«Damit gelangt kein Erdgas mehr unnötig in die Atmosphäre»

Bei Arbeiten an Gasleitungen wird das im betroffenen Abschnitt vorhandene Erdgas üblicherweise in die Atmosphäre abgegeben. Nicht so bei Energie 360°. Kay Kemmer, Teamleiter Netzbau, hat gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Edeling ein umweltschonenderes Verfahren entwickelt.

Kay Kemmer von Energie 360° mit Schutzweste und Bauhelm vor dem Limmatsteg bei der Kornhausbrücke in Zürich

Was ist rund 1900 Kilometer lang und unsichtbar? Das Gasnetz von Energie 360°. Die fast 2000 Kilometer entsprechen zirka der Länge der Schweizer Aussengrenze. «Etwa ein Drittel sind Transportleitungen, der Rest sind Mittel- und Niederdruckleitungen für die Feinverteilung in Zürich und rund 40 Aussengemeinden», sagt Kay Kemmer, Teamleiter Netzbau bei Energie 360°. Das Netz ist unterirdisch verlegt oder oberirdisch versteckt, zum Beispiel in Brücken, wenn es darum geht, Hindernisse wie die Limmat zu überwinden. Fallen Leitungsarbeiten an, braucht es eine sorgfältige Vorgehensweise. Der entsprechende Abschnitt wird beidseitig vollständig geschlossen – was in der Fachsprache abgeschiebert genannt wird – und danach für die Arbeiten freigegeben. Im Inneren befindet sich Erdgas, das grösstenteils aus Methan besteht und dabei üblicherweise entweder in die Atmosphäre abgefackelt oder ausgeblasen wird. Das entspricht der gängigen Praxis. Für Kemmer sind beide Varianten unbefriedigend. «Deshalb haben wir Lösungen gesucht, um das Gas aufzufangen und wiederzuverwenden. Mit dem Ziel, dass das Erdgas eben nicht unnötig in die Atmosphäre gelangt.»

 

Kay Kemmer von Energie 360° mit Schutzweste und Bauhelm auf einer Baustelle bei der Kornhausbrücke in Zürich

Kay Kemmer bei den Leitungsarbeiten in der Nähe des Zürcher Limmatplatzes. Im Hintergrund: die Kornhausbrücke.

Umweltfreundlichkeit an erster Stelle

Bei den Arbeiten, die Energie 360° im Frühling am Zürcher Sihlquai durchführt, geht es um die Ausserbetriebnahme einer Leitung in der Nähe des Limmatplatzes. «Wir mussten neue Mitteldruckleitungen verlegen. Diese verbinden Oerlikon mit dem Stadtzentrum», sagt Kay Kemmer. Die Leitungen verlaufen durch die Kornhausbrücke über die Limmat. «Wir nehmen die alte Rohrleitung beim Lettensteg vom Netz und schliessen die neue an.» Bei endgültigen Ausserbetriebnahmen von Gasleitungen lautet die Vorschrift, das vorhandene Gas komplett auszubringen und die Leitungen zu spülen. In diesem Fall geht es um einen rund 500 Meter langen Abschnitt, der knapp 7,5 Kubikmeter Erdgas enthält. Zum Vergleich: Ein Haushalt mit Erdgasheizung verbraucht jährlich rund vierzigmal mehr Gas. «Wir von Energie 360° wollen unseren ökologischen Fussabdruck laufend verringern. Deshalb geben wir auch kleine Gasmengen nicht einfach in die Atmosphäre ab.» Und genau das gelingt mit einer Innovation, die Kemmer und sein Team vor einigen Jahren lanciert haben.

 

 

So bleibt das Erdgas erhalten

Es gibt zwei Möglichkeiten, die wesentlich umweltfreundlicher sind als das bereits erwähnte Ausblasen oder Abfackeln von Erdgas. «Wenn sich die Leitungen über zwei vorhandene Stutzen verbinden lassen, pumpen wir das Gas aus dem abgesperrten Teilabschnitt in den nächsten», sagt Florian Edeling vom deutschen Ingenieurbüro Edeling. Am Sihlquai aber kommt die zweite Variante zum Zug. «Hier pressen wir das Gas aus der ausgedienten Leitung in eine Flaschenbatterie.» Dazu braucht es einen Verdichter, einen Druckminderer und ein Flaschenbündel. «Über eine Anbohrschleuse verschaffen wir uns Zugang zum Rohrinhalt. Die Schlauchverbindung führt über einen Druckminderer zum Verdichter», erklärt Edeling. «Von dort aus gelangt das Gas zur Zwischenspeicherung in die Flaschen, bis es wiederverwendet wird.» Der Ingenieur hat das Verfahren gemeinsam mit Kay Kemmer entwickelt und getestet. «Vor zwei Jahren hatten wir den ersten Einsatz. Inzwischen haben wir das System verfeinert – es funktioniert grundsätzlich gut.» In diesem Fall konnten durch das Verfahren – im Vergleich zum Abfackeln – rund 200 Kilogramm CO2 eingespart werden. Bei künftig 10 bis 15 Anwendungen pro Jahr kommt eine beträchtliche Menge zusammen.

 

 

Das System könnte Schule machen

Auch Kay Kemmer von Energie 360° ist überzeugt von der Innovation, mit der das Unternehmen eine Vorreiterrolle übernimmt. «Das Thema beschäftigt viele andere Gasversorgerinnen und Gasversorger ebenfalls», sagt er. «Wir teilen unsere Erfahrungen und unser Wissen gerne. Wer weiss, vielleicht lassen sich im Austausch mit anderen Werken noch bessere Lösungen finden.» Gefährlich ist der Einsatz zur Emissionsminderung zwar nicht – «der Umgang mit Gas ist letztlich unser Tagesgeschäft» –, aber etwas effizienter dürfte das System schon noch werden. Der Faktor Zeit spielt eine wichtige Rolle. «Je länger ein Leitungsabschnitt ausser Betrieb ist, desto grösser ist die Gefahr eines möglichen Versorgungsunterbruchs in den angeschlossenen Gebieten. Das darf nicht sein.» Genauso, wie es nicht sein darf, dass Methan unnötigerweise einfach der Atmosphäre abgegeben wird. Aber Energie 360° hat darauf eine überzeugende Antwort gefunden. Eine, die den ausgeprägten Nachhaltigkeitsgedanken des Unternehmens deutlich unterstreicht.

 

Kay Kemmer, Teamleiter Netzbau Energie 360°

 

Wir teilen unsere Erfahrungen und unser Wissen gerne mit anderen Gasversorgerinnen und Gasversorgern.

Kay Kemmer, Teamleiter Netzbau Energie 360°

Wo Nachhaltigkeit wirklich gross geschrieben wird

Bei Energie 360° als Energie- und Mobilitätsdienstleisterin zählt nicht nur der möglichst geringe ökologische Fussabdruck der Kundinnen und Kunden, sondern auch der eigene Energieverbrauch. Erfahren Sie in unserem Nachhaltigkeitsbericht, welche Bemühungen, Innovationen und Ziele dabei im Vordergrund stehen.

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