Thermische Solaranlagen – eine gute Wahl beim Heizungsersatz

Wenn von der Solarenergie die Rede ist, geht es heute meist um die Photovoltaik. Doch auch thermische Solaranlagen fürs Warmwasser sind eine gute Wahl. Deshalb gehören sie zu den Standardlösungen für den Heizungsersatz.

Solarkollektoren auf dem Dach eines Gebäudes

Die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2014) geben vor, welche Lösungen beim Ersatz einer Heizung künftig noch zulässig sind. Wer eine Ölheizung oder eine Gasheizung wieder durch eine fossile Heizung ersetzen will, muss entweder die Energieeffizienz des Gebäudes um 10% verbessern oder 10% erneuerbare Energie nutzen – zum Beispiel Solarenergie.

Die Sonne hat ein unerschöpfliches Potenzial. Sie liefert eine Energiemenge an die Erdoberfläche, die etwa 10’000 Mal grösser ist als der weltweite Energiebedarf. Oder anders gesagt: In weniger als einer Stunde schickt die Sonne so viel Energie zur Erde, wie die Weltbevölkerung in einem Jahr verbraucht. Um von dieser kostenlosen Energie zu profitieren, eignet sich eine thermische Solaranlage ideal. Sie produziert Warmwasser und gehört zu den 11 Standardlösungen der MuKEn 2014.

 

Mindestgrösse vorgegeben

In Kombination mit einer fossilen Heizung hat eine thermische Solaranlage gemäss den MuKEn 2014 nicht nur mindestens 10% erneuerbare Energie beizusteuern. Ihre Fläche muss auch mindestens 2% der Energiebezugsfläche des Gebäudes entsprechen. Die Energiebezugsfläche ist die Summe aller beheizten Grundflächen eines Gebäudes.

Im Mittelland beträgt der Jahresertrag pro Quadratmeter Kollektornutzfläche laut EnergieSchweiz in der Regel zwischen 350 und 650 Kilowattstunden. Wie gut sich Dächer und Fassaden für die Solarthermie eignen, lässt sich ganz einfach mit dem Onlinetool sonnendach.ch ermitteln.

 

Richtig dimensionieren

Für eine thermische Solaranlage beim Heizungsersatz sprechen die hohe Effizienz und überschaubaren Kosten. Oft handelt es sich um die am einfachsten umsetzbare Standardlösung. Allerdings lässt sich eine thermische Solaranlage nur wirtschaftlich betreiben, wenn das ganze Jahr über Warmwasser verbraucht wird. «Deshalb ist es bei dieser Technologie besonders wichtig, die Anlage korrekt zu dimensionieren», sagt Paul Harder, Verkaufsleiter der SOLTOP Schuppisser AG. «Gerade bei Mehrfamilienhäusern erreichen wir bei der richtigen Grösse eine hohe Wirtschaftlichkeit. Dann rechnet sich eine thermische Solaranlage schon nach etwa zehn Jahren – bei einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren.» Eine Faustregel zur sinnvollen Kollektorfläche gibt es heute allerdings nicht mehr. Sie unterscheidet sich von Haus zu Haus.

Thermische Solaranlage auf einem Mehrfamilienhaus

Pufferspeicher in der Zentrale des Gebäudes

Für einen hohen Wirkungsgrad sollten die Kollektoren möglichst nach Süden ausgerichtet sein. Als elegante Alternative zu den bekannten Aufdach-Anlagen haben sich in den letzten Jahren Indach-Anlagen etabliert. Zudem braucht es im Keller genügend Platz für den Pufferspeicher. Fehlt ein geeigneter Raum dafür, lassen sich auch zwei kleinere Speicher an getrennten Orten montieren. Um die Installation der kompletten Anlage kümmert sich ein Heizungsinstallateur.

Bei Mehrfamilienhäusern empfiehlt Paul Harder, zusätzlich ein spezialisiertes Unternehmen für die Planung und die Projektleitung beizuziehen: «Die thermische Solaranlage und die Heizung sollten immer als Gesamtsystem betrachtet werden. Deshalb zahlt es sich aus, etwas mehr in Planung und Engineering zu investieren.»

 

Regelmässige Wartung

Ist die thermische Solaranlage erst einmal in Betrieb, lohnt sich eine regelmässige Wartung. Diese wird gemäss Paul Harder oft vernachlässigt: «Im schlimmsten Fall bleiben Fehlfunktionen dann über lange Zeit unentdeckt.» Bei Mehrfamilienhäusern kann der Abwart beauftragt werden, regelmässige Funktionskontrollen zu machen.

Für einen zuverlässigen Betrieb der Solaranlage sorgen eine Fernüberwachung durch den Lieferanten und ein Wartungsvertrag. Bei den jährlichen Unterhaltsarbeiten werden unter anderem der Frostschutz, die Dichtigkeit der Anlage und Komponenten wie Pumpen, Fühler und Ventile kontrolliert. Dafür genügen laut Paul Harder schon wenige Stunden pro Jahr: «Diese Kosten zahlen sich allemal aus.»

 

Konkurrenz durch Photovoltaik

So sinnvoll thermische Solaranlagen für viele Gebäude nach wie vor sind: Seit einigen Jahren haben sie einen schweren Stand. Zwar setzen immer mehr Hauseigentümerinnen und -eigentümer auf die Solarenergie. Sie entscheiden sich laut Paul Harder aber vermehrt für eine Photovoltaikanlage: «Das liegt vor allem daran, dass die Investitionen für Photovoltaikanlagen stark gesunken sind, jene für thermische Solaranlagen hingegen kaum.»

Trotz der starken Konkurrenz lohnt es sich, beim Heizungsersatz eine thermische Solaranlage als Variante zu prüfen. Verglichen mit der Kombination Wärmepumpe und Photovoltaik sprechen gleich mehrere Vorteile dafür. Erstens scheiden die beliebten Luftwärmepumpen wegen ihrer Geräuschemissionen vielerorts als Option aus. Dann bietet sich zum Beispiel eine Gasheizung mit thermischer Solaranlage als Alternative an. Zweitens funktionieren grosse thermische Solaranlagen in Mehrfamilienhäusern oft effizienter als eine Luftwärmepumpe samt Photovoltaikanlage. Und drittens erreichen thermische Solaranlagen eine hohe Wassertemperatur, während es bei Wärmepumpen häufig nur 60 °C oder sogar noch weniger sind. Das kann zu Problemen mit der Wasserhygiene führen. Denn bei zu tiefen Wassertemperaturen werden Legionellen – stäbchenförmige Bakterien im Wasser – nicht abgetötet.

Thermische Solarkollektoren an einer Gebäudefassade

 

 

Dreamteam für Solarenergie

Photovoltaik und Solarthermie kombiniert

Bildquelle: solaranlagen-portal.de

Thermische Solaranlage oder Photovoltaikanlage? Auf diese Frage gibt es heute noch eine dritte Antwort: Sowohl als auch. Denn die beiden Technologien spielen gut zusammen. «Eine dachintegrierte Kombination von Photovoltaik und Solarthermie ist eine effiziente und ästhetische Lösung», sagt Paul Harder. «Meist sieht nur eine Fachperson, dass hier zwei Arten von Solarmodulen arbeiten.»

Wer sich für eine thermische Solaranlage entscheidet, sollte sich wegen der hohen Qualität und der besseren Ökobilanz nach Schweizer Produkten erkundigen. Genau wie bei der Photovoltaik fertigen zwar immer mehr Lieferanten ihre Anlagen im Ausland.

Doch es gibt sie noch – die Hersteller, die ihre gesamte Wertschöpfungskette in der Schweiz belassen. Laut Paul Harder gehört auch die SOLTOP Schuppisser AG dazu: «Solange es wirtschaftlich geht, halten wir am Produktionsstandort Schweiz fest.»

 

Weitere Informationen zum Thema Standardlösungen der MuKEn 2014:

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