Die Gas-Wärmepumpe – eine gute Wahl für Mehrparteienhäuser

Wärmepumpen geniessen viel Sympathie. Sie nutzen kostenlose erneuerbare Umgebungsenergie aus Boden, Luft oder Wasser. Was weniger bekannt ist: Die restliche Energie muss nicht zwingend in Form von Strom zugeführt werden. Eine sinnvolle Alternative sind Gas-Wärmepumpen, vor allem für Mehrparteienhäuser.

Wer eine bestehende Gasheizung wieder durch eine zukunftssichere Lösung mit Gas ersetzen möchte, hat gleich mehrere Möglichkeiten. Acht der elf Standardlösungen der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2014) lassen sich mit Gas als Energieträger realisieren. Dazu gehört die Gas-Wärmepumpe.

Genau wie die mit Strom betriebene Wärmepumpe nutzt die Gas-Wärmepumpe eine erneuerbare und kostenlose Umgebungsenergie. In der Regel empfiehlt sich Erdwärme, die mit einer Erdsonde gewonnen wird.

Die Gas-Wärmepumpe verdichtet diese Wärme von einer niedrigen auf eine höhere Temperatur, sodass sich damit heizen lässt. Als Verdichter dient ein Gasbrenner, der auch mit Biogas betrieben werden kann. Dadurch kommt noch mehr erneuerbare Energie zum Einsatz.

Schnittbild Gaswärmepumpe

Eine Gaswärmepumpe entnimmt der Umgebung die Wärme und gibt diese als Heizenergie an den Heizkreislauf ab. Bildquelle: Bosch Thermotechnik GmbH, Buderus Deutschland

Weniger Umweltenergie nötig

Gas-Wärmepumpen empfehlen sich vor allem bei der Heizungssanierung in älteren, schlecht gedämmten Häusern. Solche Gebäude benötigen beim Heizen eine hohe Vorlauftemperatur, die sich mit Strom-Wärmepumpen nicht immer erreichen lässt, wohl aber mit Gas-Wärmepumpen. Diese benötigen im Vergleich weniger Umweltwärme. Deshalb genügt zum Beheizen von grossen Mehrparteienhäusern bei der Gas-Wärmepumpe eine kleinere Zahl von Erdsonden als bei der Strom-Wärmepumpe. Auch wenn die Tiefe der Erdsonden wegen Grundwasser beschränkt werden muss, sind Gas-Wärmepumpen oft die sinnvollere Lösung. Nicht zuletzt können sie sich finanziell lohnen, weil Gas zum Heizen günstiger ist als Strom. Zudem genügt für eine Strom-Wärmepumpe manchmal die vorhandene Stromanschlussleistung nicht. Statt den Anschluss teuer zu verstärken, fährt man mit einer Gas-Wärmepumpe günstiger – sofern bereits ein Gasanschluss besteht.

Heizzentrale mit Gaswärmepumpe

Eine Gaswärmepumpe kann bis zu 40 Prozent des täglichen Energiebedarfs durch Umweltwärme aus Luft, Boden, Wasser oder Sonne abdecken.

Ein weiteres Entscheidungskriterium ist die Grösse des Gebäudes. «Wir empfehlen Gas-Wärmepumpen vor allem bei Mehrparteienhäusern ab etwa sechs Wohneinheiten und bei Gewerbebetrieben, aber weniger bei Einfamilienhäusern», sagt Andreas Peter, Experte für Anwendungstechnik beim Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW). «Denn kleine Anlagen mit der für Einfamilienhäuser passenden Leistung gibt es noch nicht.» Wie bei Strom-Wärmepumpen wird die Heizenergie bei Gas-Wärmepumpen idealweise über die Bodenheizung abgegeben. Doch auch Heizsysteme mit Radiatoren sind möglich.


Bewährte Technik

Damit Gas-Wärmepumpen als Standardlösung der MuKEn 2014 anerkannt werden, müssen sie einen Wirkungsgrad von mindestens 120% aufweisen – laut Andreas Peter kein Problem: «Einige Gas-Wärmepumpen erreichen sogar einen Wirkungsgrad bis 170%, also viel mehr als eine konventionelle Gasheizung. Die Kombination von Umweltenergie und Gas sorgt für einen reduzierten CO2-Ausstoss.» Konkret liefert die Umweltwärme etwa 30% der insgesamt benötigten Energie. Das Gas für den Gaskessel macht rund 70% aus.

In der Schweiz laufen zurzeit zwischen 80 und 100 Gas-Wärmepumpen. «Sie bewähren sich im Alltag gut und erfordern einen geringen Wartungsaufwand», weiss Andreas Peter. Hierzulande ist allerdings der Vertrieb die Achillesferse der Gas-Wärmepumpen. Einheimische Hersteller gibt es nicht. Und die ausländischen Produzenten ziehen für den Import die Strom-Wärmepumpe vor. Deshalb sind über ihren Vertrieb in der Deutschschweiz momentan keine Gas-Wärmepumpen erhältlich.

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