Spätherbstbad im Zürichsee? Sicher doch!

Klar, in der Sommerhitze ist ein Bad im Zürichsee die schönste Erfrischung. Doch auch bei kälteren Temperaturen steigen Menschen freiwillig ins Wasser. Peter Brönnimann ist einer von ihnen. Wir haben uns mit ihm in den herbstlichen See gestürzt.

Peter Brönnimann steht in der Badehose mit oranger Schwimmboje und roter Badekappe auf einem Sprungbrett am Zürichsee.

Peter Brönnimann und ich haben in der Badi Tiefenbrunnen in Zürich abgemacht. Es ist 7.30 Uhr an einem Spätherbsttag. Wiederkehrende Regenschauer verwandeln Teile der Wiese in ein Schlammfeld, während der eisige Wind die Wellen ans Steinufer peitscht. Das fängt ja gut an. Leicht verunsichert mache ich mich bereit. Von Jeans und Daunenjacke auf Badehose und oben-ohne in unter zehn Sekunden. In dieser Disziplin wäre mir eine Medaille sicher.

 

Peter Brönnimann in blauer Regenjacke zeigt die Lampe an einer orangen Schwimmboje.

Peter Brönnimann erklärt den Nutzen der orangen Schwimmboje: man kann sich an ihr festhalten und wird besser gesehen.

Brönnimann scheint meine Gedanken lesen zu können: Zu meiner Beruhigung drückt er mir eine leuchtend orange Schwimmboje in die Hand und gibt mir ein paar Tipps: schnell reingehen, in Bewegung bleiben, ruhig und regelmässig atmen. Ich bleibe skeptisch. Dann steigen wir die Treppe hinunter ins Wasser…

 

300 Kilometer pro Jahr

Für Peter Brönnimann ist das hier normal. Denn er ist begeisterter Winterschwimmer. Das heisst, er geht fast jeden Tag schwimmen, egal wie kalt Wasser und Luft sind. Pro Jahr lässt er gerade mal um die zehn Tage aus. So schwimmt er jährlich um die 300 Kilometer, eine Strecke wie von Zürich nach Frankfurt.

 

Zwei Menschen schwimmen mit Schwimmbojen im kalten Zürichsee, im Hintergrund ein Floss und das Zürichseeufer.

Brönnimanns Kolleginnen, die «Eisbären Stäfa», stürzen sich unerschrocken ins kühle Nass.

Aber wieso tut er das? Für Brönnimann ist das Kaltwasserschwimmen im Zürichsee und auch andernorts eine Art Therapie: «Der Stress an der Arbeit ist plötzlich weg, wenn dir vier Grad kaltes Wasser beim Schwimmen fast den Atem raubt.» Stress bekämpft er also mit noch grösserem Stress.

Und genau so geht es mir in dem Moment, als ich mich in den See wage. Für wenige Sekunden bleibt mir fast die Luft weg. Mein Körper schreit: Geh gefälligst wieder raus, zieh dir eine warme Jacke an! Peter hingegen bleibt ganz entspannt. Und er hat Pläne: «Lass uns zum Floss rüberschwimmen». Ich gehorche, bewege meine halb gelähmten Arme und Beine, um sowas wie einen Brustschwumm hinzubekommen. Das Wasser fühlt sich an wie Tausende kleine Nadelstiche auf der Haut.

 

Heute ist der Zürichsee «milde dreizehn Grad warm», wie Peter Brönnimann es ausdrückt. Er findet es spannender, wenn das Wasser kälter ist. «Schwimmen im Sommer ist langweilig.» Ein Bild auf seinem Instagram-Profil zeigt ihn beim Sprung ins Wasser – der Zürichsee ist es nicht, denn im Hintergrund erheben sich die schneebedeckten Berge von Spitzbergen. «Das Wasser hatte da 1 °C», erklärt Brönnimann. Nach dem Schwimmen im kalten See fühle er sich voller Energie und wach. Auch das ist ein Grund, weshalb sich der Stäfner Tag für Tag in den Zürichsee wirft.

 

Acht Minuten im Zürichsee

Beim Floss angekommen klettern Peter und ich auf die Holzlatten, posieren kurz für ein Foto und machen uns per Kopfsprung auf in Richtung Boje. Nach einer kurzen Verschnaufpause schwimmen wir zurück ans Ufer. Nach gerade mal acht Minuten verlasse ich das Wasser, renne zu meinem rettenden Badetuch und den wärmenden Kleidern. Selten habe ich Pulii, Socken und Mütze so sehr geschätzt.

Peter dreht noch eine Runde im See. Ist ja auch mild. Seine Faustregel: «Anzahl Grad gleich Anzahl Minuten, die ich drinbleibe». Seine zwei Kolleginnen, die uns begleiten, sind härter im Nehmen. Erst letztens haben sie den Zürichsee vom Utoquai aus zweimal überquert. Dafür haben sie 50 Minuten gebraucht. Doch solche Leistungen brauchen Training. Trotzdem: Peter nimmt Temperatur ganz normal wahr, wie er beteuert. «Aber mit der Zeit weisst du, wie dein Körper auf die extreme Kälte reagiert und kannst damit umgehen.»

 

Peter Brönnimann springt per Kopfsprung vom Floss in den Zürichsee.

Per Kopfsprung bringt Peter Brönnimann die ersten Meter zwischen Floss und Boje hinter sich.

Fit und voller Energie

Wer das Winterschwimmen selber ausprobieren möchte, sollte sich an ein paar Ratschläge halten. Peter Brönnimann: «Es empfiehlt sich, warme Kleidung dabeizuhaben und sie vor dem Schwimmen so bereitzulegen, dass man nach dem Schwimmen nicht danach suchen muss. Zusätzlich rät er, zumindest am Anfang nicht alleine in den See zu gehen und sich nicht zu übernehmen.

 

 

Als ich mich wieder anziehe, ist mir plötzlich merkwürdig warm. Es ist, als produziere mein Körper soviel Wärme, dass ich nicht mehr friere. Doch das Gefühl ist nur von kurzer Dauer: Schlotternd ziehe ich Jacke, Handschuhe und Mütze an und friere noch ein wenig weiter. Richtig warm wird es erst wieder im Zug.

So seltsam es klingen mag, Brönnimann hatte recht: Ich bin wach und fit für den Tag. Die paar Minuten im Zürichsee haben richtig gut getan.

 

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