Mit Pioniergeist zum Prototyp

Unterirdische Leitungen und digitale Hilfsmittel gehen nicht zusammen? Im Gegenteil: Ein Projektteam von Energie 360° hat einen Prototyp fürs digitale Assetmanagement erarbeitet. Bei dessen Entwicklung stellt das Team gemäss Design-Thinking-Methode konsequent den Kundenwunsch ins Zentrum.

Investiere ich am richtigen Ort? Diese Frage stellt sich zwangsläufig jeder Unternehmer und jede Unternehmerin. Für Gasversorgungsunternehmen wird es zunehmend schwierig, diese Frage zu beantworten. Denn der Absatz an Gas – egal, ob fossiles Erdgas oder klimafreundliches Biogas – wird in vielen Gemeinden zurückgehen; etwa weil Gasheizungen durch Wärmepumpen ersetzt oder Quartiere neu mit Fernwärme erschlossen werden. Auch Unsicherheiten betreffend Marktöffnung und Energieplanungsricht­linien erschweren Investitionsentscheide. Die Be­wirtschaftung des Netzes, das Assetmanagement, wird zunehmend zur Herausforderung. Denn ungeachtet der Transformation gilt es, die bestehende Netzinfrastruktur instand zu halten. Schliesslich haben Sicherheit und die verlässliche Versorgung mit Energie unverändert Priorität.

 

Gregory Sibler, Vincent Layec und Verena Lübken Sitzen auf Röhren

Gregory Sibler, Vincent Layec und Verena Lübken (v. l.) gehören zum internen Projektteam, das unterirdische Leitungen und Daten zusammenbringt.

Investitionsentscheide vereinfachen

Wie investiert ein Gasversorgungsunternehmen also am richtigen Ort? Und wann? Antworten auf diese Fragen könnte ein digitales Planungswerkzeug geben, dessen Prototyp ein Projektteam von Energie 360° mit grossem Pioniergeist entwickelt hat. Die Idee des digitalen Hilfsmittels: Daten zur bestehenden Infrastruktur – beispielsweise zur Relevanz oder zum Zustand einer Leitung, Altersstruktur oder getätigte Abschreibungen – werden mit externen Faktoren wie dem vermuteten Gasabsatz oder geplanten Tiefbauarbeiten kombiniert. Digitales Assetmanagement wird möglich. Ein Dashboard veranschaulicht die Angaben, weil bereits die Visualisierung bestehender Daten oft wertvolle Erkenntnisse bringt. Die Grafiken zeigen beispielsweise die nötigen Instandhaltungsmassnahmen für ein Versorgungsnetz auf und vereinfachen so das Festlegen des Investitionsbedarfs.

 

Digitalisierung und Netzbetrieb gehen bei Energie 360° Hand in Hand. So nutzen wir auch bei der Apparatekontrolle, dem Zähler wechsel und der Instandhaltung von Druckreduzier- und Messstationen digitale Hilfsmittel.

 

Innovation für Menschen

Die Entwicklung des Prototyps hat Energie 360° nach der Design-Thinking-Methode strukturiert. Die Methode stellt die Wünschbarkeit einer Innovation für die Nutzerinnen und Nutzer in den Vordergrund – im Zen­trum steht also immer der Mensch. Gregory Sibler, ­Leiter Netzservice bei Energie 360°, erklärt: «Früher hat ein Energieversorgungsunternehmen alle zehn Jahre eine Zielnetzplanung gemacht. Das ist im heutigen Umfeld nicht mehr möglich.» Dies führe zu Unsicherheit und Mehraufwand, denn vielen Gasversorgungs­unternehmen würden die digitalen Hilfsmittel für diese Planung fehlen. Hier will Energie 360° mit ihrer Lösung fürs digitale Assetmanagement ansetzen. Das Projektteam hat vor der Entwicklung des Prototyps Vertreterinnen und Vertreter von sechs Energieversorgungsunternehmen befragt. So haben sie mehr über die Probleme, Wünsche und Herausforderungen der Menschen erfahren, die Investitionsentscheide für die Netzbewirtschaftung treffen.

 

Der Weg zu 100% erneuerbarer Energie wird kein Spaziergang. Wenn ich aber daran denke, was wir 2020 trotz Corona-Pandemie alles geschafft haben und wie wir die Energieversorgung auch im Lockdown gewährleistet haben, dann schaffen wir auch das.

Andrea Zinsli, Bereichsleiter Netz

Portrait von Andrea Zinsli

 

Pionierarbeit geht weiter

Der Prototyp ist verhältnismässig einfach aufgebaut, damit das Marktbedürfnis nochmals ohne grossen finanziellen Aufwand getestet werden kann. Denn auch das rasche und wiederholte Einholen von Rückmeldungen ist Teil des Design-Thinking-Ansatzes: Anstatt Kundinnen und Kunden eine perfekte Lösung zu präsentieren, bindet Energie 360° sie früh ein. So erfährt das Projektteam sehr schnell, wo ein Produkt aus Kundensicht zu verbessern ist. «Das Team konnte unter Anwendung von Design Thinking mit verhältnismässig wenig Zeitaufwand eine solide Grundlage für die Weiterentwicklung legen», davon ist Gregory Sibler überzeugt. Sind die Rückmeldungen positiv und stimmen Aufwand und Ertrag, hofft das Projektteam, das Planungstool im Sommer 2022 zu lancieren. Das Projektteam leistet also auch im Geschäftsjahr 2021 weiterhin Pionierarbeit in Sachen Digitalisierung in der Energieversorgung.

 

Innovation geschieht bei Energie 360° im ganzen Unternehmen – im Innovationslabor lab360 genauso wie in jedem einzelnen Team. Denn Energie 360° setzt auf eine starke Gründerkultur und gibt den Mitarbeitenden Raum, um sich einzubringen und eigene Ideen zu entwickeln.

Innovationsförderung bei Energie 360°

 

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