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Informationen zur Versorgungssicherheit und zu Gas aus Russland

Stand 4. Mai 2022

Die Gasversorgung der Schweiz ist gegenwärtig nicht beeinträchtigt. Zum heutigen Zeitpunkt ist es leider nicht möglich, sich vom russischen Gas im europäischen Gassystem zu entkoppeln. Wir empfehlen allen unseren Kundinnen und Kunden: Wer jetzt aus russischem Gas aussteigen will, sollte die Gasheizung ersetzen und auf erneuerbare Heizungslösungen umsteigen.

Die Gasversorgung der Schweiz ist gegenwärtig nicht beeinträchtigt

Der Bund bereitet sich zusammen mit der Gasbranche auf mögliche Gasversorgungsengpässe vor. Der Verband der Schweizerischen Gasindustrie VSG baut im Auftrag des Bundesrates eine besondere Krisenorganisation auf. Zudem unternimmt die Branche grosse Anstrengungen, die Versorgung im kommenden Winter 2022/23 sicherzustellen.

Lesen Sie hier die Mitteilung: Ukraine: Bundesrat verstärkt Vorbereitung auf schwere Mangellagen im Strom- und Gasbereich vom 4. Mai 2022

Die Schweiz ist sehr gut ins internationale Gasfernleitungsnetz eingebunden, was unter dem Aspekt der Versorgungssicherheit grundsätzlich eine gute Ausgangslage ist. Die Schweiz verfügt auf der Transitgasleitung seit 2017 über die Möglichkeit des Reverse-Flow. Das heisst, Gas kann nicht nur von Deutschland und Frankreich im Norden nach Italien im Süden, sondern auch in umgekehrter Richtung fliessen. Auch von Westen her aus Frankreich ist die Schweiz gut eingebunden. Im Weiteren haben Frankreich und Italien Zugang zu Flüssigerdgas (LNG). Dies eröffnet zusätzliche Möglichkeiten der Gasbeschaffung.

Das Risiko eines Stopps von russischen Gaslieferungen nach Europa kann aber nicht ganz ausgeschlossen werden. Dies zeigen die Beispiele Polen und Bulgarien, die von Russland kein Gas mehr erhalten.

Für den Fall einer Gasmangellage besteht seitens der Wirtschaftlichen Landesversorgung ein Konzept, das Massnahmen zur Nachfragereduktion vorsieht. Dazu gehören Sparapelle, die Anordnung der Umschaltung von Zweistoffanlagen sowie die Kontingentierung von grossen Gasverbrauchern.

Lesen Sie hier den Massnahmenbericht des BWL von 2019.

Zweistoffanlagen schaffen zusätzliche Stabilität

Für die Versorgungssicherheit in der Schweiz spielen die Zweistoffanlagen eine wichtige Rolle. Für Zweistoffanlagen werden in der Schweiz Erdgasersatzpflichtlager in Form von Heizöl im Umfang von rund viereinhalb Monaten des Erdgasverbrauchs dieser Anlagen gehalten. Zweistoffkunden – in der Regel Grossverbraucher – profitieren von einem tieferen Leistungspreis, sind im Gegenzug aber verpflichtet, Ölvorräte zu halten. Im Falle eines Engpasses könnten diese Zweistoffkunden von Gas auf Öl umgestellt werden, so dass mehr Gas für die übrigen Kundinnen und Kunden zur Verfügung steht. Wir empfehlen allen unseren Kundinnen und Kunden mit Zweistoffanlagen, die Heizöltanks ausreichend zu füllen.

Die Abhängigkeit von russischem Gas soll reduziert werden

Im Moment laufen in Europa intensive Bemühungen, die Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren und die Bezugsmöglichkeiten breiter abzustützen. Dabei spielt LNG eine wichtige Rolle, da auf diese Weise Gas aus unterschiedlichsten Weltregionen beschafft werden kann. Die EU verfügt über knapp 40 LNG-Terminals. Laut EU-Kommission gibt es mehrere Länder, die in der Lage wären, ihre Flüssiggaslieferungen in die EU zu erhöhen. Als Beispiel werden die USA, Katar, Aserbaidschan, Ägypten, Nigeria und Norwegen genannt.

Deutschland hat kürzlich den Bau zweier LNG-Terminals angekündigt. Im Weiteren hat der Deutsche Bundestag kürzlich ein neues Gesetz beschlossen, gemäss dem alle Gasspeicher in Deutschland bis kommenden Winter zu 80% gefüllt werden. Das Gesetz soll Anfang Mai 2022 in Kraft treten. Ähnliche Regeln gelten bereits in Frankreich und Italien. Die deutsche Bundesregierung hat aber auch festgestellt, dass Deutschland frühestens ab 2024 vollständig auf russisches Gas verzichten kann. Für die Versorgungssicherheit leistet das russische Gas im Moment noch einen wichtigen Beitrag.

Aus der Schweizer Politik werden immer wieder Forderungen laut, dass kein Gas aus Russland mehr importiert wird. Dazu ist zu sagen, dass die Schweizer Gaswirtschaft keine direkten Lieferbeziehungen zu Russland hat, sondern das Gas primär auf den Märkten in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Italien bezieht. Die Schweizer Gaswirtschaft ist bestrebt, bestehende Abhängigkeiten zu reduzieren und die Bezugsmöglichkeiten breiter abzustützen.

In der Praxis ist es aber heute noch nicht umsetzbar, auf russisches Erdgas zu verzichten, weil im Gashandel nicht deklariert wird bzw. noch kein System besteht, das zeigen kann, woher das Erdgas kommt. Anders als beim Biogas oder im Strombereich gibt es noch kein anerkanntes und umfassendes Herkunftsnachweissystem.

Wir empfehlen allen unseren Kundinnen und Kunden: Wer aus russischem Gas aussteigen will, sollte die Gasheizung ersetzen und auf erneuerbare Energieträger umsteigen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Oft bietet auch Energie 360° passende Lösungen wie Fernwärme, integrale Lösungen oder Holzpellets an.

Die Preise bewegen sich weiterhin sehr stark

Die angespannte Lage an den Märkten wird sich in nächster Zeit vor allem in hohen und volatilen Preisen bemerkbar machen. Energie 360° beobachtet die Lage weiterhin sehr genau. Wir tätigen unsere Gaseinkäufe gestaffelt und setzen dabei auf einen Mix aus verschiedenen Terminprodukten. Wir verfolgen eine stringente Beschaffungsstrategie, um Risiken zu reduzieren, falls es zu weiteren extremen Preisanstiegen kommt.

Michael Walser, Projektleiter Kommunikation und Mediensprecher bei Energie 360°
ENERGIE360-6BGUBG6ITB
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