lab360: Mit geschärfter Ausrichtung Energietrends aufspüren

Das lab360 ist das Innovationslabor von Energie 360°. Leiterin Michèle George spricht im Interview darüber, weshalb ihre Innovationen nicht auf der grünen Wiese entstehen und was das lab360 für eine nachhaltige Energiezukunft leistet.

Besprechungssituation: Ein Mann und zwei Frauen sitzen zusammen vor einem Laptop.

Die Geschäftsleitung von Energie 360° hat die Ausrichtung des lab360 geschärft. Worauf fokussiert sich das Innovationslabor künftig?

Wenn wir uns das Drei-Horizonte-Modell von McKinsey vor Augen halten, dann beschäftigen sich Unternehmen im ersten Horizont damit, das Kerngeschäft zu erweitern oder zu verteidigen. Im zweiten entwickeln Unternehmen sich abzeichnende Geschäftsmodelle basierend auf den existierenden Ressourcen weiter, um neue Kundensegmente und Märkte zu erobern. Und der dritte Horizont beschäftigt sich damit, ganz neue Ressourcen aufzubauen und in der Entwicklung auch disruptive Ansätze zu verfolgen. In der Vergangenheit waren wir im dritten Horizont tätig. Mit der neuen Ausrichtung fokussieren wir uns auf den zweiten.

 

Weshalb?

Im dritten Horizont finden Innovationen oft auf der grünen Wiese statt. Wir aber wissen, was uns bevorsteht: Für eine nachhaltige Energiezukunft müssen wir uns transformieren. Wir können aktiv auf die bevorstehende Veränderung hinarbeiten – dafür brauchen wir keine grüne Wiese. Besser: Wir nutzen Kompetenzen und Kapital von Energie 360° und entwickeln entsprechend Ideen, die auf die Unternehmensvision einzahlen. Was mir dabei wichtig ist: Wir bewegen uns zwar im zweiten Horizont, erkennen aber auch die Moblitäts- und Energietrends aus dem dritten. So können wir mit unseren Innovationen den richtigen Weg für die angestrebte erneuerbare Energiezukunft einschlagen.

 

Das lab360 leistet wichtige Arbeit für unsere Mission <100% erneuerbar bis 2040>: Energie 360° profitiert von der Innovationskraft des lab360, die Denkstätte wiederum von unserem breiten Netzwerk und dem Know-how unserer Expertinnen und Experten.

Jörg Wild, CEO Energie 360°

 

Wie generiert das lab360 aus einem Trend eine konkrete Idee?

Unsere Innovationsfelder stecken unseren Rahmen ab. Sie legen fest, in welchen Bereichen wir nach Innovationspotenzialen suchen. Das Arbeiten mit Trends hilft uns, zukünftige Entwicklungen früh zu erkennen. Wir versuchen zu antizipieren, was in einem Innovationsfeld passieren könnte. Darauf basierend formulieren wir Hypothesen und testen diese schliesslich. Ein Beispiel: Ladelösungen für Elektromobilität erinnern stark an Tanksäulen. Wie wird sich das Laden eines E-Autos entwickeln? Was wollen wir diesbezüglich testen und erreichen? Zum Vergleich: Spotify sieht ja auch nicht einfach aus wie eine Kassette, die Verfügbarkeit von Musik hat sich grundlegend verändert. Ähnliches wird wahrscheinlich bei der Elektromobilität passieren. Wir glauben beispielsweise, dass das induktive Laden künftig eine grössere Rolle spielen wird. Ausgehend von solchen Hypothese entwickeln wir Lösungsansätze und suchen nach vielversprechenden Partnern, mit denen wir diese umsetzen könnten.

 

Wie finden Sie heraus, ob eine Hypothese Potenzial hat?

Mit unserer Arbeit suchen wir nach Lösungen für Herausforderungen der Zukunft. Als erstes gilt es, das eigene Team zu überzeugen. Denn wenn wir selber kein Potenzial sehen, können wir auch mögliche Partner und schliesslich Kundinnen und Kunden nicht davon überzeugen. Danach gehen wir offensiv mit der Idee raus, um die Hypothese zu testen. Uns öffnen sich dabei oft viele, auch ganz unerwartete, Türen.

Portrait von Michèle George

«Für eine nachhaltige Energiezukunft müssen wir uns transformieren.» Michèle George, Leiterin lab360

 

Michèle George

Wuchs im Aargau mit Blick auf das Atomkraftwerk Beznau auf, beide Elternteile arbeiteten am Paul Scherrer Institut. Das habe ihr Interesse für Energie und Wissenschaft früh gefördert. Nach dem Studium der Unternehmenskommunikation im Tessin arbeitete sie unter anderem bei der Schweizerischen Post, dem WWF, der Phonak und bei der Mobiliar. Seit 2018 ist Michèle George im lab360 tätig, seit dem Frühjahr 2021 leitet sie das Innovationslabor.

 

Wie vermeiden Sie, dass sich das lab360 in einem Thema verrennt?

Wir reflektieren alle drei Monate, ob sich das Innovationsprojekt in eine wünschenswerte Richtung entwickelt. Dann entscheiden wir, ob wir es weiterverfolgen, die Ziele anpassen müssen oder das Projekt gleich ganz stoppen. Dieser Zyklus erlaubt uns kurze Verschnaufpausen, Abstand zum Projekt und einen frischen Blick. Das ist im Bereich der Innovationen sehr wichtig, damit man sich nicht blindlings in sein «Baby» verliebt.

 

Was gefällt Ihnen an der Arbeit im lab360 besonders?

Ich finde es extrem spannend, mich mit Zukunftsthemen und -szenarien auseinanderzusetzen. Denn es ist für alle klar: Wir müssen jetzt handeln, um unseren Beitrag zur Energiewende zu leisten. Im Unternehmen sind verständlicherweise viele mit dem Tagesgeschäft stark ausgelastet. Sie haben kaum Luft und Raum, um sich vertiefter damit zu beschäftigen, was sich am Horizont abzeichnet. Als Team lab360 haben wir den Auftrag, zukünftige Innovationspotenziale zu erkennen und diese auf den Boden zu bringen. Das erachte ich als grosses Privileg und gleichzeitig als grosse Herausforderung.

 

Projekte des lab360

Das lab360 spürt Energietrends auf und entwickelt daraus konkrete Produkte und Services – für eine nachhaltige Energiezukunft. Hier finden Sie zwei Projekte des lab360.

Induktives Laden

CO2-neutrales Skigebiet

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