«Wir alle können etwas gegen Foodwaste tun»

Viele Restaurants werfen nicht verkaufte Menüs nach Betriebsschluss in den Abfall. Die App «Too Good To Go» kämpft gegen diese Verschwendung von Lebensmitteln. Dank diesem System gewinnen alle Beteiligten.

Auch Konsumentinnen und Konsumenten sind gefordert, denn: Die Hälfte aller Lebensmittel werden in Privathaushalten weggeworfen.

Auch Konsumentinnen und Konsumenten sind gefordert, denn: Die Hälfte aller Lebensmittel werden in Privathaushalten weggeworfen.

1000 Mahlzeiten rettet «Too Good To Go» in Zürich jeden Tag vor dem Abfallkübel. Über die App des gleichnamigen Unternehmens können Restaurants, Bäckereien, Supermärkte oder Hotels Menüs, die übrig sind und die sie sonst wegwerfen müssten, zu einem günstigen Preis anbieten. Und die Nutzerinnen und Nutzer der App sehen, wo es welche Menüs abzuholen gibt. Davon profitieren alle: Der Kunde isst günstig und rettet Lebensmittel vor dem Abfall, die Gastronomiebetriebe generieren zusätzliche Einnahmen, gewinnen zudem vielleicht neue Gäste, und Too Good To Go kann dank einer Kommission sein Engagement gegen Lebensmittelverschwendung vorantreiben. Die täglich geretteten Mahlzeiten entsprechen übrigens 2000 kg CO2 oder drei Autofahrten von Zürich nach Moskau.

Ein gerettetes Menü spart im Durchschnitt zwei Kilogramm CO2. Das entspricht einer Autofahrt von 8,6 Kilometern.

 

Aus Dänemark in die Schweiz

Seine Wurzeln hat das Unternehmen in Dänemark, seit einem Jahr gibt es eine Schweizer Niederlassung in Zürich. Zwar funktionierte die App schon davor, es beteiligten sich aber nur wenige Unternehmen. Die Französin Lucie Reine hat das geändert. Nach ihrem BWL-Studium arbeitete sie in der Lebensmittelindustrie in der Schweiz. «Was ich dort erlebte, sensibilisierte mich für das Thema Foodwaste.»

Ein Erlebnis ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: Einmal versah ein Lieferant die 1000 Artikel fälschlicherweise mit englischen Etiketten. Weil aber Englisch keine Landessprache ist, durfte man die Produkte in der Schweiz nicht verkaufen. Die ganze Ladung landete im Abfall.

«Gegen diese sinnlose Verschwendung möchte ich etwas tun», sagt Reine. Sie überzeugte die Macher von Too Good To Go, dass es eine Niederlassung in der Schweiz brauche. Heute, ein Jahr später, arbeitet sie in einem elfköpfigen Team mit Mitarbeitenden in der deutschen und in der französischen Schweiz.

Sie sind Teil von Too Good To Go Schweiz (v.l.): Alina Swirski, Success Manager, Nina Damaso, Business Developer, Vanessa Müller, Business Developer, Delila Kurtovic, Marketing Manager, Lukas von Hühnerbein, People & Culture Coordinator, Lucie Reine, Country Manager.

Sie sind Teil von Too Good To Go Schweiz (v.l.): Alina Swirski, Nina Damaso, Vanessa Müller, Delila Kurtovic, Lukas von Hühnerbein, Lucie Reine

 

Ein leerer Kühlschrank hilft gegen Foodwaste

Lucie Reine sieht die Ursache von Foodwaste vor allem bei den Konsumentinnen und Konsumenten: «Wir erwarten volle Regale und reichhaltige Buffets bis am Abend.» Es liege aber auf der Hand, dass dann Resten übrig blieben. Weil rund 50% der weggeworfenen Lebensmittel von Privatpersonen stammen, will Too Good To Go auch für das Thema sensibilisieren. Reine hält sich selbst an einige einfache Tricks, um keine Lebensmittel zu verschwenden: «Mein Kühlschrank ist fast leer. Ich kaufe jeden Tag nur das ein, was ich wirklich brauche.» Und falls doch mal zu viel Essen da sei, friere sie es ein. Eine Botschaft ist Lucie Reine besonders wichtig: «Wir alle können jeden Tag etwas gegen Foodwaste tun. Indem wir zum Beispiel weniger einkaufen oder kreativ mit den Resten im Kühlschrank umgehen und neue Rezepte ausprobieren.»

 

Lebensmittel wegwerfen? Es geht auch anders.

Dies hat Energie 360° am Zero-Waste-Zmittag am Hauptsitz an der Aargauerstrasse in Zürich-Altstetten bewiesen. Nur Gemüse, das nicht dem marktüblichen Schönheitsideal entspricht, ist an diesem Tag im Kochtopf gelandet.

Mehr über den Zero-Waste-Zmittag erfahren

Ein Thurgauer Unternehmen macht aus dem Brot, das bei Ladenschluss in Bäckereien übrig bleibt, frisches Bier. Das Bread Beer reduziert nicht nur die Verschwendung von Lebensmitteln, sondern verursacht in der Produktion weniger CO2 als herkömmliches Bier.  Prost

Bread Beer kennen lernen

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Comments

  1. Avatar Tinner René sagt:

    Es ist höchste Zeit, dass das Übel angepackt wird. Leider behindern Bestimmungen die unser Staat/Bund/Kanton/Gemeine uns auferlegen noch immer die Optimierung. Bereits 2000 (war Spedi-Chef in Grossbäckerei) übergaben wir täglich (ca. 19:00h) die übrigen Back- & Konditoreiwaren der Organis. „Tischlein Deck Dich“. Nach wenigen Wochen wurde das Projekt von der Gesundheitsbehörde aus „gesetzl. Gründen“ verboten. Zudem: Noch immer werden Randständige, welche Lebensmittel aus Containern holen, bestraft. Der Staat ist mit seinen übertriebenen Gesetzen einer der grössten Umweltsünder (Vorschriften an einer Käse-Theke in der Migros etc.) Das wäre ein Potential für Energie 360°. Übertriebene Lebensmittelvorschriften abzuschaffen.
    R. Tinner

    • Avatar Melanie Frei sagt:

      Sehr geehrter Herr Tinner,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Als Energiedienstleisterin können wir auf die Gesetzgebung im Nahrungsmittelbereich keinen Einfluss nehmen. Aber wir nutzen regelmässig und gerne unser Magazin, um auf tolle Projekte wie die App von «Too Good To Go» oder den nachhaltigen «Gartengold»-Apfelsaft aufmerksam zu machen. Und wir engagieren uns dort, wo unsere Kernkompetenz liegt – nämlich Energie immer mehr erneuerbar zu machen.
      Freundliche Grüsse
      Melanie Frei