- und Gasautos mit je rund 50 000.

Richtig aussagekräftig sind diese Zahlen natürlich nur, wenn man sie mit dem gesamten Volumen vergleicht. Im ersten Quartal 2016 wurden in Europa insgesamt rund 1 745 000 Neuwagen registriert, das ist ein Plus von 6%. Es lässt sich also sagen: Die Zunahme der registrierten Fahrzeuge mit alternativen Antrieben ist fast doppelt so hoch wie die des Gesamtmarkts – allerdings bei einem Marktanteil von lediglich 10%.

Mobilität_Italien

In Italien haben Ergdasautos für europäische Verhältnisse eine kolossale Verbreitung. Das Land ist mit über 900 000 Fahrzeugen europäischer Spitzenreiter (Zenobillis,Shutterstock.com).

Italien – das Land der Gasfahrzeuge
Italien ist das europäische «Mutterland» von Fahrzeugen mit Gasantrieb. Unser südlicher Nachbar besitzt eigene Erdgas-Vorkommen, welche die Regierung bereits früh im letzten Jahrhundert erschlossen hat. Noch in den 1960er Jahren war das Land der grösste Produzent von Erdgas im westeuropäischen Raum. Die ersten grossen Vorkommen wurden in der Po-Ebene entdeckt; die Tankinfrastruktur für Fahrzeuge mit Erdgas-Antrieb ist dort entsprechend gut ausgebaut.

Weit verbreitet ist das so genannte Flüssiggas LPG (Liquid Petroleum Gas), das die Italiener gerne auch einfach «Autogas» nennen und das an rund 3500 Tankstellen verfügbar ist. Weniger zahlreich sind Erdgas/Biogas-Tankstellen mit rund 1324 Zapfsäulen. Mittlerweile sind in Italien bereits über 900 000 Erdgas-Fahrzeuge unterwegs Allein 2013 verzeichneten die von den Italienern auch Metano-Fahrzeuge genannten Automobile einen Zulassungsanstieg von 25%.

Mobilität_China

Unerbittliche Blechlawine: In China werden noch in diesem Jahrzehnt auch die weltweit meisten Erdgas-Fahrzeuge verkehren (Hung-Chung-Chih, Shutterstock.com).

In China sind fast vier Millionen Erdgas/Biogas-Fahrzeuge unterwegs

Wie unterschiedlich stark verbreitet Erdgas/Biogas-Fahrzeuge auf der Welt sind, zeigt die aktuelle Statistik der NGV Communications Group.

Auf Chinas Strassen beispielsweise fahren fast vier Millionen Erdgas/Biogas-Fahrzeuge. Das Land hat rund 6500 Tankstellen und fast 3000 weitere sind im Bau oder projektiert. Doch nicht nur Erdgas-Fahrzeuge boomen im Land der Mitte. China ist 2015 zum grössten Absatzmarkt für Elektrofahrzeuge aufgestiegen: Fast 190 000 Fahrzeuge mit Stecker wurden dort verkauft (+220% gegenüber Vorjahr). Besonders spannend: Unter den zehn meistverkauften Elektrofahrzeugen des Jahres 2015 finden sich vier aus chinesischer Herstellung – und zwar nicht von den üblichen Joint Ventures mit Volkswagen, General Motors und Co., sondern von Start-ups mit exotischen Namen wie BYD, Kandi oder Zotye. Für Fahrzeuge mit alternativen Antriebssystemen mutiert das Land der Mitte definitiv zum neuen Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Auf der Rangliste der Länder, in denen Erdgas/Biogas-Fahrzeuge überdurchschnittlich beliebt sind, findet man einige überraschende Namen. Die Schweiz mit rund 11 500 Fahrzeugen ist allerdings nicht auf dieser Rangliste (bei knapp vier Millionen registrierten Personenwagen liegt der Marktanteil unter 1%); ebenso wenig Deutschland mit knapp 100 000 Fahrzeugen. In Argentinien hingegen fahren fast 2,5 Millionen Erdgas/Biogas-Fahrzeuge herum, in Brasilien sind es rund 1,8 Millionen. Vor allem bei Taxis und in Grossstädten sind Erdgas/Biogas-Fahrzeuge verbreitet. Am meisten findet man im Iran mit etwas über 4 Millionen – den Spitzenplatz wird China aber noch in diesem Jahrzehnt für sich beanspruchen. Ebenfalls sehr beliebt sind Gasfahrzeuge in Pakistan (3,7 Millionen Fahrzeuge). Damit positioniert sich das Land unmittelbar hinter dem Iran und China an dritter Stelle. Total sind weltweit rund 22,5 Millionen Erdgas/Biogas-Fahrzeuge unterwegs.

E360_Diagramm_ErdBiogasFZ

Stabdiagramm mit den Ländern Iran, China, Pakistan, Indien, D und CH

Anzahl registrierte Erdgas/Biogas-Fahrzeuge

Iran: 4,0 Mio. (abgerundet)

China: 4,0 Mio. (aufgerundet)

Pakistan: 3,7 Mio.

Indien: 1,8 Mio.

Deutschland: 0,1 Mio.

Schweiz: 0,01 Mio.

Mobilität_Norwegen

In Norwegen fährt jeder vierte Neuwagen mit Elektroantrieb (Tupungato, Shutterstock.com).

Norwegen fördert gezielt Elektrofahrzeuge

Die grösste Hürde, in ein Fahrzeug mit alternativem Antrieb zu investieren, ist der hohe Anschaffungspreis – bei reinen Elektrofahrzeugen zusätzlich die geringere Reichweite und die (noch) tiefe Anzahl an Ladestationen.

Länder, die den CO2-Ausstoss ihrer Bewohner reduzieren wollen, müssen hier lenkend eingreifen. Am konsequentesten handelt Norwegen, das Elektrofahrzeuge gezielt fördert und jedes Jahr geschätzte 420 Millionen Euro dafür investiert. Das Geld fliesst beispielsweise in Steuerbegünstigungen beim Neukauf. Hat man das Fahrzeug einmal erworben, profitiert man von Mautbefreiungen auf diversen Brücken, Tunneln und Strassen wie vom Privileg zur Benutzung der Busspuren und so weiter.

Der Erfolg ist messbar: In Norwegen wird jedes vierte neugekaufte Fahrzeug mit Strom betrieben. Allein 2014 wurden im Fünf-Millionen-Einwohner-Land fast 18 000 Elektrofahrzeuge verkauft. Zum Vergleich: In Österreich etwa kauften die Bewohner 2015 gerade mal 1677 reine Elektrofahrzeuge – ein Marktanteil von 0,5% (Statistik Austria).

Offenbar ist die Regierung Norwegens selbst überrascht vom Erfolg ihres Lenkungsprogramms. Ein Teil der Privilegien – etwa die Befreiung von der Motorfahrzeugsteuer – soll bis 2020 wieder wegfallen. Und das Benutzen der Bus-und Taxispuren sollen künftig die Gemeinden regeln. In Oslo etwa, wo besonders viele E-Autos verkehren, behindern diese bereits das Vorankommen der Ortsbusse.

Trotzdem hält Norwegen grundsätzlich an der Förderung von Elektrofahrzeugen fest. Ab 2025 sollen alle neu zugelassenen Fahrzeuge – auch Busse und leichte Nutzfahrzeuge – emissionsfrei sein. Ab 2030 sollen drei Viertel der neuen Fernbusse sowie die Hälfte der schweren Lkw keinen Verbrennungsmotor mehr haben. Im Jahr 2050 soll der gesamte Verkehr – und dazu gehören nach der norwegischen Idee unter anderem auch Schiffe und Flugzeuge – klimaneutral und emissionsfrei sein. Das jedenfalls sieht der im Mai 2016 vorgestellte «National Transit Plan» für die Jahre 2018 bis 2029 vor. Das Parlament muss dem Vorhaben erst noch zustimmen, aber die Chancen stehen gut.

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In Taipeh kämpft E-Roller-Hersteller Gogoro mit offenem Visier gegen die traditionell fossil angetriebenen Roller (Ronnie-Chua,Shutterstock.com).

Taiwan: Kommen die Elektro-Roller doch noch?

Aufgrund der Bevölkerungsdichte und seiner grossen Städte wäre Taiwan prädestiniert für Elektrofahrzeuge. Das gilt speziell für zweirädrige, denn annähernd zwei Drittel der 22 Millionen Motorfahrzeuge im asiatischen Inselstaat sind Motorräder und Roller. Schon vor mehr als 30 Jahren begann in Taiwan – staatlich verordnet – die Entwicklungs- und Förderungsarbeit, damit in den Städten dereinst umweltfreundlichere Roller verkehren. Bis jetzt ohne Erfolg. Statistiken zeigen, dass zwischen 2009 und 2013 jährlich lediglich 32 000 E-Roller verkauft wurden, während benzinbetriebene Mopeds fast 700 000 Abnehmer im Jahr fanden.

Doch nun könnte alles anders werden. Mit dem elektrisch angetriebenen Scooter Gogoro steht erstmals ein Roller bereit, der Erfolg verspricht. Der einheimische «Tesla auf zwei Rädern» hat knapp 100 Kilometer Reichweite und überzeugt durch das unkomplizierte Aufladen der Batterie: In der Hauptstadt Taipeh können Gogoro-Fahrer an momentan 70 Stationen ihre (fast) leere Batterie innert wenigen Sekunden gegen eine volle austauschen – in den ersten zwei Jahren kostenfrei, danach gegen eine monatliche Gebühr. Wenn sich das Konzept durchsetzt, will Gogoro nicht weniger als die Welt erobern.

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Die heilige Kuh Benzinmotor soll in Indien bis 2030 ausgedient haben. (Zvonimir-Atletic, Shutterstock.com)

Ähnlich optimistisch zeigte sich kürzlich auch der indische Energieminister Piyush Goyal. Er will Indien bis 2030 zur ersten Nation machen, deren Bewohner ausschliesslich mit E-Autos unterwegs sind. Ohne Mehrkosten. Seine Idee: Das Fahrzeug bekommt der Besitzer umsonst, im Gegenzug muss er die Energiekostenersparnis in langfristigen Raten zurückzahlen. Eine Art Kredit also.

Flüssiggas und Erdgas – das ist der Unterschied

Erdgas besteht zu über 90% aus Methan und stammt aus natürlichen unterirdischen Erdgas-Vorkommen. Es ist leichter als Luft. Flüssig wird Erdgas erst bei einer Temperatur unter minus 162 Grad: Flüssigerdgas, sogenanntes Liquified Natural Gas (LNG), kann sowohl für Heiz- und Prozessenergie als auch in der Mobilität genutzt werden.

Nicht zu verwechseln ist das Flüssigerdgas LNG mit Flüssiggas LPG – auch als Autogas, Campinggas oder Propan/Butan bekannt. Dieses entsteht als Neben- oder Begleitprodukt bei der Herstellung von Benzin und Diesel aus Rohöl (Raffinierung), teilweise auch als Begleitprodukt bei der Erdgas-Förderung. Flüssiggas ist schwerer als Luft.

Gas geben und lächeln: Fahrspass im Elektroauto

 

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Comments

  1. Avatar Tobi Bütikofer sagt:

    Mein Auto hat 30 kw Akku und die Reichweite liegt im Sommer oder besser gesagt bei Aussentemperaturen von 15 ° Celsius bei je nach Fahrweise bei bis zu 250 km. Ich habe das Auto auf dem Okiano-Autoportal gekauft (https://www.okiano.ch/de/search/auto?parentCategory=38239)