Energie 360° Logo Meine Energie 360°

Strom und Wärme teilen: So funktionieren Quartierlösungen

Was sich bei Strom bereits etabliert hat, funktioniert auch für Wärme und Kälte: Bei Quartierlösungen nutzen mehrere Gebäude in dicht besiedelten Gebieten gemeinsam Energie aus lokalen Quellen. Das bedeutet für alle Beteiligten tiefere Energiekosten.

Publiziert 08.09.2026 Lesedauer 4 min

Energiegemeinschaften sind bisher vor allem aus dem Strombereich bekannt: Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch und lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) ermöglichen es, Solarstrom in der Nachbarschaft zu teilen. So erzielen die Betreiber*innen von Solaranlagen einen höheren Preis für ihre überschüssige Energie und die Abnehmer*innen senken ihre Energiekosten.

Dieses Prinzip lässt sich auf weitere Energiearten übertragen, vor allem auf Wärme und Kälte. Gerade in Industriegebieten besteht ein grosses Potenzial für solche Quartierlösungen. Denn Industriebetriebe produzieren oft Abwärme, die benachbarte Gebäude zum Heizen nutzen können. Als Energiequellen kommen aber auch Grundwasser, Abwasser oder Erdwärme infrage. «Quartierlösungen sind besonders interessant, wenn eine einzelne Partei die Energiequelle nicht allein erschliessen kann», sagt André Wicki, Produktmanager bei Energie 360°.

Was unterscheidet Quartierlösungen von Energieverbünden?

André Wicki erklärt den Unterschied zwischen Energieverbund und Quartierlösung so: «Ein Energieverbund erfordert die Unterstützung durch die Standortgemeinde und liefert typischerweise nur Wärme. Eine Quartierlösung hingegen lässt sich auch rein privat realisieren und kann Wärme mit Kälte kombinieren. Ein weiterer Unterschied: Bei einem Energieverbund werden Abnehmer*innen erst angeworben, nachdem der Verbund geplant ist. Bei einer Quartierlösung beginnt die Akquisition früher. Weil sie meist deutlich weniger Abnehmer*innen hat, entscheidet die Teilnahme jeder und jedes Einzelnen darüber, ob das Projekt zustande kommt.»

Strom, Wärme und Kälte kombinieren

Wie bei integralen Energiesystemen von Überbauungen lassen sich auch bei Quartierlösungen mehrere Energiearten bündeln. Das zeigt folgendes fiktives Beispiel: Ein Gewerbeunternehmen betreibt Wärmepumpen mit Erdsonden, um den Wärmebedarf im Winter zu decken. Es hat im Sommer aber keinen Bedarf an Kälte, sodass es die Erdsonden nicht selbst regenerieren kann.

Im Rahmen einer Quartierlösung nehmen die benachbarten Wohnüberbauungen nicht nur Wärme im Winter ab, sondern auch Kälte im Sommer. Gleichzeitig bringen sie den Strom ihrer Solaranlagen in die Partnerschaft ein und gründen einen virtuellen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV). Darüber werden neben den Wärmepumpen und den E-Ladestationen des Gewerbebetriebs auch alle Beteiligten der Quartierlösung mit Strom versorgt.

Die Anlage der USC besteht aus weissen Containern

10 Technologien für eine nachhaltige Zukunft

Die Technologien für eine grüne Energieversorgung sind vorhanden. Wie funktionieren sie, wie gross ist ihr Potenzial und wo entfalten sie es am besten? Lernen Sie zehn vielversprechende Beispiele kennen. Beitrag lesen

Welche Vorteile hat eine Quartierlösung?

Alle Vorteile eines Energieverbunds bestehen auch bei einer Quartierlösung:

  • Die Beteiligten erhalten ein Rundum-sorglos-Paket, bei dem sie sich um nichts zu kümmern brauchen. Bei den Energieverbünden von Energie 360° sorgt das Unternehmen für einen sicheren Betrieb, übernimmt den Unterhalt und trägt das Ausfallrisiko.
  • Die genutzte lokale Energie ist nachhaltig und CO2-arm.
  • Die Quartierlösung funktioniert effizienter, als wenn jedes Gebäude seine eigene Heizung betreiben würde.

Hinzu kommen laut André Wicki die Preisvorteile: «Eine Quartierlösung muss finanziell immer eine Win-win-Situation für alle Beteiligten bringen, damit sie genügend Parteien überzeugt. Weil Betrieb, Unterhalt und Ausfallrisiko hier inbegriffen sind, bei einer eigenen Heizung aber nicht, schneidet die Quartierlösung bei den Gesamtkosten oft besser ab.»

Was die Kosten einer Energiegemeinschaft senkt

Möglich werden die günstigen Energiepreise durch Synergien, eine hohe Energiedichte und tiefe Kosten bei der Realisierung von Quartierlösungen. Dazu sind die Heizzentralen weitgehend standardisiert und vorkonfektioniert. Sie werden entweder in bestehenden Gebäuden oder in Containern untergebracht.

Auch das Wärmenetz lässt sich bei einer Quartierlösung günstiger realisieren als bei einem Energieverbund. Denn die Abnehmer*innen werden gezielt so ausgewählt, dass ein Niedertemperaturnetz möglich ist. Zudem gilt: Damit eine Energiegemeinschaft wirtschaftlich überhaupt infrage kommt, muss die Energiedichte im Quartier hoch genug sein. Was beeinflusst die Wirtschaftlichkeit sonst noch? «Förderbeiträge des Kantons und der Gemeinde können für Quartierlösungen ein echter Gamechanger sein», so André Wicki.

Quartierlösung in La Punt

Eine solche Quartierlösung hat Energie 360° in der Engadiner Gemeinde La Punt realisiert. Als Wärmequelle dient Grundwasser. Die Heizzentrale ist in einem Parkhaus einer neu errichteten Überbauung untergebracht. Von dort beziehen insgesamt zehn Kund*innen, darunter andere Wohnliegenschaften, ihre Wärme.

Eine Quartierlösung selbst umsetzen – geht das?

Quartierlösungen sind technisch gesehen meist keine Raketenwissenschaft, aber trotzdem mit einigen Herausforderungen verbunden. Denn bei einem solchen Projekt kommen von den verschiedenen Beteiligten mehrere Ansprüche zusammen. Jeder für sich ist gut lösbar. Doch die Summe der Bedürfnisse macht das Vorhaben kompliziert. Darum braucht es für Planung und Umsetzung eine aussenstehende Partnerin wie Energie 360°, die Erfahrung mitbringt und diese Komplexität bewältigen kann.

André Wicki nennt ein Beispiel aus der Praxis: «Für den Heizungsersatz haben die Gebäude eines Quartiers oft einen unterschiedlichen Zeithorizont. Manche Eigentümer*innen mit einer alten Heizung können nicht warten, bis die Energiegemeinschaft umgesetzt ist. Ihnen bieten wir eine Übergangslösung an.»

Ein weiterer Grund, warum eine Quartierlösung in der Regel ein externes Unternehmen erfordert, ist die Finanzierung. «Zu Beginn braucht es ein Unternehmen wie Energie 360°, das in Vorleistung geht, um die Machbarkeit zu prüfen – das Projekt also anstösst. Diese Rolle wollen die wenigsten privaten Investor*innen übernehmen. Sie können die Finanzierung für die Vorleistungen und die damit verbundenen Risiken an uns auslagern.»

Eine Frau arbeitet an einem Tablet mit einem Getränk in einem Café

Newsletter von Energie 360°

Wünschen Sie regelmässig Neuigkeiten und Tipps, wie Sie Ihre Energieversorgung optimieren können? Erhalten Sie alles Wichtige direkt in Ihr Postfach.

Newsletter abonnieren

Die passende Energie finden

  • 10 Technologien für eine nachhaltige Zukunft

    Die Technologien für eine grüne Energieversorgung sind vorhanden. Wie funktionieren sie, wie gross ist ihr Potenzial und wo entfalten sie es am besten? Lernen Sie zehn vielversprechende Beispiele kennen.

    Beitrag lesen Die Anlage der USC besteht aus weissen Containern
  • Mobilitäts- und Energielösungen für Immobilien

    Energieeffiziente Gebäude sind ein wichtiger Faktor der Energiewende. Wie erfüllen Sie die Netto-Null-Ziele? Lassen Sie sich beraten und entdecken Sie unsere Mobilitäts- und Energielösungen.

    Projekte ansehen Wo die erneuerbare Wärme nutzenden Immobilien Pont Rouge stehen, treffen die drei Städte Carouge, Genf und Lancy aufeinander
  • Energielösungen für die Industrie

    PV-Anlagen installieren, mit Seewasser kühlen oder die Abwärme Ihres Betriebs zum Heizen nutzen: Ihre Gebäude und Areale haben Potenzial, um die Energiewende voranzutreiben. Nutzen Sie es.

    Projekte ansehen Mitarbeitende eines Industriebetriebs planen die Nutzung von Abwärme für ihre Prozesse