Energie 360° Logo

Eloop erfindet Carsharing neu und beteiligt Kund*innen

Eloop ist ein Carsharing-Unternehmen aus Wien mit ausschliesslich Elektroautos. Am Umsatz der Tesla-Flotte kann sich jede Person mit dem Erwerb eines weltweit einzigartigen Security-Tokens beteiligen. Die Blockchain-Technologie sorgt für Transparenz.

Publiziert 05.12.2023 Lesedauer 5 min

In jeder Grossstadt gibt es zu viele Autos und zu viele Emissionen. Mit diesem Problem konfrontiert, überlegten sich Nico Prugger und Leroy Hofer während eines Urlaubs im verkehrsgeplagten Kapstadt, wie man das Verkehrsaufkommen und damit die Emissionen in Grossstädten reduzieren kann. Und zwar mit einem Lösungsansatz, der mehr abdeckt als bisherige Konzepte. Schnell war klar: Möglichst unkompliziertes Carsharing mit ausschliesslich Elektroautos wäre ein erster Lösungsansatz. Doch wie dem Ganzen noch einen Extraschub verleihen? Zum Beispiel, indem man die Kund*innen zu Miteigentümer*innen macht und sie am Erfolg mitverdienen lässt.

Schnell wurde aus dieser Idee Ernst: Zurück aus dem Urlaub entwickelten die beiden die Idee zu einem Geschäftsmodell. Sie gründeten zusammen mit Frederic Nachbauer eine GmbH, wenig später komplettierte Maximilian Schalkhammer das junge Inhaberteam. Und 2019 lancierten sie den Carsharing-Service ELOOP (Eloop), «den ersten Carsharing-Service in Wien, der ausschliesslich auf Elektroautos setzt». Die Flotte umfasste zu Beginn 25 Elektrofahrzeuge verschiedener Marken. Nur vier Jahre später ist sie auf 200 Teslas angewachsen.

Flexibler als ein Privatfahrzeug

Ihr Anspruch ans Carsharing war klar: «Die Nutzung muss so flexibel oder besser noch flexibler sein als der Besitz eines Privatfahrzeugs. Sonst wechselt niemand», erklärt Nico Prugger den «Free-Floating-Ansatz» von Eloop. Free-Floating-Ansatz? «Vier von fünf unserer Kund*innen fahren von A nach B, nicht von A nach A. Darum müssen sie bei unserem Carsharing den Tesla nicht an eine fixe Station zurückbringen, sondern können das Auto irgendwo in der Zone abstellen, die fast ganz Wien inklusive kostenlosen Parkierens auf allen öffentlichen Parkplätzen umfasst. Wien wird so zu einer einzigen grossen Zone, von wo aus man die Autofahrt starten oder beenden kann.» Reservation, «Autoschlüssel» und Bezahlung – alles ist unkompliziert in einer App integriert und von jeder Person nach einer einmaligen Registrierung nutzbar.

Leroy Hofer ist überzeugt, dass Carsharing besser funktioniert, wenn die Autos wirklich «geteilt» werden – nämlich, indem die Kund*innen an ihrem Umsatz beteiligt werden.

  • «Unsere Kund*innen werden mit unserer Tokenisierung wirklich Teil der lokalen Mobilitätslösung.»

    Leroy Hofer

    Gründer und CEO von Eloop

  • Dank Token und Blockchain mitverdienen

    Wer will – und das ist aktuell etwa ein Drittel der Eloop-Community mit rund 100 000 User*innen – kann nicht «nur» Kund*in sein, sondern sich an der Wertschöpfungskette beteiligen und an jeder Fahrt mitverdienen. Dies ist möglich dank eines speziell entwickelten Security-Tokens, mit dem sich jede Person virtuell an der Carsharing-Flotte beteiligen kann. Die Blockchain-Technologie dahinter sorgt für volle Transparenz. Sehr vereinfacht erklärt kann sich dank des Tokens jede Person einen kleinen Teil eines Teslas aus der Flotte kaufen und verdient so bei jeder Fahrt des Autos mit. Also ein genossenschaftliches Prinzip, vollkommen digitalisiert. Möglich ist dies dank der von Eloop entwickelten Technologie, die weltweit die erste Tokenisierung von Fahrzeugen ermöglicht. Token-Halter*innen sehen jederzeit, wie weit die Autos gefahren sind und was sie an ihren Fahrten verdient haben. Der Verdienst lässt sich in verschiedenen Währungen auszahlen oder in Eloop-Fahrtguthaben umwandeln.

    «Somit ist Carsharing nicht nur ein gemeinsames Nutzen der Autos, sondern die beteiligten Kund*innen verdienen an den Autos mit», erklärt Leroy Hofer. «Ein Ansatz, der sich lohnt, denn die lokale Community wird somit wirklich Teil der lokalen Mobilitätslösung. Dies sieht man allein schon daran, wie hoch die Sorge ist, die die beteiligten Nutzer*innen zu den Autos tragen. So entsteht richtiges Carsharing in unseren Augen.»

    Token und Blockchain

    «Token» bedeutet aus dem Englischen übersetzt wörtlich «Marke» oder «Münze» und steht für einen digitalen Vermögenswert. Im Gegensatz zu einer Kryptowährung (wie Bitcoin) findet bei der Erzeugung eines Tokens kein grosser Energieverbrauch statt.

    Die Tokenisierung ist ein Prozess, der reale Gegenstände, wie ein Auto, in eine digitale Form umwandelt und auf der Blockchain abbildet. Bei Eloop wird der Anteil der Einnahmen der Tesla-Fahrzeuge in digitale Token umgewandelt, die durch die Vermietung dieser Fahrzeuge erzielt werden. Die Blockchain-Technologie bietet in der immer digitaler werdenden Welt Transparenz und Sicherheit. Sie funktioniert wie ein digitales Tagebuch, das jede Transaktion festhält, und sorgt somit für Transparenz.

    Eine zukunftsträchtige Technologie für die Nachhaltigkeit

    Der Nachhaltigkeitsgedanke steht bei Eloop weit vorne und umfasst beim Carsharing vor allem die Einsparung von CO2. Dies wurde bereits belohnt: So hat das Wiener Start-up eine Förderung vom österreichischen Bundesministerium für Tourismus und Nachhaltigkeit erhalten. Diese basiert auf der Menge CO2, die dank des Services von Eloop eingespart wurde. Davon ausgehend, dass ein Carsharing-Auto bis zu drei Privatfahrzeuge ersetzt, Eloop nur Elektroautos besitzt und die Autos nur mit Ökostrom lädt, beträgt die eingesparte CO2-Menge von 2019 bis 2023 bereits über 3000 Tonnen. «Und dies allein durch den Carsharing-Service. Mit unserer Tokenisierung möchten wir aber diversen anderen Unternehmen ermöglichen, ihre nachhaltigen Technologien zu verbreiten», blickt Leroy Hofer in die Zukunft. Und dies ist genau der Punkt, an dem Unternehmen wie Energie 360° ins Spiel kommen. Denn: Warum nicht auch Photovoltaikanlagen oder sonstige nachhaltigen Energieprodukte tokenisieren und so die Kund*innen daran beteiligen?

    «Eine Technologie mit Zukunftspotenzial», findet auch Metin Zerman, Leiter Start-up Investments bei Energie 360°: «Bei Energie 360° sind wir überzeugt von der Innovationskraft von Eloop. Ihre tokenbasierte Sharing-Plattform ist eine Pionierleistung, die weit über die Mobilität hinausgeht. Durch aktive Community-Beteiligung und dezentrale Energieerzeugung leistet Eloop einen entscheidenden Beitrag zu unseren Klimazielen. Wir freuen uns, diese transformative Reise mitzugestalten.» Zurzeit arbeiten die beiden Unternehmen daran, ein erstes Pilotprojekt mit Photovoltaik zu realisieren.

  • «Energie 360° und Eloop vereinen Energie-Know-how und Blockchain-Know-how.»

    Nico Prugger

    Gründer und CEO von Eloop

  • Nicht jede*r hat die Möglichkeit, sich eine Solaranlage aufs Dach zu bauen, aber vielleicht schon bald die Chance, sich virtuell an einer solchen zu beteiligen und somit täglich mit jedem Sonnenstrahl etwas mitzuverdienen. «Wird dies dank unserer Technologie möglich, gibt dies nachhaltigen Lösungen vielleicht einen grossen Schub», hofft Nico Prugger. «Gemeinsam mit Energie 360° vereinen wir ihr Energie-Know-how mit unserem Blockchain-Know-how. Unser Ziel ist, Unternehmen mit nachhaltigen Lösungen zu helfen, diese noch intelligenter zu machen und damit weiter voranzutreiben. Alles mit dem Ziel, immer mehr Ressourcen zu sparen.»

    Nico Prugger erhofft sich dank der Tokenisierung einen grossen Schub.

    Vom Carsharing-Start-up zum Software-Start-up

    So wurde Eloop vom Carsharing-Start-up zum Software-Start-up. Der Fokus liegt neben dem E-Carsharing-Service in Wien zurzeit darauf, die Tokenisierungstechnologie international zu vertreiben. «Wir wollen die echte Welt mit der digitalen Blockchain verbinden und damit Menschen ermöglichen, sich ganz einfach an innovativen, nachhaltigen Lösungen zu beteiligen», schildert Leroy Hofer die Vision von Eloop.

  • «Die tokenbasierte Sharing-Plattform ist eine Pionierleistung, die weit über die Mobilität hinausgeht.»

    Metin Zerman

    Leiter Start-up Investments bei Energie 360°

  • Corporate Venture Capital: das Beste aus zwei Welten

    Der Smart Energy Innovationsfonds von Energie 360°ist ein Corporate-Venture-Capital-Fonds, der die Innovationskraft eines etablierten Unternehmens durch Kollaborationen mit Start-ups stärkt. Energie 360° spricht Corporate Venture Capital, um an Zukunftstechnologien zu partizipieren und Talente kennenzulernen. Die Start-ups ihrerseits erhalten – neben Kapital – Zugang zum Netzwerk und der Erfahrung von Energie  360°.

    Meilensteine von Eloop

    2017

    Leroy Hofer und Nico Prugger entwickeln die Idee, ein emissionsfreies Mobilitätskonzept mit geteilten Ressourcen auf die Beine zu stellen. Noch im selben Jahr gründen sie mit zwei weiteren Partnern eine GmbH.

    2018

    Bereits bei der Anfangsfinanzierung steht der Community-Gedanke im Vordergrund und die Gründer führen ein erfolgreiches Crowdinvesting durch. Im Dezember verfügt das Unternehmen über das erste Elektroauto.

    2019

    Der E-Carsharing-Service Eloop ist in Wien lanciert. Zur Flotte gehören 25 Elektroautos verschiedener Marken.

    2020

    Der Eloop One Token ist entwickelt und damit weltweit die erste Tokenisierung, mit der man sich an den Umsätzen einer E-Carsharing-Flotte beteiligen kann.

    2021

    Die Carsharing-Flotte besteht aus 100 Teslas.

    2023

    Die Firma zählt 25 Mitarbeitende und verfügt über eine Carsharing-Flotte von 200 Teslas. Mit Kooperationen macht Eloop die Tokenisierungstechnologie für andere nachhaltige Anwendungen zugänglich.

    Das könnte Sie auch interessieren

  • E-Ladeinfrastruktur neu gedacht

    Das Start-up Service4Charger hat neuartige Ansätze, um den Bau der Ladeinfrastrukturen für E-Autos voranzutreiben – etwa eigens ausgebildete Fachkräfte. Energie 360° unterstützt mit dem Smart Energy Innovationsfonds.

    Beitrag lesen
  • Die Mehrfachsteckdose für Elektrofahrzeuge

    Das deutsche E-Mobility Unternehmen ChargeX hat ein Ladesystem entwickelt, das die einfache Installation einer erweiterbaren Ladeinfrastruktur ermöglicht. Intelligentes Lademanagement inklusive.

    Beitrag lesen
  • Innovatives Flottenmanagement

    Fahrzeuge von Carsharing-Anbietern sind selten da, wo die Kund*innen sie benötigen. Das Start-up Ubiq hat eine innovative Lösung für das Problem gefunden.

    Beitrag lesen
  • Neues Leben für ausgediente Batterien

    Dank seiner dynamischen Speichertechnologie kann das Münchner Start-up Stabl Energy Batterien von E-Autos effizient und lukrativ wiederverwenden.

    Beitrag lesen
  • Agrivoltaikanlagen von Insolight

    Insolight entwickelt Solarmodule für die Landwirtschaft. Die Agrivoltaikanlagen fördern das Wachstum der Pflanzen und produzieren Energie.

    Beitrag lesen
  • iLocator erschafft digitalen Zwilling

    Mit iLocator können Städte ihre Infrastruktur digitalisieren und so Kosten und Ressourcen sparen. Wir unterstützen das innovative Start-up durch den Smart Energy Innovationsfonds mit Venture Capital.

    Beitrag lesen
  • Batterielose IoT-Geräte dank Solarfolien

    Enerthing möchte das Internet der Dinge unabhängig von Einwegbatterien machen. Dafür hat das Start-up Photovoltaikfolien entwickelt, die aus künstlichem Tageslicht Strom produzieren.

    Beitrag lesen
  • Redox-Flow-Batterien von Voltstorage

    Die Speichertechnologie von Voltstorage braucht keine seltenen Rohstoffe, ist ökologisch unbedenklich und hat eine vielfach längere Lebensdauer als herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus.

    Beitrag lesen
  • Ultraschallkamera gegen Gaslecks

    Die Weltneuheit des Cleantech-Start-ups Distran erkennt undichte Stellen in Rohrleitungen. Wir unterstützen das ETH-Spin-off durch unseren Smart Energy Innovationsfonds mit Venture Capital.

    Beitrag lesen