Erfahrung gefragt: Wie eine neue Biogas-Anlage entsteht

Energie 360° macht Gas immer mehr erneuerbar und investiert dazu in weitere Aufbereitungsanlagen für Biogas – zuletzt in Bachenbülach. Bis eine Biogas-Anlage in Betrieb geht, sind einige Herausforderungen zu meistern. Da hilft die Erfahrung von früheren Projekten.

Biogasanlage Bachenbülach

So präsentiert sich die Biogasanlage in Bachenbülach.

Wer mit Gas heizt, kocht oder Auto fährt, kann den CO2-Ausstoss einfach reduzieren: durch einen höheren Biogas-Anteil. Weil sich immer mehr Leute dafür entscheiden, wächst der Bedarf nach Biogas. Mit zusätzlichen Biogas-Anlagen sorgt Energie 360° dafür, dass die Nachfrage weiterhin gedeckt wird. Zudem hat sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, den Biogas-Anteil bei seinen Gasprodukten schrittweise zu steigern. Auch dafür braucht es neue Biogas-Anlagen. Deshalb halten die Fachleute von Energie 360° die Augen offen nach geeigneten Standorten.

Fündig wurden sie zuletzt in Bachenbülach. Hier vergärt die Axpo Kompogas AG organische Abfälle und produziert dabei Rohbiogas. Bisher machte ein Blockheizkraftwerk daraus Strom und Wärme. Doch der Bedarf für die Wärme war vor allem in den Sommermonaten zu gering. Als ein Ersatz des Blockheizkraftwerks anstand, suchte die Axpo Kompogas AG daher nach einer anderen Lösung, um das Rohbiogas zu nutzen.

Neu kauft es Energie 360° und bereitet es zu Biogas auf, das sich ins lokale Gasnetz einspeisen lässt. Bei der Aufbereitung werden das CO2 und andere unerwünschte Stoffe aus dem Rohgas entfernt. «Der Standort in Bachenbülach eignet sich ideal für eine Biogas-Aufbereitungsanlage, weil das Areal schon bisher ans Gasnetz angeschlossen war», sagt Marco Minder, Projektleiter Energie Anlagen bei Energie 360°. «Zudem befindet sich auf dem Gelände eine Gastankstelle. Wer sein Gasauto mit Biogas tankt, sieht direkt, woher der Treibstoff stammt.» Die Biogas-Anlage in Bachenbülach ist nach jenen in Volketswil und Uzwil bereits das dritte gemeinsame Projekt von Energie 360° und der Axpo Kompogas AG.

Gastankstelle auf dem Gelände von Bachenbülach

Auf dem Gelände von Bachenbülach befindet sich bereits eine Gastankstelle.

 

Leitungen anpassen

Biogas-Aufbereitungsanlagen werden schlüsselfertig geliefert. Sie in die bestehende Infrastruktur einzubinden, erfordert dennoch viel Arbeit und eine sorgfältige Koordination. In Bachenbülach gab es vor allem bei der Stromzuleitung und -verteilung einiges anzupassen. Denn während bisher das Blockheizkraftwerk Strom ins Netz einspeiste, bezieht die Biogas-Anlage für ihren Betrieb nun Strom aus dem Netz. Ausserdem erstellte Energie 360° fürs aufbereitete Biogas eine neue Anschlussleitung an das Gasnetz.

Speicher für Rohbiogas

Ein Speicher für Rohbiogas auf dem Dach der Biogas-Anlage.

Weil die Vergärung in Bachenbülach nicht wie sonst üblich nur in einem, sondern in drei Fermentern stattfindet, waren auch bei der Verbindung zwischen den Fermentern und der Aufbereitungsanlage einige Anpassungen nötig, damit die Gesamtanlage optimal betrieben werden kann.

Zu den Herausforderungen des Projekts gehörten ebenfalls die engen Platzverhältnisse. Zwischen der Vergärungsanlage und der Gastankstelle blieb wenig Raum für die Aufbereitungsanlage. Aus diesem Grund wurde der Speicher fürs Rohbiogas direkt auf dem Dach der Biogas-Anlage montiert. Das war möglich, weil man das Speichervolumen aufgrund optimierter Regelung der Aufbereitungsanlage auf ein Minimum von 50 Kubikmeter reduzieren konnte.

 

Das Timing zählt

Der Zeitpunkt, zu dem das Blockheizkraftwerk vom Stromnetz ging, mussten Energie 360° und die Axpo Kompogas AG sorgfältig wählen. Schliesslich produzierte die Vergärungsanlage ununterbrochen Rohbiogas, das es möglichst vollständig zu nutzen galt. Darum gab das Projektteam Gas: Schon eine Woche nach dem Aus des Blockheizkraftwerks waren Vergärungsanlage und Biogas-Aufbereitungsanlage miteinander verbunden. «Das Zusammenspiel der vielen internen und externen Beteiligten im Projekt hat bestens geklappt», zieht Marco Minder Bilanz.

Dass das Projektteam den Zeitplan einhalten konnte, hatte noch zwei weitere Gründe. Erstens wurde das Projekt frühzeitig aufgegleist und koordiniert. Zweitens handelt es sich um den gleichen Anlagentyp, wie ihn das Unternehmen seit 2017 in Uzwil betreibt.

Deshalb kannte der Hersteller die Anforderungen seines Kunden an die Anlage und die Projektbeteiligten konnten bei der Installation auf ihre Erfahrung aus Uzwil zurückgreifen.

Baubeginn auf dem Areal in Bachenbülach war im Oktober 2018. Bereits im April 2019 wurde die Biogas-Aufbereitungsanlage montiert. Einen Monat später nahm Energie 360° sie in Betrieb. Marco Minder zeigt sich mit dem Start zufrieden: «Im ersten Monat verarbeiteten wir schon über 90% des Rohgases zu Biogas. Die erwartete Produktionskapazität werden wir sogar leicht übertreffen. Mit bis zu 9 GWh Biogas pro Jahr – dem Gasverbrauch von etwa 900 Wohnungen – gehört die Anlage zu unseren mittelgrossen.»

Biogasaufbereitungsanlage von innen

So sieht die Biogas-Aufbereitungsanlage von innen aus.

 

Weitere Standorte gesucht

Anlieferung von Grüngut

Anlieferung von Grüngut, welches zu Biogas vergärt wird.

Auf die Biogas-Anlage in Bachenbülach sollen bei Energie 360° bald weitere folgen. Bedingung für neue Standorte ist, dass in der Nähe Rohbiogas produziert wird – etwa aus Speiseresten, Grünabfällen und Klärschlamm. Zu den möglichen Partnern zählen darum neben Gemeinden und Industriebetrieben auch Abwasserreinigungsanlagen, die zum Beispiel eine Nachfolgelösung für ein altes Blockheizkraftwerk suchen. «Wir sind offen für Projekte und Finanzierungsmodelle aller Art», sagt Marco Minder. «Wichtig ist, uns frühzeitig zu involvieren.»

 

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