Nachhaltig gegen Food Waste – mit Apfelsaft von Gartengold

Nachhaltiger Apfelsaft von Gartengold aus der Ostschweiz ist alles andere als ein herkömmliches Industriegetränk. Gartengold besteht aus ungenutzten Äpfeln aus privaten Gärten. Zu Besuch bei der Ernte im Thurgau.

«Achtung!», ruft Domenik Gantner und setzt mit seinem langen Schüttelhaken in der Baumkrone an. Er rüttelt einige Male zackig an einem Ast. Dutzende Äpfel purzeln auf die grüne Plane, die feinsäuberlich um den Stamm platziert liegt. «Die Guten kommen in die farbigen Körbe, die Schlechten dort in die Harasse», erklärt Domenik. Der junge Mann ist schon einige Jahre für Gartengold im Einsatz. An diesem strahlenden Herbstnachmittag im September, befindet sich sein Arbeitsplatz auf der Wiese eines kleinen Pferdehofs in Hüttlingen, nahe Frauenfeld. Domenik ist geistig beeinträchtigt, genauso wie seine Erntegspändli von Valida, einem sozialen Unternehmen aus der Ostschweiz. Gemeinsam erfüllen sie eine wichtige Aufgabe innerhalb des nachhaltigen Gartengold-Projekts: Sie sammeln die Äpfel ein. Äpfel, die sonst einfach auf der Wiese verfaulen würden.

Mag Eistee, «Hahnenburger» und natürlich Gartengold: Erntehelfer Domenik Gantner.

Mag Eistee, «Hahnenburger» und natürlich Gartengold: Erntehelfer Domenik Gantner.

 

Apfelsaft von Gartengold: Nachhaltig und wirtschaftlich

Gartengold-Geschäftsführerin Ann Kristin Seige

«Die schönsten Wochen des Jahres»: Auch Gartengold-Geschäftsführerin Ann Kristin Seige hilft mit.

Schweizweit gibt es unzählige Apfelbäume, die nicht geerntet werden. Eine besondere Art von Food Waste: «Manchen Besitzern fehlt die Zeit oder die Energie, diese Äpfel zu pflücken», sagt Ann Kristin Seige, Geschäftsführerin von Gartengold. «Zudem ist der Ertrag von alten Hochstammbäumen oft eher klein.» Gut für Gartengold, denn genau darauf baut ihre Geschäftsidee, nämlich: Möglichst viele Äpfel in der Ostschweiz zusammenzutragen und daraus Saft zu pressen. Saft with a Mission. «Wir machen aus ungenutzten Ressourcen ein qualitativ hochstehendes Produkt.» Gartengold besteht zu 100 Prozent aus ungespritzten Schweizer Äpfeln. «Die Zusammensetzung aus alten und seltenen Sorten, macht unseren Saft einzigartig», sagt Seige. Nach der Ernte werden die Äpfel in der Mosterei Kobelt im sankt-gallischen Marbach gereinigt, direktgepresst und abgefüllt. Das Produkt ist in Form von Saft, Schorle und Cider erhältlich – in Restaurants, bei Getränkehändlern, Feinkostläden oder online. Das Resultat der letztjährigen Ernte: 100 Tonnen Äpfel, zirka 75 000 Liter Saft.

 

Begegnungen unter Bäumen

Manfred Siegrist koordiniert die Ernteeinsätze von Gartengold. Siegrist ist Fachperson für Arbeit und Integration bei der Valida, die nebst zwei weiteren sozialen Unternehmen, den Grossteil der Arbeitskräfte für die Ernte stellt. «Draussen auf der Wiese zu arbeiten, ist für uns alle eine willkommene Abwechslung», sagt er. «Die stärkeren Mitarbeiter schütteln die Bäume, jene, die nicht so beweglich sind, sammeln die Äpfel ein – jeder in seinem Tempo.» Der soziale Gedanke ist wie die Nachhaltigkeit ebenfalls einer der Grundpfeiler von Gartengold. Denn nebst der sinnvollen Beschäftigung für geistig beeinträchtigte Menschen, kommt es unter Apfelbäumen zu Begegnungen, die so sonst nicht stattfinden würden. «Manchmal helfen die Baumbesitzer mit oder Volunteers arbeiten vor Ort, Mitarbeitende von Firmen, die einen Freiwilligeneinsatz leisten.» Bunt zusammengewürfelte Ernte-Teams also, die alle das gleiche Ziel verfolgen: Möglichst viele Äpfel für möglichst viel Gartengold einzusammeln.

Manfred Sigrist von Valida koordiniert die Ernteeinsätze

Manfred Siegrist von der Valida koordiniert die Ernte von etwa 700 Ostschweizer Apfelbäumen.

 

 

Motiviert und erfrischt

Erntehelferin Angela Köhler

Äpfel ernten und Sonne tanken: Angela Köhler mag es, draussen zu arbeiten.

An diesem Nachmittag sind in Hüttlingen über dreissig Apfelbäume «fällig». Die grosse Sammelmulde füllt sich langsam mit Äpfeln. Erntehelferin Angela Köhler ist begeistert von der Arbeit und auch nach zwei Stunden noch motiviert. «Drinnen im Büro ist es zwar auch schön, da stellen wir Industrieteile her oder verschicken Briefe. Aber hier draussen kann man Sonne tanken, das gefällt mir.» Das Wetter, die Abwechslung und das Teamwork scheinen tatsächlich allen Beteiligten gut zu tun. Genauso wie der kräftige Schluck Apfelsaft, den sich Angela in einer kurzen Pause gönnt. «Gartengold schmeckt mir. Meinem Papi auch.» Und Ihnen?

 

Faktencheck: Gartengold – Saft with a Mission

Gartengold orientiert sich nach dem «Triple Bottom Line»-Prinzip. Es geht ums gleichzeitige Erreichen von drei gleichberechtigten Zielen:

  • Soziales Ziel: Sinnvolle Beschäftigung für geistig beeinträchtigte Menschen.
  • Ökologische Ziele: Alte Hochstammbäume erhalten und damit seltene Obstsorten schützen. Gleichzeitig ein nachhaltiges Zeichen setzen gegen Food Waste.
  • Wirtschaftliches Ziel: Umsatzwachstum anstreben, um mehr Bäume ernten und mehr saisonale Arbeitsplätze bieten zu können.
Apfelkorb von Gartengold

Gartengold hat 2018 aus 100 Tonnen Äpfel zirka 75 000 Liter Saft gepresst.

 

 

Nachhaltigkeit einfach möglich machen

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Ein Thurgauer Unternehmen macht aus dem Brot, das bei Ladenschluss in Bäckereien übrig bleibt, frisches Bier. Prost

Bread Beer kennen lernen

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Comments

  1. Avatar Amberg Otto sagt:

    Bitte nehmen sie Kontakt auf mit dem Golfclub Rheinblick. Auf dessen Gelände verfaulen jährlich an dutzenden Apfelbäumen die Äpfel. Bin sicher, dass ihre Idee hier was bringt.
    Vielen Dank