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Wenn Recht auf Praxis trifft

Wenn es kompliziert wird, schafft Vanessa Fasciati Klarheit. Im Interview erzählt sie, warum gute Rechtsberatung nicht nur aus Gesetzesartikeln besteht und weshalb gute Verträge nicht ellenlang sein müssen.

Publiziert 08.04.2026 Lesedauer 4 min

Vanessa, du arbeitest als Legal Counsel bei Energie 360°. Was steckt alles hinter diesem Begriff?

Ich bin Unternehmensjuristin, so etwas wie die Anwältin der Firma. Die Legal-Abteilung ist der interne Rechtsdienst. Wir beraten und vertreten das Unternehmen in allen rechtlichen Angelegenheiten. Zuvor war ich als praktizierende Anwältin in einer Wirtschaftskanzlei tätig.

Wo liegt der Unterschied?

In einer Kanzlei berät man unterschiedliche Klient*innen mit ihren Wünschen und Ansprüchen. In meinem Fall war das Umfeld auch sehr international. Nun berate ich keine externen Klient*innen mehr, sondern meine Arbeitgeberin. Der grösste Unterschied dabei ist, dass ich die Unternehmenskultur kenne und mich jederzeit mit den Mitarbeitenden über die Fälle austauschen kann. Wir verfolgen zusammen ein gemeinsames Ziel.

Hat dich beim «Seitenwechsel» etwas überrascht?

Wenn man rechtliche Fragen als Unternehmensjuristin beantwortet, geschieht vieles im Team. Ich habe schnell gemerkt, dass die enge Zusammenarbeit mit den Fachleuten aus den unterschiedlichen Bereichen der Firma für meine Tätigkeit zentral ist.

Worin siehst du den Kern deiner Arbeit?

Der Kern meiner Arbeit ist die Beratung und Unterstützung in allen rechtlichen Angelegenheiten unserer Bereiche. Eine der Hauptaufgaben ist die Vertragsredaktion. Da werden die Rechte und Pflichten beider Parteien festgeschrieben. Wir haben viele Projekte mit Verträgen, die eine erhebliche finanzielle Tragweite haben. Es geht oft auch darum, nach Lösungen zu suchen, wenn man sich mit der Gegenpartei nicht einig ist.

Gibt es denn überhaupt Spielraum?

Ja. Es ist nicht immer alles schwarz oder weiss in der Juristerei. Oft führen mehrere Wege zum Ziel. Darum suchen wir im Austausch Lösungen, mit denen beide Seiten zufrieden sind.

Im Team werden rechtliche Fragen gemeinsam besprochen und Lösungen entwickelt.

Was macht für dich einen «guten» Vertrag aus?

Der Vertrag sollte auch für Nichtjurist*innen verständlich sein. Klar, es gibt gewisse Klauseln wie beispielsweise die Haftungsklausel, die für Nichtfachleute kompliziert sein kann. Aber im Grossen und Ganzen sollen alle den Inhalt verstehen können. Denn letztlich setzen unsere Mitarbeitenden und Partner*innen den Vertrag um. Dieser soll präzise, aber möglichst knapp sein. Wir wollen nichts regeln, das in der Umsetzung danach nicht realisierbar ist. Aus meiner Perspektive muss ich zudem sicherstellen, dass unsere Unternehmensinteressen am besten gewahrt sind.

Nimm uns mit in eine typische Situation: Wie gehst du vor, wenn eine Abteilung «schnell» etwas will, aber rechtlich noch Fragen offen sind?

Schnell schnell kann manchmal schwierig sein. Ich möchte mir bei meinen Rückmeldungen immer sicher sein. Am besten schauen wir das mit der zuständigen Person gemeinsam an. Wo liegen die Probleme? Was will man erreichen? Wenn es sehr schnell gehen muss, stecken wir in unserem Legal-Team die Köpfe zusammen. Wir haben einen super Austausch untereinander und Stärken und Erfahrungen in verschiedenen Bereichen. Manchmal muss man aber auch sagen, dass es länger dauert. Das rechtliche Risiko könnte zu hoch sein, um einfach auf das Tempo zu drücken.

Wie sieht es mit Druck aus?

Ich habe gelernt ruhig zu bleiben, auch wenn Zeitdruck vorhanden ist. Wichtig ist, sachlich zu agieren und sauber zu arbeiten.

Du bist zudem noch als Compliance Officer im Einsatz. Das klingt für viele nach Kontrolle. Was bedeutet das konkret?

Es ist auch ein wenig Kontrolle, aber im positiven Sinn. Ein grosser Teil dieser Funktion ist jedoch die Prävention, sodass es gar nicht erst zu einem Compliance-Fall kommt. Dazu gehören regelmässige Schulungen. Bei der Einstellung neuer Mitarbeitender halte ich zum Beispiel einen kurzen Vortrag. Ich thematisiere beispielsweise mögliche Interessenkonflikte, wenn jemand eine Funktion hat, in der die Person Aufträge an externe Firmen vergeben kann. Es geht auch um Themen wie Geschenke entgegennehmen und Bestechung. Mir fällt dazu noch eine Bezeichnung einer neuen Kollegin ein.

Erzähl bitte.

Sie verglich die Funktion mit derjenigen einer Mutter, die schaut, dass sich alle gut benehmen. Eine Mutter, die das Beste für ihre Kinder möchte. Das hat schon etwas.

  • «Es ist nicht immer alles schwarz oder weiss.»

    Vanessa Fasciati

    Legal Counsel bei Energie 360°

  • Themawechsel: Wo siehst du Hebel, um mehr Frauen für die Energiebranche zu gewinnen?

    Als ich mich für die Stelle beworben habe, war mir bewusst, dass die Mehrheit der Mitarbeitenden bei Energie 360° männlich ist. Das war für mich aber kein Hinderungsgrund, im Gegenteil. Die Mitarbeitenden schätzen unsere Legal-Abteilung, in der Frauen stark vertreten sind, sehr. Wir sind hier, um in rechtlichen Belangen zu unterstützen, und da spielt das Geschlecht keine Rolle. Hier zählen Wissen und Erfahrung.

    Welchen Rat würdest du einer Frau geben, die die gleiche Laufbahn einschlagen möchte?

    Genügend Selbstbewusstsein an den Tag legen. Gerade zu Beginn kann der Weg herausfordernd und mit Hindernissen verbunden sein. Aber das sollte kein Grund sein, an den eigenen Fähigkeiten zu zweifeln. Ich habe oft erlebt, dass Frauen trotz bester Kompetenz schneller verunsichert sind als ihre männlichen Kollegen. Deshalb mein Rat: Geht selbstbewusst an die Aufgabe und vertretet eure Argumente. Auch wenn ihr euch dabei manchmal in einem Raum voller deutlich älterer Herren wiederfindet.

    Entweder-oder-Fragen

    Notizen per Hand oder digital?

    Ich habe immer alles auf dem Laptop dabei. So besteht nicht die Gefahr, die Notizen irgendwo zu verlegen oder zu verlieren.

    Planerin oder Spontanreise?

    Spontanreise. Meine Freund*innen und mein Partner planen gerne. Das gleicht sich super aus.

    Buch oder Serie?

    Eher Buch. Ich lese mich gerade durch die Reihe «Die sieben Schwestern» und bin bei Band sechs von acht. Aber meine Arbeit ist schon sehr textlastig. Manchmal braucht es dann eine Serie zum Ausgleich.

    Podcast oder Playlist?

    Playlist. Beim Sport ist es oft Reggaeton und sonst höre ich viel italienische Musik. Auch weil ich mit dieser Sprache aufgewachsen bin.

    Süss oder salzig?

    Ohne Zweifel süss. Ich liebe Backwaren aller Art. Besonders Bergeller Marronikuchen oder Bündner Nusstorte.

    Kopf auslüften in der Natur oder Energie tanken in der Stadt?

    Am liebsten beim Joggen oder mit dem Velo in der Natur. Im Winter bin ich gerne mit den Langlaufski unterwegs.

    In welchem Moment fühlst du dich bestärkt?

    Wenn ich meinen Beitrag zur Problemlösung liefern kann. Ich bin nicht an der Front, aber mein Puzzleteil wird dennoch geschätzt und anerkannt.

    Weshalb hast du dich für Energie 360° als Arbeitgeberin entschieden?

    Mich hat das Gesamtangebot sehr angesprochen. Die Unternehmenskultur, die Mitarbeitenden und die Flexibilität schätze ich am meisten. Ich bin oftmals nicht an einen bestimmten Ort oder feste Zeiten gebunden und kann mir vieles einteilen. Ausserdem unterstützt mich Energie 360° dieses Jahr bei einer Weiterbildung. Die Position als Unternehmensjuristin hat mich schon immer gereizt. Ich wollte diese Tätigkeit für eine Firma ausführen, mit der ich mich identifizieren kann. Hier ist das definitiv der Fall. Zudem bin ich in einer «Energiefamilie» im Bündnerland aufgewachsen. Mein Vater ist in der Energiebranche tätig, hat uns oft in Kraftwerke oder zu Staumauern mitgenommen. Alles in allem kann ich überzeugt sagen: Es war die richtige Entscheidung, die Stelle anzutreten.

  • Vanessa Fasciati schätzt an ihrem Job besonders die Flexibilität: «Ich bin oftmals nicht an einen bestimmten Ort oder feste Zeiten gebunden und kann mir vieles einteilen.»

  • Als Unternehmensjuristin beantwortet Vanessa Fragen aus den unterschiedlichsten Bereichen.

  • Die enge Zusammenarbeit mit den Fachleuten aus den unterschiedlichen Bereichen der Firma ist zentral für ihre Tätigkeit.

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