Sicher versorgt: Sanierung des Leitungsnetzes in Zürcher Altstadt
Energie 360° saniert seit 2023 das Gasleitungsnetz im Zürcher Nieder- und Oberdorf. Zur Halbzeit liegt das Projekt zur Stärkung der Versorgungssicherheit auf Kurs – trotz enger Gassen, archäologischer Funde und weiterer Überraschungen.
Publiziert 19.02.2026 Lesedauer 3 minRaphael Brandner beobachtet das Treiben draussen an diesem kalten Januartag mit aufmerksamem Blick. Das Wetter zeigt sich launisch: mal Sonne, mal Regen, dazu Temperaturen im einstelligen Bereich. «Unsere Monteure trotzen den widrigsten Witterungsverhältnissen und leisten Grossartiges.» Den Respekt des Netzmeisters Bau und Instandhaltung bei Energie 360° haben sie auf sicher. Das möchte er gleich zu Beginn des Gesprächs über die Sanierung der Gasleitungen im Zürcher Nieder- und Oberdorf festhalten.
Raphael Brandner (rechts) ist im «Dörfli» regelmässig vor Ort und behält so den Überblick über das Grossprojekt.
Dem pflichtet auch Rosa Immler bei. Für die Projektleiterin Netzinfrastruktur bei Energie 360° ist dieses Grossprojekt in der historischen Altstadt in vielerlei Hinsicht anspruchsvoll: Enge Platzverhältnisse, archäologische Funde und versteckte Hausanschlüsse sind dabei nur einige Schwierigkeiten. Beide haben bereits viele Erfahrungen gesammelt. Seit Januar 2023 wird im «Dörfli» das in die Jahre gekommene Gas- – und parallel auch das Wasser- und Stromnetz – saniert und auf den neusten Stand der Technik gebracht. Insgesamt verlegt Energie 360° bis 2028 allein 6900 Meter Gasleitungen. «Wir machen das Leitungsnetz fit für eine nachhaltige Energiezukunft», erklärt Immler. Künftig sollen nämlich erneuerbare Gase zu den Kund*innen fliessen.
Intensive Kommunikation
«Wir sind auf Kurs», vermeldet Brandner zur Halbzeit zufrieden. Bei diesen Rahmenbedingungen keine Selbstverständlichkeit. Die Altstadt kann nicht einfach grossflächig abgesperrt werden. Neben den emsigen Mitarbeitenden der verschiedenen Werke auf der Baustelle bewegen sich auch Passant*innen, Anwohner*innen und Ladenbesitzer*innen auf diesem engen Raum. Die Ansprüche aller unter einen Hut zu bringen, verlangt viel Koordination. «Die Kommunikation zwischen allen Parteien ist deshalb das A und O», erklärt Immler und ergänzt: «Wir planen nicht so, wie es am besten für die Baustelle wäre, sondern so, dass die Bedürfnisse aller berücksichtigt werden.»
Auch der Netzmeister sieht den Austausch als zentrale Aufgabe: «Unsere Monteur*innen sind wichtige Botschafter*innen unseres Unternehmens, weil sie oft erste Ansprechperson sind. Sie geben gerne Auskunft, aber wir versprechen nichts, was wir nicht halten können», betont Brandner. Im engen Kontakt mit den Kund*innen werde gemeinsam nach pragmatischen Lösungen gesucht. So, dass die Beeinträchtigung oder der Gasunterbruch möglichst kurz gehalten wird.
«Manchmal müssen wir richtige Detektivarbeit leisten.»
Raphael Brandner
Netzmeister Bau und Instandhaltung, Energie 360
Überraschungen unter der Baugrube
Der Leitungsbau in den Baugruben ist das eine. Die Arbeit in den Häusern das andere. Denn neben den Hauptleitungen werden auch die Hausanschlüsse erneuert. Und das ist oftmals noch die aufwendigere Arbeit. «Rund zwei Drittel unserer Arbeitsstunden entfallen auf die Hausanschlüsse», berichtet Brandner. Der administrative Aufwand, um in die Gebäude zu gelangen, ist hoch. Manche Leitungen sind zudem so versteckt, dass plötzlich auch andere Fähigkeiten gefragt sind, erzählt Brandner schmunzelnd: «Nur um den Gashahn zu finden, müssen wir manchmal richtige Detektivarbeit leisten.» Ausserdem seien einige Wände mehr als einen Meter dick und die Wanddurchführung entsprechend keine Standardaufgabe.
Das Nieder- und Oberdorf bleibt in vielerlei Hinsicht voller Überraschungen. Auch wenn Rosa Immler in ihrer Planung versucht, alles so gut wie möglich zu berücksichtigen, gelingt das nicht immer. «Sobald wir eine Baugrube öffnen, zeigt sich oft Unerwartetes.» So auch, als bei einem Aushub 84 Skelette zum Vorschein kamen – Überreste des mittelalterlichen Grossmünster-Friedhofs. Dann hiess es Pinsel statt Bagger. «Die Zusammenarbeit mit den Archäolog*innen lief sehr gut. Dennoch mussten wir die Arbeiten pausieren, um sie zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen und nachzuholen», erklärt Immler.
Insgesamt verlegt Energie 360° bis 2028 6900 Meter Gasleitungen.
Beim Öffnen von Baugruben in der Altstadt tauchen mitunter Überraschungen auf. Bei einem Aushub wurden beispielsweise 84 Skelette entdeckt.
Raphael Brandner zeigt sich zur Halbzeit der Arbeiten zufrieden: «Wir sind auf Kurs.»
Das Team lernt täglich dazu. Rohrdurchmesser, Leitungsführungen und Abläufe: Vieles wurde in der ersten Hälfte präzisiert. «Wir wissen heute noch besser, was in welcher Zeit umsetzbar ist», sagt Brandner. «Wir rechnen noch mit weiteren archäologischen Funden und planen dafür Massnahmen, um innerhalb der geplanten Bauzeit zu bleiben», ergänzt Immler. So bleibt das Grossprojekt auch in der zweiten Hälfte steuerbar – und das «Dörfli» heute und morgen sicher versorgt.
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