«Neues entsteht durch ungeahnte Wendungen»

Dominique Gisin holte Abfahrts-Gold bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Sie hat ausserdem einen Hochschulabschluss in Physik. Mit Bewegung kennt sich die Engelbergerin also gleich doppelt aus.

Dominique Gisin

Dominique Gisin

Wie hält sich die ehemalige Weltklasse-Skiathletin Dominique Gisin heute körperlich in Schuss?
Mittelprächtig. Denn es geht ja stetig bergab mit meiner Fitness. (Lacht herzhaft.) Wenn du einmal Sport auf Spitzenniveau betrieben hast, ist alles irgendwie zu wenig. Ich bleibe dran, nur lockerer als früher: Skifahren im Winter, Biken im Sommer und Yoga das ganze Jahr. Auch Windsurfen oder Klettern, wenn mich jemand anfeuert.

An innerem Feuer mangelt es Ihnen nicht. Sie sind Physikerin und Pilotin. Und betätigen sich als Botschafterin, Referentin, Buchautorin und Coach. Sind Sie eine Getriebene?
Rastlos fühle ich mich nicht, aber ein innerer Antrieb ist immer da. Nur kann der verschiedene Auslöser haben. Neues in meinem Leben entsteht oft durch ungeahnte Wendungen. So begann ich mit der Fliegerei, als Verletzungen mich sportlich zurückwarfen. Und meine Referate kamen durch Feedbacks aus der Bevölkerung zustande.

Lässt sich Bewegung auf einen physikalischen Vorgang reduzieren oder steckt mehr dahinter?
Die Gesetze der Physik liefern praktisch für jede Manifestation von Bewegung eine Erklärung. Aber wie spielen etwa bei Lebewesen Hormone und chemische Abläufe in diesen Bereich hinein? Oder Schwingungen? Die Quantenmechanik? Da bleibt noch so viel zu entdecken.
Fortbewegung bedeutet immer auch Verbrauch von Energie, die mehr oder weniger ökologisch bereitgestellt wird. Die Elektrifizierung der Transportmittel ist ja in vollem Gang, und die allgemeine Aufbruchstimmung gefällt mir. Allerdings gibt es in Forschung und Entwicklung noch einiges zu tun. Ein Knackpunkt ist zum Beispiel die Energiedichte. Deshalb verfolge ich gerade in der Fliegerei die Fortschritte des Elektroantriebs mit grosser Spannung.

Wie bringt man Sie dazu, sich für längere Zeit am selben Ort aufzuhalten?
Ganz leicht, denn ich bin extrem gern daheim in Engelberg. Die Berge bilden Fixpunkte der Orientierung für mich, ihre Ausstrahlung gibt mir Geborgenheit.

Dominique Gisin (35) gewann bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi die Goldmedaille in der Abfahrt. Die Engelbergerin hat einen Hochschulabschluss in Physik und repräsentiert die Stiftung Schweizer Sporthilfe, wo sie sich für die individuelle Förderung junger Talente einsetzt.

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