Frisches Bier aus hartem Brot

Jedes vierte Brot bleibt nach Ladenschluss im Regal liegen. Ein Thurgauer Unternehmen entwickelte daraus eine Geschäftsidee: Es produziert aus hartem Brot frisches Bier. Das ökologische Bier schont die Umwelt.

Aus altem Brot entsteht frisches Bier (Bild: Damn Good Food & Beverages AG)

Vom Saatkorn bis zum knusprigen Brot ist es ein langer Weg. Und nicht jedes Brot landet dann auch auf dem Tisch: Jedes vierte bleibt nach Ladenschluss im Regal liegen. Es ist somit dem Abfall geweiht. Dominic Meyerhans, Inhaber der Meyerhans Mühlen AG in Weinfelden und Gründer der jungen Firma Damn Good Food & Beverages AG, sagt: «Die Konsumenten sind es gewohnt, zu jeder Tageszeit eine grosse Auswahl an frischem Brot kaufen zu können. Darum bleibt in den Bäckereien nach Ladenschluss viel übrig.» Gegen diese Verschwendung kämpft Meyerhans an – und stellt aus hartem Brot Bier her. Dieses wird unter dem Namen Bread Beer verkauft. Meyerhans: «Es ist schade um das Brot und die Ressourcen, die sonst verloren gehen würden.» Mit Bread Beer verkleinern sie die Verschwendung von Lebensmitteln. Und das schont die Umwelt.

Brot aus Schweizer Bäckereien

Für ihr Bier verwenden die Damn Good Food & Beverages AG das übrig gebliebene Brot aus Schweizer Bäckereien. Dieses wird in der Mühle in Villmergen zunächst zu Croûtons geschnitten, dann getrocknet, zu Brotkrümeln vermahlen und auf ihre Qualität und Feuchtigkeit analysiert. Das Einsammeln des Brotes ist kein Mehraufwand, sagt Meyerhans: «Es sind Rückfahrten von Mehlauslieferungen, die sowieso stattfinden.» Ob da noch einige Brote mitfahren oder nicht, mache keinen Unterschied.

Vom Brösmeli zum Bier

Diese Brotkrümel vermischen die Brauer der Brauerei Locher in Appenzell dann wie beim herkömmlichen Bier in einem Kessel mit Quellwasser, Hefe, Hopfen und Gerstenmalz. Zu Beginn gab es beim Brauen noch einige Schwierigkeiten, weil sich die Brotkrümel anders verhalten als Gerstenmalz. Sie verstopften den Ausfluss des Tanks. Nach einigen Anpassungen ist dieses Problem aber gelöst. Auch am Geschmack und der Mischung tüftelten die Macher von Bread Beer zusammen mit den Brauern.

Die Brösmeli ersetzen ein Drittel des Gerstenmalzes, 100 Liter Bier enthalten acht Kilogramm Brot. Das schont die Umwelt: Es muss weniger Gerste gepflanzt, bewässert, geerntet und verarbeitet werden. Das Brot liefert als Sekundärrohstoff die nötigen Ingredienzen. Während das Brot aus Primärrohstoffen besteht, das heisst, aus natürlichen Ressourcen entsteht, wird der Laib selbst als Sekundärrohstoff wiederverwertet. Das spart Ressourcen in Form von Gerste, Ackerfläche, Wasser – und Zeit.

Energie aus nachhaltigen Quellen

Auch bei der Verarbeitung achten die Gründer von Bread Beer auf einen ökologischen Umgang: Für das Trocknen des Restbrotes verwenden sie Erdgas oder Energie, die aus einer Biogasanlage stammt. Letztere produziert Energie aus Getreidereinigungsabggängen oder aus Hackschnitzeln aus lokaler Produktion.

 

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