Start-ups im Energiebereich: So hohe Investitionen müssen sie stemmen

Wie gross ist der Investitionsbedarf von Schweizer Start-ups im Energiebereich? Diese Frage hat die ZHAW mit einer Umfrage erforscht. Die Antwort erstaunt.

Im Mai 2019 befragte die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) 110 Schweizer Start-ups im Energiebereich, namentlich aus den Bereichen Energie und Umwelt. Die Start-ups gaben Auskunft zu ihrem Wachstum in den letzten drei Jahren, zur weiteren Entwicklung und zum Finanzbedarf in den nächsten Jahren. Rund 70 der Start-ups befinden sich in einer mittleren Entwicklungsphase, arbeiten also bereits für erste Kunden.

Schweizer Start-ups im Energiebereich

Wachstum auf Kurs

Die meisten der antwortenden Start-ups sind relativ klein und haben weniger als fünf Mitarbeitende. Nur zehn der Unternehmen beschäftigen mehr als 20 Mitarbeitende. Rund 40% der Start-ups haben sich in den letzten drei Jahren entwickelt wie erwartet. Fast 20% wachsen sogar stärker als geplant. «Diese Resultate überraschen», sagt Dr. Christina Marchand, Wissenschaftlerin an der ZHAW. «Denn es ist anspruchsvoll, die Einführung eines völlig neuen Produkts in teilweise neuen Märkten zu planen.»

40% der befragten Start-ups wachsen langsamer als angestrebt. Dafür nennen sie vier Gründe:

  • Die Start-ups haben Probleme mit der Finanzierung, weil sich der Markt langsamer entwickelt als erhofft. Die starke Regulierung im Strommarkt und die tiefen Strompreise haben in den letzten Jahren den Anreiz bei Markteilnehmern und Investoren gesenkt, in Innovationen zu investieren.
  • Häufig unterschätzen die Start-ups die Komplexität, das Geschäft aufzubauen und die Produkte zu entwickeln.
  • Oft dauert es deutlich länger als erwartet, Verträge mit Geschäftspartnern oder Kunden abzuschliessen.
  • Viele Start-ups haben Mühe, qualifizierte Mitarbeitende zu finden und zu halten, weil sie keine marktkonformen Löhne zahlen können.

Moderater Finanzbedarf

Weiter fragte die ZHAW die Start-ups nach den erforderlichen Investitionen, um die nächsten Entwicklungsschritte zu machen. Bei gut 10% der antwortenden Unternehmen reichen dafür weniger als 100’000 Franken. Rund 20% benötigen zwischen 100‘000 und 500’000 Franken. Nur 6% der Start-ups nannten einen Finanzbedarf von mehr als 5 Millionen Franken.

Der Medianwert für alle 110 Start-ups beträgt 750’000 Franken. «Dieser Finanzbedarf erscheint uns moderat, wenn man die Ergebnisse des aktuellen Swiss Venture Capital Reports von startupticker.ch anschaut», sagt Christina Marchand. «Er nennt bereits für die Seed- und Early-Stage-Investitionen einen Median von 2 Millionen Franken. Für die Later-Stage-Investitionen beträgt der Median sogar 11 Millionen Franken.»

 

Entwicklungsphase entscheidend

Die unterschiedlichen Resultate der beiden Studien lassen sich laut Christina Marchand möglicherweise mit der Entwicklungsphase der Start-ups begründen: «Vielleicht sind die von uns befragten Unternehmen zum Teil noch unreifer als die im Swiss Venture Capital Report untersuchten.»

Eine weitere Erklärung: Der Finanzbedarf der antwortenden Start-ups orientiert sich an der Realität des Energiemarkts. Durch die tiefen Energiepreise sind die Gewinnaussichten in den letzten Jahren stark geschrumpft. Entsprechend schwierig gestaltet es sich, das Kapital für grössere Investitionen zu akquirieren. Gemäss Umfrage lassen sich bei einem Finanzbedarf bis 1 Million Franken auch Schweizer Investoren finden. Bei einem höheren Betrag müssen sich die Start-ups primär im Ausland nach Partnern umsehen.

 

Smart Energy Innovationsfonds

Auch Energie 360° investiert in Start-ups aus den Bereichen Cleantech, Energie, Smart Cities und Mobilität. Denn das Unternehmen ist an Technologien und Geschäftsfeldern interessiert, die den Weg in eine nachhaltige Energiezukunft ebnen. Deshalb hat Energie 360° den Smart Energy Innovationsfonds geschaffen. Dieser beteiligt sich mit Ticketgrössen von 0,5 bis 1,5 Millionen Franken an vielversprechenden Unternehmen, die sich in der späten Seed-Phase oder der frühen Unternehmensphase befinden. Im Vorteil sind Start-ups, die bereits erste Umsätze erwirtschaftet haben oder bei denen ein Markteinstieg absehbar ist.

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Energy Start-up Day 2019

Am Energy Start-up Day präsentieren sich Schweizer Start-ups aus den Bereichen Energie und Cleantech, die nach strategischen Partnerschaften suchen. Das Ziel des jährlichen Anlasses: Er soll die Beziehungen zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen, öffentlichen Institutionen und neuen Akteuren wie Energiegenossenschaften stärken und die Zusammenarbeit fördern. Energie 360° unterstützt den Energy Start-up Day 2019 als Event Partner.

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