Elektro- und Erdgas/Biogas-Autos im Direktvergleich

Modellvielfalt

Bei den Elektroautos stehen derzeit 16 Modelle zur Auswahl. Fast alle gehören entweder zur Kleinwagen-Kategorie oder zur Kompaktklasse – nach dem Marktleader auch «Golf-Klasse» genannt. In der Oberklasse hingegen ist bisher nur ein Elektroauto erhältlich, der bekannte Tesla Model S. Hinzu kommt eine schnell wachsende Anzahl von sogenannten Plug-in- Hybriden. Das sind Autos, die einen Elektro- mit einem Verbrennungsmotor kombinieren und deren Batterie sich an der Steckdose aufladen lässt. Die meisten von ihnen fahren im Alltag allerdings pro Aufladung nur etwa 20 bis 50 Kilometer elektrisch. Deshalb beschränkt sich dieser Vergleich auf die reinen Elektroautos.

Rund 20 Modelle umfasst das Sortiment bei den Erdgas/Biogas-Personenwagen. Anders als bei den Elektroautos gibt es verschiedene Kombis und Vans mit grossem Kofferraum, die sich bestens für Familien eignen. Bei immer mehr Erdgas/Biogas-Autos können die Käuferinnen und Käufer zwischen Schaltgetriebe und Automatik wählen. Auch sonst lassen sich diese Fahrzeuge genauso individuell und vielfältig zusammenstellen wie Benzin- oder Dieselmodelle.

Reichweite und Einsatzgebiet

Reichweitenangst dürfte nach wie vor zu den Hauptgründen gehören, warum Elektroautos nicht noch mehr Käuferinnen und Käufer finden. Die von den Herstellern genannte Reichweite ist ein wenig realistischer Idealwert. Unter Alltagsbedingungen fahren die meisten Modelle 100 bis 150 Kilometer weit. Allerdings haben einige Hersteller angekündigt, ihren Modellen noch in diesem Jahr eine grössere Batterie zu spendieren, die im Alltag für mindestens 200 Kilometer reicht. So oder so: Bei vielen Leuten würde die Reichweite eines Elektroautos für die täglichen Fahrten genügen – zumal sich die Batterie ganz einfach über Nacht wieder aufladen lässt, sofern die Möglichkeit dazu besteht. Wer häufig Kurzstrecken fährt oder auch im städtischen Raum auf ein Auto angewiesen ist und zudem eine Lademöglichkeit hat, trifft mit einem Elektrofahrzeug die richtige Wahl.

Bei Erdgas/Biogas-Autos ist Reichweitenangst völlig fehl am Platz. Sie fahren unter Alltagsbedingungen mit einer Tankfüllung Erdgas/Biogas je nach Modell zwischen 300 und 500 Kilometer weit. Zusätzlich befindet sich in jedem Erdgas/Biogas-Auto ein Benzintank. Einige Modelle erreichen deshalb eine kombinierte Reichweite von über 1000 Kilometern. Erdgas/Biogas-Autos sind also perfekte Allroundfahrzeuge. Sie eignen sich gerade für Fahrerinnen und Fahrer, die viele Kilometer pro Jahr zurücklegen. Dann macht sich einerseits der tiefe Treibstoffpreis (siehe Kosten) besonders bezahlt und andererseits lassen sich grosse Mengen CO 2 einsparen.

Tankstellennetz

Alle empirischen Studien rund ums Laden von Elektroautos kommen zum gleichen Resultat: Die Fahrerinnen und Fahrer «tanken» den Strom fast ausschliesslich zu Hause beziehungsweise auf dem Firmengelände, wenn es sich um ein Geschäftsauto handelt. Nur für längere Fahrten sind sie auf öffentliche Ladestationen angewiesen. Deshalb spielen Schnellladestationen auf Autobahnraststätten oder nahe der Autobahn im Alltag eine wichtige Rolle. Denn beim Schnellladen genügt ein Stopp von etwa 30 Minuten. Zwar gibt es in der Schweiz erst rund 50 Schnellladestationen, doch zahlreiche weitere sind bereits geplant. Hinzu kommen mehrere Hundert «langsamere» Ladestationen. Diese sind ideal, um die Batterie des Elektroautos bei einer längeren Verweildauer zu laden, zum Beispiel an einem Ausflugsziel.

Das Netz von Erdgas/Biogas-Tankstellen ist in den letzten Jahren ständig gewachsen. Inzwischen stehen in der Schweiz rund 140 davon bereit, einige davon auch auf Autobahnraststätten oder nahe der Autobahn. Besonders im Mittelland reicht das Tankstellennetz im Alltag bestens aus. Während es bei den Ladestationen für Elektroautos noch kein einheitliches Zugangs- und Abrechnungssystem gibt, ist das Bezahlen bei den Erdgas/Biogas-Tankstellen einfach. Die meisten sind in herkömmliche Tankstellen integriert. Hier lassen sich die Treibstoffkosten mit allen jeweils akzeptierten Zahlungsmitteln begleichen. Bei nicht integrierten Erdgas/Biogas-Tankstellen bezahlt man einfach mit Debit- oder Kreditkarte.

Apps fürs Tanken

Bei beiden Technologien empfehlen sich für die Fahrerinnen und Fahrer nützliche Apps: Auf www.erdgasfahren.ch findet sich der Link zur Erdgas/Biogas-Tankstellen- App, auf www.lemnet.org jener für die App mit allen europäischen Stromtankstellen. Fürs Elektroauto lohnt sich zusätzlich die App von swisscharge.ch, die den bequemen Zugang zu 6000 Ladestationen in ganz Europa ermöglicht.

Umwelt

Schon seit mehreren Jahren belegen Erdgas/Biogas-Autos die ersten Plätze auf der Auto-Umweltliste des VCS. Mit gutem Grund: Sie stossen bedeutend weniger CO 2 aus als vergleichbare Benziner. In der Schweiz wird dem Erdgas als Treibstoff immer mindestens 10% Biogas beigemischt. Energie 360° bietet ein Biogas-Upgrade an. Wer 100% Biogas wählt, fährt besonders klimaschonend.

Bei den Elektroautos hängt die Umweltbilanz vom geladenen Strom ab. Stammt dieser aus erneuerbaren Energien wie Wasserkraft oder Solarenergie, verursacht ein Elektroauto sehr geringe CO 2 -Emissionen. Nutzt es hingegen den in Europa weit verbreiteten Strom von Kohle- oder Gaskraftwerken, fällt seine Ökobilanz weniger gut aus. Dann stösst es laut einer Studie der Empa über den ganzen Lebenszyklus betrachtet – Herstellung und Recycling inklusive – mehr CO 2 aus als ein Erdgas/Biogas-Auto, das den Schweizer Treibstoff-Mix mit mindestens 10% Biogas tankt.

Kosten

Wer ein neues Auto kauft, sollte nicht nur den Anschaffungspreis betrachten, sondern auch die Betriebskosten über die ganze Lebensdauer des Fahrzeugs. Zusammen ergeben sich die Gesamtkosten, die «Total Cost of Ownership». Hier schneiden Erdgas/Biogas-Autos gut ab. Inklusive Förderbeiträgen wie jenem von Energie 360° liegt der Anschaffungspreis bei vielen Erdgas/Biogas-Fahrzeugen kaum noch höher als bei vergleichbaren Benzin- und Dieselmodellen. Zudem gewähren verschiedene Versicherungen einen Ökorabatt für Erdgas/Biogas-Autos und in mehreren Kantonen fällt die Motorfahrzeugsteuer für sie geringer aus. Ihren grössten Kostenvorteil spielen sie jedoch beim Treibstoff aus: Sie tanken etwa 25% günstiger als mit Benzin. Unter dem Strich lässt sich deshalb bei vielen Erdgas/Biogas-Modellen Geld sparen.

Auch einige Elektroautos können bei den Gesamtkosten bereits mit vergleichbaren Benzinern mithalten. Dafür sorgen einerseits die tieferen Kosten für Service und Unterhalt, da bei einem Elektromotor weniger Teile gewartet und erneuert werden müssen. Andererseits fallen die Treibstoffkosten gemäss der Schweizer Studie «KORELATION» mit empirischen Daten von 200 Elektrofahrzeugen bei durchschnittlichem Strompreis rund 60% tiefer aus als bei Benzinern. Schwierig gestalten sich Prognosen für den Restwert von Elektroautos, da die meisten Modelle der neusten Generation erst seit Kurzem auf dem Markt sind. Mit einem Leasing lässt sich das Restwertrisiko jedoch begrenzen.

Geräusche

Gerade für die lärmgeplagten Städte und Agglomerationen sind Elektroautos eine Wohltat. Im Stop-and- go-Verkehr erzeugen sie nicht mehr als ein Surren. Das entspannt gleichermassen die Fahrer und die Anwohner. Ganz so leise sind Erdgas/Biogas-Autos zwar nicht unterwegs. Gegenüber Benzin- und vor allem Dieselmodellen punkten aber auch sie durch geringere Motorgeräusche, weil ihre Verbrennung sanfter abläuft.

Fahrspass

Nicht nur Tesla-Fahrer wissen: Elektroautos können süchtig machen. Das liegt vor allem an ihrem hohen Drehmoment vom ersten Meter an. So gewinnt selbst ein elektrischer Kleinwagen jedes Ampelrennen. Zum gechillten Fahren tragen ausserdem die Ruhe im Wagen und das Fehlen eines Schaltgetriebes bei. Auch die aktuellen Erdgas/Biogas-Autos bieten jede Menge Fahrspass. Ihr Turbomotor sorgt für flottes Beschleunigen und genügend Reserven auf der Autobahn.

 

Fazit

Egal ob Familienkutsche, Zweitwagen oder Firmenauto: Für jeden Zweck gibt es heute das passende Fahrzeug mit umweltschonendem Antrieb. Die Elektro- und die Erdgas/Biogas-Autos der neusten Generation punkten beim Fahrspass und bei den Gesamtkosten. Um das passende Auto zu wählen, lohnen sich ausgiebige Probefahrten mit verschiedenen Modellen.

 

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Comments

  1. Avatar Kurt Kuehni sagt:

    Sorry, ich fahre manche Tage gar nicht, dafür manchmal auch beruflich bedingt 700km am Stück!
    Deshalb ist für mich das Elektroauto derzeit keine Option.
    Zurzeit fahre ich einen Kleinwagen, den Mazda2 … kleiner geht für mich nicht …

    Gruss

    Kurt

    • Avatar Nadja Schneider sagt:

      Guten Tag Herr Kuehni, vielen Dank für Ihren Kommentar. Wenn Sie derart weite Strecken zurücklegen müssen, eignet sich momentan kein Elektroauto für Sie. Die Elektro-Mobilität wird sich weiterentwickeln, auch was die Reichweite angeht. Vielleicht ist dann auch für Sie das passende Modell dabei. Freundliche Grüsse, Nadja Schneider, Digital Communications

  2. Avatar Hans sagt:

    Es gibt eine Alternative H2 —> ist aber erst im kommen. Ich fahre den Hyundai ix 35 Fuel Cell und mit 700bar H2 in einem 144 Liter fassenden Tank gehen 5.65 Kg H2 mit diesem fahre ich 550 Km Das Tankstellennetz wird laufend ausgebaut. Aber schon heute kann ich über Innsbruck nach München zurück nach Zürich.