Nachhaltige Portfolios auf der Überholspur

Die Rendite war für Investorinnen und Investoren lange Zeit das Mass aller Dinge – notfalls auch auf Kosten der Umwelt. Inzwischen erzielen nachhaltige Anlagestrategien aber sogar bessere Renditen als traditionelle Investments – auch im Immobilien- und Energiesektor. Thomas Pfyl, Leiter Investment Selection bei der Globalance Bank AG, erklärt, was es bei der Bewertung dieser Anlagen zu beachten gilt.

Ein Sonnenuntergang am Meer, überlagert mit einer schematischen Weltkarte und Symbolen der Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit und Rentabilität – wie passt das beim Investieren zusammen?

Thomas Pfyl: Jede Investition ist per Definition mit der Erwartung an künftige Erträge verbunden. Um eine Rendite erzielen zu können, darf ein Geschäftsmodell nicht seine eigene Grundlage zerstören. Das ursprüngliche Prinzip der Nachhaltigkeit beruht darauf, Ressourcen so zu nutzen, dass sie sich nicht erschöpfen. Aus meiner Sicht bedingen sich die beiden Aspekte deshalb gegenseitig. Wir bei Globalance bevorzugen allerdings den Begriff «Zukunftsfähigkeit» von Anlagen.

 

Nach welchen Kriterien bewerten Sie die Zukunftsfähigkeit?

Jede Anlage hat nicht nur eine finanzielle Rendite, sondern hinterlässt auch eine reale Wirkung in unserer Welt. Wir analysieren diese Auswirkungen bei jeder Anlage, bevor wir sie in unsere Portfolios aufnehmen. Drei Aspekte spielen dabei eine wichtige Rolle: der ökologische, volkswirtschaftliche und soziale Fussabdruck einer Investition, der Umsatzanteil in neun zentralen Megatrends wie Urbanisierung, Digitalisierung und Ressourcenverknappung sowie drittens der Klimaerwärmungsbeitrag einer Anlage (siehe Box Globalance).

 

Globalance

Die Globalance Bank AG mit Sitz in Zürich wurde 2011 gegründet und ist spezialisiert auf nachhaltige, zukunftsfähige Anlagen. Inzwischen verwaltet die Bank mehr als 2 Milliarden Franken Kundengelder. Das Wirtschaftsmagazin Bilanz hat Globalance 2022 zur besten Privatbank der Schweiz gekürt. Das eigenentwickelte Fintech-Tool www.globalanceworld.com ist eine Art Google Earth für Investorinnen und Investoren. Anlegerinnen und Anleger können dort unter anderem den Beitrag ihres Portfolios zur globalen Erderwärmung analysieren.

 

Warum sind die ökologische und die energetische Nachhaltigkeit für Investorinnen und Investoren wichtig?

Der Klimawandel ist eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit. Die damit einhergehende Energie- und Mobilitätswende hat Auswirkungen auf alle Länder, Sektoren und jedes Unternehmen. Wie bei jedem Wandel gibt es dabei immer Gewinner und Verlierer. Anlegerinnen und Anleger sollten zwingend darauf achten, diese Verlierer rechtzeitig aus ihren Portfolios zu entfernen, um schmerzende Abschreiber zu verhindern. Smarten Investorinnen und Investoren wird zunehmend bewusst, dass sie mit den Gewinnern dieser Entwicklung attraktive Renditen erzielen können. Gleichzeitig steuern sie mit ihrem Geld die Richtung und Geschwindigkeit dieser Entwicklung mit. Die Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen steigt auch deshalb so stark.

 

Wie performen diese nachhaltigen Anlagen im Vergleich zu traditionellen Investments?

Bei der Gründung von Globalance haben wir Metastudien zu diesem Thema untersucht. 90% von insgesamt 70 unabhängigen und wissenschaftlichen Studien kamen zum Schluss, dass die Performance von nachhaltigen Anlagen gleich gut oder besser ist als bei herkömmlichen Investments. Das war vor über zehn Jahren – heute wird das gar nicht mehr diskutiert, weil wissenschaftlich bewiesen ist, dass die Performance von nachhaltigen Portfolios mindestens so gut ist wie bei traditionellen Anlagen.

 

Die nachhaltige Wohnüberbauung Papillon in Köniz mit über 1000 Wohnungen ist perfekt In die hügelige, grüne Landschaft eingebettet.

Das neue Wohnquartier Papillon in Bern Köniz mit über 1000 Wohnungen beweist, wie sich ökologische Ziele erfolgreich mit einer hohen Lebensqualität für die Bewohner und einer marktgerechten Rendite für die Investoren kombinieren lassen.

Sind klimafreundliche Anlagen auch mit weniger Risiko behaftet?

Das kann man pauschal nicht so sagen. Es gibt auch im Bereich der erneuerbaren Energien viele Start-ups und junge Firmen, die nicht überleben werden, weil sie langfristig keine Gewinne erzielen. Aber Fakt ist, dass bei fossilen Energien eine allfällige Besteuerung des CO2-Ausstosses ein grosses und reales Anlagerisiko darstellt: Ölvorkommen, Bohrtürme und Pipelines sind zwar heute werthaltig in den Bilanzen dieser Firmen ausgewiesen, können aber im Zuge klimapolitischer Massnahmen längerfristig ihren Wert verlieren und müssen gar komplett abgeschrieben werden – das sind sogenannte Stranded Assets.

 

Können Sie diese Trendwende zeitlich festmachen?

In meiner persönlichen Laufbahn hatte ich bereits Mitte der 90er-Jahre bei der Bank Vontobel damit begonnen, Unternehmen nach den externen Umweltkosten zu analysieren. Damals konnten Firmen so viel CO2 ausstossen, wie sie wollten – ohne dass diese Kosten monetarisiert wurden. Da wurde mir klar, dass die Nachhaltigkeit Teil der Analyse werden muss. Heute sollten alle guten Analystinnen und Analysten die Umweltkosten in ihre Risikobeurteilung eines Unternehmens einbeziehen. Ereignisse wie die Nuklearkatastrophe in Fukushima, der Blowout der Ölplattform Deepwater Horizon oder der VW-Abgasskandal haben ein Umdenken bewirkt. Gleichzeitig eröffnen Innovationen neue Möglichkeiten – etwa im Bereich der Elektromobilität oder bei Speicherlösungen.

 

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Performance von nachhaltigen Portfolios mindestens so gut wie ist bei traditionellen Anlagen.

Thomas Pfyl, Head of Investment Selection, Globalance

 

Was versprechen Sie sich von den angesprochenen Speicherlösungen?

Die Entwicklung von Batteriespeichern macht riesige Fortschritte. Die Preise haben sich in den letzten fünf bis sechs Jahren halbiert und werden sich in den kommenden Jahren erneut halbieren. Dies ermöglicht immer mehr Unabhängigkeit beim nachhaltigen Wohnen und der Mobilität. Die Investitionen in diese Technologien lohnen sich bereits heute. Obwohl das Zinsniveau jüngst angestiegen ist, gibt es diesbezüglich interessante Finanzierungsmodelle.

 

Welchen Einfluss haben Energiepreise und politische Rahmenbedingungen auf nachhaltige Anlagen?

Die Performance unterliegt immer natürlichen Schwankungen – etwa abhängig vom Ölpreis. Über die letzten zehn Jahre gemessen, hat man mit einem Paket von Ölaktien kein Geld verdient. Bei ausgewogenen, nachhaltigen Fonds mit Solarenergie, Wind und Wasserstoff hat sich das investierte Vermögen dagegen im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt. Auflagen wie etwa ein Verbot von Ölheizungen verschaffen erneuerbaren Energien einen klaren Vorteil. Natürlich wird auch der Strompreis mit höherer Nachfrage steigen – Wärmepumpen brauchen ja schliesslich auch Strom.

 

Alle guten Analystinnen und Analysten sollten die Umweltkosten in die Risikobeurteilung eines Unternehmens einbeziehen.

Thomas Pfyl, Head of Investment Selection, Globalance

 

Welchen Stellenwert hat der Immobilienbereich bei nachhaltigen Investitionen?

Grundsätzlich sind Immobilien in Bezug auf klimafreundliche Investments sehr relevant. Gebäude machen in der Schweiz rund einen Drittel der CO2-Emissionen aus. Noch vor zehn Jahren hätte man gesagt: Nachhaltige Energielösungen sind schön und gut. Die Mehrkosten rechnen sich vielleicht in 30 Jahren. Damals waren etwa Photovoltaikanlagen noch viel teurer und das Öl war billiger. Heute sieht das ganz anders aus; mit den jüngsten Entwicklungen ist der Payback deutlich unter zehn Jahre gefallen.

 

Welche Auswirkungen hat das auf den Markt?

Das könnte einen Schub zugunsten von erneuerbaren Energien auslösen – besonders im Immobilienbereich. Investitionen in nachhaltige Energielösungen bringen eine Wertsteigerung. Für die Rendite spielt im Immobilienmarkt aber auch die Bewertung eine Rolle. Aktuell liegen die Marktwerte von Schweizer Immobilienfonds deutlich über ihren Nettoinventarwerten. Obwohl sich diese Aufpreise (Agios) von rund 40% in den letzten Monaten bereits halbiert haben, sind die nach wie vor hohen Bewertungen eine Hemmschwelle für Investorinnen und Investoren.

 

Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der nachhaltigen Wohnüberbauung Arrivo in Kloten.

Für die Wohnüberbauung Arrivo in Kloten mit 52 Mietwohnungen betreibt Energie 360° eine zukunftssichere, integrale Energie- und Mobilitätslösung, welche sie auch geplant, realisiert und finanziert hat.

Wo lohnen sich nachhaltige Investitionen in Immobilien am meisten?

Bei Neubauten ist eine nachhaltige Bauweise heute bereits Standard. 95% des Immobilienbestands in der Schweiz ist aber älter als zehn Jahre. Einen echten Mehrwert für das Klima bringen energetische Sanierungen von Bestandsliegenschaften – besonders hier sind Investitionen gefragt. Die damit verbundenen Wertsteigerungen sind real und erhöhen die Rentabilität langfristig. Es gibt nachhaltige Immobilienfonds, die sich darauf spezialisieren.

 

Thomas Pfyl

Portrait von Thomas Pfyl

Als Head of Investment Selection bei der Globalance Bank AG weiss Thomas Pfyl (59), worauf es bei der Auswahl zukunftsgerichteter Anlagen ankommt. Er analysiert Einzeltitel und Fonds nach den strengen Kriterien eines komplexen Bewertungssystems. Seine Methode zur Berechnung der externen Umweltkosten von Unternehmen entwickelte er bereits Mitte der 90er-Jahre bei der Bank Vontobel – lange bevor dies in der Branche überhaupt ein Thema war. Thomas Pfyl ist dipl. Betriebsökonom FH, Certified International Investment Analyst CIIA und absolvierte das International Executive Program INSEAD in Fontainebleau.

 

Welchen Rat haben Sie für Anlegerinnen und Anleger in diesem komplexen Markt?

Ich rate zu Vorsicht beim Begriff Nachhaltigkeit. Unternehmen und Portfolios, die sich an selbst gesetzten Standards messen und dies erst seit kurzer Zeit tun, fallen oft in den Bereich «Greenwashing». Anlegerinnen und Anleger sollten sich deshalb intensiv mit der Methodik auseinandersetzen oder einem erfahrenen Anbieter vertrauen, der dies für sie übernimmt. Ich erwarte jedoch eine zunehmende Standardisierung bei nachhaltigen Anlagen. Das ist ein bisschen wie bei der Rechnungslegung. Früher gab es dafür diverse Standards, heute sind es noch zwei.

 

Nachhaltige Energielösungen für Investoren

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