Feuer unter Eis

Isländerinnen und Isländer sitzen auf heissem Untergrund. Diesen Umstand weiss die Insel für eine nachhaltige Energieproduktion einzusetzen: Kein anderes Land nutzt Erdwärme intensiver als Island.

In den warmen Quellen Islands lässt es sich auch wunderbar baden.

Auf Island ist alles ein bisschen anders als anderswo, und das gilt nicht nur für den Jubel im Stadion bei den Auftritten der Fussballnationalmannschaft. Im Grossraum der Hauptstadt Reykjavík, wo etwa zwei Drittel aller Isländerinnen und Isländer leben, sind viele Strassen und Trottoirs beheizt. Das liegt natürlich nicht daran, dass die Isländer verwöhnte «Gfrörlis» sind. Vielmehr durchziehen etwa 30 Vulkansysteme die Insel. Die Oberfläche «schwimmt» auf Magmaseen und heissen Quellen. Diese natürliche Wärme wird genutzt – und wie! Island ist heute weltweit die Nummer eins bei der Nutzung von Erdwärme. Deshalb ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass das Land in Sachen Forschung zur Geothermie führend ist.

100 % erneuerbare Energie

Fünf geothermale Kraftwerke liefern die Energie für Heizung und Warmwasser für rund 90 % aller Haushalte. Ergänzt mit Elektrizität aus Wasserkraft ist Island in der glücklichen Lage, 100 % seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen decken zu können. Rund sechs Rappen bezahlen die Isländerinnen und Isländer für eine Kilowattstunde; nirgendwo sonst in Europa ist der Strom so günstig. Darüber hinaus profitieren die Menschen von den warmen Quellen und Bädern im ganzen Land, eine Wohltat für Haut, Gelenke und das allgemeine Wohlbefinden.

Alles gut also auf der Insel? Nicht ganz. Denn die billige Energie zieht energieintensive Industrien an. So sind im Lauf der Jahre vier grosse Aluminiumwerke entstanden, weitere sind in Planung. Das schafft Arbeitsplätze: Neben der Fischerei und dem Tourismus ist die Aluminiumproduktion das dritte Standbein der isländischen Wirtschaft. Weil die Werke mit ihren Infrastrukturen allerdings bisher unberührte Landschaften zerstören, gibt es zahlreiche kritische Stimmen. So kämpft etwa Björk, die bekannteste Musikerin des Landes, für den Erhalt der Natur in ihrer nordischen Heimat.

Lokale Energiequellen in der Schweiz

Ist die Schweiz auch nicht Island, gibt es dennoch Möglichkeiten, die Energie aus unserer Umwelt zu nutzen. Erfahren Sie, welches Potenzial es in der Schweiz gibt, und wo die Herausforderungen liegen.

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